Sechsfacher Mörder könnte sich das Leben genommen haben

Von: Johannes Nitschmann
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Flüchtig oder tot? Bislang wurde der Neusser Heinz N. noch nicht gefunden. Foto: ddp

Düsseldorf. Der nicht zum Haftantritt erschienene und per Haftbefehl gesuchte Sechsfach-Mörder Heinz N. hat möglicherweise einen Selbstmordversuch unternommen. Es gebe „ernstzunehmende Hinweise”, dass sich der 48-Jährige „etwas angetan hat”, erklärte der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa am Donnerstag.

Detailliertere Angaben könne er derzeit nicht machen. Ob ein Abschiedsbrief vorliege, wollte der Staatsanwalt nicht sagen. Seiner Behörde lägen konkrete Erkenntnisse vor, dass N. nicht geflüchtet sei, sondern „einen Suizidversuch unternommen” habe. Bisher sei er jedoch nicht gefunden worden.

Nach drei Gerichtsverfahren und insgesamt elfjähriger Verhandlungsdauer hatte der Bundesgerichtshof (BGH) am 8. Januar in einem Revisionsverfahren letzt- instanzlich entschieden, dass sich der frühere Bauunternehmer aus Neuss des Mordes an sechs Menschen schuldig gemacht hat. Aus Habgier habe er im Sommer 1998 an seinem Haus an der Düsseldorfer Krahestraße eine Gasexplosion herbeiführen lassen, bei der sechs Menschen getötet wurden.

N. hatte sich auch nach seiner Verurteilung auf freiem Fuß befunden. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2005 nach achteinhalbjähriger Untersuchungshaft deren Aufhebung verfügt, weil Gerichte und Ermittlungsbehörden das Strafverfahren gegen den Bauunternehmer unzumutbar in die Länge gezogen hätten. Die Urteile gegen N. waren nach mehrjähriger Verhandlungsdauer zwei Mal vom BGH aufgehoben worden.

Nach der Aufhebung des Haftbefehls durch das Bundesverfassungsgerichts habe die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit gesehen, N. unmittelbar nach dem BGH-Urteil im Januar zu verhaften, erklärte Staatsanwalt Kumpa. „Wir haben keine Fluchtgefahr gesehen.” Zuletzt habe der 48-Jährige bei seiner Mutter in Thüringen gelebt und als Staubsaugervertreter gearbeitet. Nach der Ladung zum Haftantritt am 21. April in Hagen hatte N. Atteste eines Internisten und Psychiaters aus Thüringen vorgelegt, die ihm Haftunfähigkeit attestierten. Ein Antrag von N.s Anwalt auf Haftverschonung war abgelehnt worden.

In den ärztlichen Gutachten war Suizidgefahr festgestellt worden. Als N. am Dienstag nicht zum Haftantritt erschienen war, beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Der Mörder galt seither als flüchtig. „Inzwischen haben wir Hinweise, dass N. die Zeit seit vergangenen Dienstag nicht zur Flucht, sondern möglicherweise zu einem Selbstmordversuch genutzt hat”, erklärte Kumpa.

Zuvor hatte die SPD-Landtagsopposition von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) Aufklärung darüber verlangt, „warum sich ein Sechsfachmörder in NRW unbehelligt von der Justiz bewegen kann”. Falls die Ministerin keine zufriedenstellende Antwort gebe, werde die SPD-Fraktion eine Sondersitzung des Rechtsauschusses im Düsseldorfer Landtag beantragen, kündigte deren Fraktions-Vize Ralf Jäger an.
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