Aachen - Seit 19 Jahren: Langer Streit unter CHIO-Vermarktern

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Seit 19 Jahren: Langer Streit unter CHIO-Vermarktern

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Wem ist es zu verdanken, dass das Aachener Reitturnier zu den bedeutendsten Sportveranstaltungen des Planeten zählt? Über den Anteil des früheren CHIO-Vermarkters Wolfgang Goetz streiten Goetz und CHIO-Veranstalter ALRV seit 19 Jahren – vor Gericht. Foto: Thomas Rubel
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Urteil: Der frühere CHIO-Vermarkter Wolfgang Goetz bekam vom Aachener Landgericht 765.000 Euro plus Zinsen zugesprochen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Richter Armin Bucher sinnierte über die Vorzüge, nicht am Ort seiner richterlichen Tätigkeit wohnen zu müssen. „Von Köln aus hat man eine gewisse Distanz zu Dingen, die hier in Aachen bewegen“, sagte der Vorsitzende der 9. Zivilkammer am Aachener Landgericht am Freitag vor seinem Urteilsspruch.

Über den Rechtsstreit zwischen dem Ausrichter des CHIO, dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV), und dem einstigen CHIO-Vermarkter Wolfgang Goetz (59) hat Richter Bucher trotzdem graue Haare bekommen, und zwar buchstäblich.

Auf Buchers Entscheidung hatten der Kläger, Wolfgang Goetz, und die Beklagte, die zum Teil dem ALRV gehörende Aachener Reitturnier GmbH (ART), aus Gründen, die überhaupt nicht der Justiz zuzuschreiben sind, 19 Jahre lang warten müssen. Das zähe Ringen ums Geld hat Goetz letztlich gewonnen, ein bisschen jedenfalls.

Denn während der langen Auseinandersetzung hat das Image von Goetz erheblich gelitten, wie er glaubt. Das Urteil: Die ART muss Goetz‘ Londoner Firma GEM 764.762,96 Euro Schadensersatz für entgangene Gewinne aufgrund alter Verträge zur Vermarktung des Aachener Reitturniers zahlen, plus Zinsen.

Ein bisschen weniger

Die Auseinandersetzungen zwischen dem ALRV und Wolfgang ­Goetz begannen Ende 1995. Goetz arbeitete seit Anfang der 90er Jahre daran, aus dem bis dahin von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführten Reitturnier in der Aachener Soers das zu machen, was es heute ist – das „Weltfest des Pferdesports“. 1995 hatte der damalige Präsident Klaus Pavel dem CHIO-Vermarkter abrupt den Stuhl vor die Tür gesetzt, die Aufgaben von Goetz übernahm die ART.

Ein Rauswurf, der „mein Leben beinahe zerstört hat“, sagte Goetz gestern noch einmal und beklagte den damit einhergehenden Reputationsverlust in der Welt des Sports. Dabei habe seine Arbeit in Aachen zu guten Ergebnissen geführt, wie Goetz noch heute nicht müde wird zu betonen. Und die Grundlage dazu habe alleine er gelegt, sagte der nicht gerade von Selbstzweifeln geplagte Sportvermarkter gestern.

„Man hat damals versucht, mit immer neuen Verträgen mehr Klarheit zu schaffen“, beschrieb Bucher die juristische Ausgangssituation. Der Vertragswirrwarr hat die Sache aber nicht einfacher gemacht, im Gegenteil. Die Folge war ein äußerst komplizierter und langer Rechtsstreit. Ursprünglich wollte Goetz von ALRV und ART fünf Millionen Euro haben, später dann nur noch 1,1 Millionen.

Doch so weit es die Höhe der Forderungen betraf, schloss sich Richter Armin Bucher Goetz‘ Vorstellungen nicht an. „Wir haben berechnet, dass der GEM etwa zwei Drittel der Summe zustehen“, erläuterte Bucher die ebenso umfangreiche wie langwierige Bierrechnung. So landete die Arithmetik der Kammer schließlich bei den nun festgesetzten 764.762,96 Euro.

Das war aber nicht alles. Hinzuzurechnen sind entgangene Zinsen zu einem Satz von fünf Prozent per anno, erweiterte Richter Bucher die fälligen Leistungen, die somit teuer werden können. Der umfangreiche Urteilsspruch umfasst rund 30 Seiten und legt sogar die einzelnen Zinsschritte, die geltend gemacht werden dürfen, genauestens fest.

„Eher so wie Kirmes“

„Die ART, die macht das heute sicherlich gut. Aber die Grundlagen wie das VIP-Zelt mit dem Champions‘ Circle oder das Zeltdorf mit den Läden, das war meine Idee. Damals war das in der Soers eher so wie Kirmes“, befand Goetz nach dem Urteil. Geht er in Berufung? Das wisse er noch nicht, sagte Goetz, das wolle er zunächst mit seinen Anwälten klären.

Der ALRV wollte zum Urteil keine größeren Stellungnahmen abgeben. In einer kurzen Mitteilung erklärte ALRV-Sprecher Niels Knippertz am Freitag, Goetz müsse „90 Prozent der Gerichtskosten sowie sechs Siebtel der außergerichtlichen Kosten der ART tragen“. Endgültig könne „das Urteil erst bewertet werden, wenn die schriftliche Begründung vorliegt“. Erst dann wird der ALRV entscheiden, ob er das Urteil akzeptiert – oder nach 19 Jahren doch noch einmal in Berufung gehen will.

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