Langerwehe - Selbst Lang Lang ist von Laetitia total entzückt

Selbst Lang Lang ist von Laetitia total entzückt

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
7897829.jpg
Mit zwei Jahren begann sie, am Klavier zu komponieren, mit acht wurde sie als Studentin an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf angenommen, und mit jetzt zehn Jahren geht die gebürtige Düsseldorferin in Essen in die siebte Klasse: Laetitia Hahn. Einen Klavier-Meisterkurs besucht sie in Langerwehe bei Heribert Koch. Sie wohnt in Velbert. Und am Sonntag gibt sie in Jülich ihren ersten großen Klavierabend. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Am liebsten spielt sie Stücke von Franz Liszt. Gleich danach kommt Beethoven in ihrer persönlichen Hitliste der Komponisten. Und Mozart natürlich. Überhaupt: Die Musik der Zeit zwischen 1700 und 1850, die mag sie besonders gerne: die Pianistin Laetitia Hahn.

Ab Oktober 2012 studierte sie an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf, im Oktober 2013 wechselte sie an das Dr. Hoch‘s Konservatorium in Frankfurt. Am kommenden Sonntag debütiert sie mit ihrem ersten abendfüllenden Solokonzert in der Zitadelle Jülich. Alles eigentlich nichts Besonderes. Aber: Laetitia Hahn ist zehn Jahre alt!

Die Beine baumeln vom Klavierschemel herab und schwingen lustig hin und her, Laetitia zupft an ihren Haaren und lacht. So eine alberne Frage hat sie noch nie gehört: Ob sie die Stücke immer auswendig spiele? „Aber natürlich!“ Und auch ihr Lehrer, Heribert Koch, meint sogleich: „Das ist doch überhaupt nicht erwähnenswert.“ Schließlich ist Laetitia Vollprofi – und stimmt am Flügel mal eben eines ihrer selbst komponierten Stücke an. Mit einer Wucht, die man den kleinen Händchen niemals zugetraut hätte, hämmert sie die Akkorde in die Tasten, wellenartig – denkbar passend zu dem musikalischen Thema, das sie vertont hat: „Tsunami“ heißt das Stück.

Die Eltern haben lange gesucht

Ein- bis zweimal pro Woche reist Laetitia mit ihrer Mutter Annette seit Februar von Velbert hierher nach Langerwehe, um bei Heribert Koch einen Meisterkurs zu besuchen. Lange haben die Eltern gesucht – Vater Christian ist Immobilienberater, die Mutter studierte Philosophin –, um für ihre Tochter den passenden Musikpädagogen zu finden. Die Empfehlung für Heribert Koch kam von Laetitias langjähriger Lehrerin Oxana Ignatenco aus Meerbusch. Bei dieser Hochbegabung – in dem Fall fast eine Untertreibung – musste es schon selbst ein Meister sein und jemand, der sich bestens darauf versteht, eine Musikerin dieses Alters zu unterweisen. Heribert Koch ist ein international ausgewiesener Spezialist für herausragende junge Klavierschüler. Und als Präsidiumsmitglied der European Piano Teachers Association (EPTA) kann er aus Erfahrung bestätigen: „Laetitias Talent ist auch im internationalen Vergleich herausragend.“

2012 gewann sie einen Meisterkurs bei Lang Lang in München, da war sie eine von zwölf „Wunderkindern“ aus der ganzen Welt – und Lang Lang war total entzückt von ihr. Nicht nur von ihrer technischen Brillanz, vor allem auch von ihrer Musikalität. Das hebt auch Heribert Koch hervor: „Andere Talente dieser Art erreichen mit viel Übung, Training und Dressur eine verblüffende Präzision, aber sie reproduzieren eben nur, was der Lehrer vorgegeben hat. Laetitia dagegen findet immer ihre ganz eigene Interpretation, ihre eigene musikalische Ausdrucksfähigkeit.“

Und das geht auch noch spielend. Der Termin ihres abendfüllenden Konzertdebüts in Jülich – einmal pro Woche tritt sie sowieso jetzt schon irgendwo auf, aber eher kurz – stand vor drei Monaten fest, da kannte sie gerade mal einen Bruchteil ihres Programms. Frage an den Klavierlehrer: Wie lange braucht man sonst für gewöhnlich, um die Französische Suite Nr. 5 G-Dur von Johann Sebastian Bach, die Sonate F-Dur KV 332 von Wolfgang Amadeus Mozart, die Visions fugitives op. 22 von Serge Prokoffiew, die Sonate c-Moll op. 13 „Pathétique“ von Ludwig van Beethoven und das Rondo cappriccioso von Felix Mendelssohn in einem Konzert aufzuführen? Koch: „Jahre.“

Mutter und Tochter ist es beinahe peinlich, von der dreimonatigen Vorbereitungszeit überhaupt erzählt zu haben. „Hoffentlich hört sich das nicht angeberisch an“, sagt Laetitia. Ganz bestimmt nicht – denn die Zehnjährige ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, mit Freundinnen und Hobbies, gäbe es da nicht die eine oder andere Besonderheit. Sie geht zum Beispiel in die siebte Klasse. Die siebte – mit zehn! Drei Klassen hat sie schon übersprungen.

Englisch lernte sie im Kindergarten. „Wir hatten für sie einen bilingualen Kindergarten gesucht“, erzählt die Mutter. Laetitias Bruder Philip ist übrigens auch ein „Hochbegabter“. Auch er spielt ganz hervorragend Klavier. Laetitia ist – wir ahnten es schon – auch auf der Geige ein absolutes As und hat in dieser musikalischen Disziplin gleichfalls bereits Meisterkurse belegt.

Alles fing mit zwei Jahren an. In der Wohnung der Familie stand ein Klavier, Mutter Annette hatte früher einmal Klavierunterricht, aber nicht besonders lange. „Mit Musik hatten mein Mann und ich eigentlich gar nichts am Hut“, sagt sie. Und mit zwei Jahren fing das Töchterchen plötzlich an, auf diesem Klavier eigene Stücke zu komponieren. „Das hörte sich einfach gut an.“ Und so beschlossen die Hahns, ihrem so völlig überraschend sich Bahn brechendem Talentchen eine Klavierlehrerin zu besorgen. Die allerdings ist an ihrer Aufgabe früh gescheitert – sie konnte mit den Fähigkeiten ihrer Elevin einfach nicht umgehen. Laetitia wollte unbedingt den „Türkischen Marsch“, das Rondo Alla Turca aus Mozarts Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331 lernen. Die Lehrerin servierte ihr – ungläubig, dass das kleine Mädchen dazu in der Lage wäre – eine „Light“-Version. Laetitia besorgte sich über die Eltern aber die Originalversion und – schwupps – studierte sie ein. Und die Etüden von Chopin traute die Lehrerin Laetitia ebensowenig zu: „Zu früh.“

Jetzt also ist Heribert Koch der sehr viel passendere „Trainer“. An seiner Seite: Thomas Günther, Professor an der Folkwang-Universität Essen, der Laetitia ebenfalls musikalisch betreut.

Und wie lange übt die kleine Pianistin so am Tag? „Drei Stunden“, sagt Laetitia und wippt lachend auf dem Schemel. Koch: „Ist es jetzt bei der Übung für das Konzert eigentlich nicht doch ein bisschen mehr?“ Laetitia: „Na gut – 3,5 Stunden.“ Aber auch nicht eben viel bei einem Konzertabend, der hintereinandergespielt, also unter Abrechnung der Pause, 80 Minuten umfasst. „Das ist ein ausgewachsener, kompletter Klavierabend“, bestätigt Heribert Koch. Am 22. Juni, 17 Uhr, folgt eine Wiederholung im Bonner Beethoven-Haus.

„Laetitia soll ein erfolgreiches, glückliches Leben als Musikerin haben“, erklärt Mutter Annette. „Vor allem eines als ganz normales, fröhliches Mädchen.“ Deshalb denken die Eltern nicht daran, etwa einen Manager zu engagieren. „Sie muss Kind bleiben und darf nicht kurzfristig als Sensation vermarktet und verheizt werden.“

Wenn Laetitia gerade mal nicht an ihrem Lieblingsinstrument sitzt, dann klettert sie gerne – „mit Helm“ –, und im Winter fährt sie Ski. Und das – wir ahnten auch das wieder – selbstverständlich wie ein As.

„Als Sechsjährige gewann sie ein Rennen als einziges Mädchen unter achtjährigen Jungen.“ Und so spielerisch leicht geht es auch im Klavierunterricht zu. Heribert Koch: „Manchmal beginnt sie beim Spiel mit Beethoven und landet bei Mozart.“ Sie improvisiert überaus gerne – natürlich nicht im Konzert. „Dieses Spontane hat sie sich aber immer noch bewahrt.“ Das Konzert in Jülich verspricht, ein echtes Erlebnis zu werden!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert