Seele des Campo Santo: Aachener Kirchenhistoriker Gatz ist tot

Von: kna
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Prof. Erwin Gatz, katholischer
Verstorben: Professor Erwin Gatz, katholischer Priester und als Apostolischer Protonotar Mitglied der päpstlichen Familie, war erst vor Kurzem als ehemaliger Rektor des Campo Santo Teutonico in seine Heimat nach Burtscheid zurückgekehrt. Bei einem Wanderausflug ist er gestorben. Foto: Harald Krömer

Aachen/Rom. 35 Jahre lang war der Aachener Kirchenhistoriker Erwin Gatz Leiter des deutschen Priesterkollegs und dessen Erzbruderschaft am Campo Santo in Rom. Als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Studien - darunter Standardwerke zur Kirchengeschichte des Heiligen Römischen Reiches - erwarb er sich internationales Ansehen.

Zudem wurde unter seiner Ägide die Traditionseinrichtung im Schatten des Petersdoms zu einem Orientierungspunkt für die deutschsprachige katholische Gemeinde in Rom. Vier Monate nach seiner Pensionierung und der Rückkehr in seine Heimatstadt Aachen starb Gatz am Sonntag im Alter von 78 Jahren unerwartet - bei einem Ausflug ins benachbarte niederländische Mergelland.

Seelsorger, Professor, Rektor

Auch als Pensionär wollte Gatz seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzen. Im Campo Santo hatte er sich ein Arbeits- und Wohnzimmer reserviert, um bei möglichst vielen kurzen oder längeren Rom-Besuchen arbeiten und Kontakte pflegen zu können. Er habe noch mehrere Buchprojekte, ließ er bei seiner römischen Verabschiedung am 8. Dezember wissen. Erst im März erschien sein Buch „Wie Priester leben und arbeiten”. Für den kommenden Donnerstag hatte er einen Flug gebucht. Doch sein Abschied aus Rom am 17. Januar sollte der letzte gewesen sein.

Gatz war Seelsorger, Professor und Rektor. Als die Deutsche Bischofskonferenz 1975 für den Campo Santo nach unruhigen Jahren einen jüngeren, belastbaren Priester und Akademiker mit Organisationstalent suchte, fiel die Entscheidung auf den Aachener Priester Gatz. Nach zehn Jahren als Seelsorger in seinem Heimatbistum, nach Promotion und Habilitation war er als Akademischer Oberrat für Kirchengeschichte an der Universität Bonn tätig. In Rom übernahm er neben der Leitung des Priesterkollegs und der Erzbruderschaft auch den Vorsitz der römischen Sektion der Görres-Gesellschaft.

Hohes Renommee

In allen drei Institutionen bemühte sich Gatz um eine Konsolidierung; darüber hinaus wurde er zu deren „Seele”, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu seinem Tod hervorhob. Für die Erzbruderschaft, seit 550 Jahren Eigentümerin des Anwesens neben dem Petersdom, setzte Gatz ein Statut durch, das die Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten eindeutig klärte. Der römischen Niederlassung der Görres-Gesellschaft verschaffte er durch den Ausbau der Bibliothek und durch regelmäßige Vorträge ein hohes Renommee. Dem Priesterkolleg gab Gatz mit rheinischer Gelassenheit und herbem Charme ein klares geistliches Profil.

Zu den rund 25 Kollegsmitgliedern aus Deutschland und einigen Nachbarländern gehören bis heute Kurienmitarbeiter sowie Priester, die in Rom ein Promotionsstudium absolvieren. Von den Kollegiaten seien in seiner Amtszeit 50 promoviert worden, schrieb Gatz in seinen vor einem Jahr veröffentlichen Memoiren; etliche hätten sich habilitiert. Einige ehemalige Bewohner des Campo Santo wurden Bischöfe, etwa der Dubliner Oberhirte Diarmuid Martin, Josef Clemens als Sekretär im Päpstlichen Laienrat oder die Bischöfe von Speyer und Augsburg, Karl Heinz Wiesemann und Konrad Zdarsa.

Zu den kirchenhistorischen Standardwerken gehört Gatz fünfbändiges Bischofslexikon, das die Bischöfe, Weihbischöfe und Generalvikare des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation von 1198 bis 1803 und der deutschsprachigen Länder von 1785/1803 bis 2001 erfasst. Und auch zahlreiche Desiderate der kirchenhistorischen Forschung füllte er: Gatz war Herausgeber und Mitautor einer achtbändigen jüngeren Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern. Er publizierte eine mehrbändige Geschichte der Weltkirche seit 1945 nach Kontinenten und Regionen. Dazu ein zweibändiges Bistumslexikon, einen kirchenhistorischen Atlas und einen kunsthistorischen Führer durch das christliche Rom. Als Pensionär wollte Gatz den zweiten Teil seiner Memoiren schreiben. Nachdem der erste Teil, den er zu seinem Goldenen Priesterjubiläum herausgab, nur die Zeit bis 1975 behandelte, wollte er im zweiten Band die Jahre als Rektor in Rom darstellen. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
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