Schwimmen im ehemaligen Nazi-Bad: „Darf man das?”

Von: Elke Silberer, dpa
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Burg Vogelsang - Schwimmbad
Das Schwimmbad in der ehemaligen NS Ordensburg Burg Vogelsang in der Eifel. Die denkmalgeschützte Schwimmhalle auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang geht wieder in Betrieb und ist damit langfristig gesichert. Foto: dpa

Gemünd. Die Eifeler gelten als bodenständige, praktisch veranlagte Menschen. Und Helmut Peters, das ist so einer. Warum soll ein voll funktionstüchtiges Hallenbad nicht genutzt werden?, fragte er sich.

Zumal es im Umkreis nur noch eins gibt. „Das wäre einfach schade gewesen.” In Tausenden Arbeitsstunden stellte er das Schwimmbad zusammen mit weiteren Helfern wieder her, diesen Sonntag beginnt der normale Schwimmbetrieb. Die Sache hat nur einen Haken: Das Schwimmbad wurde von den Nazis erbaut. Es gehörte zur NS-Ordensburg Vogelsang, in der Hitler seine neue Elite heranzüchten wollte.

Jetzt will die Stadt Schleiden den Nachwuchs dort zum Schulschwimmen schicken. Darf man das? Manchen packt das Unbehagen. „Lehrer fragen sich: Darf man so etwas Schülern zumuten”, erzählt die Kunsthistorikern Monika Herzog vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege.

Herzog selbst ist für die Nutzung als Schwimmbad, nur meint sie, dass gleichzeitig damit die Geschichte des Komplexes vermittelt werden muss: „Man hat die Chance, sich über die Architektur dem Thema anzunähern.” Unterstützung für die pädagogische Vermittlung hat Herzog beim Förderverein Nationalpark Eifel angefragt.

NS-Symbole gibt es in der Halle nicht. Aber niemand kann an dem knapp vier Meter hohen Mosaik in der Halle vorbeigucken: Drei nackte Athleten, die im Gleichschritt auf die Meeresbrandung zuschreiten. Diese Darstellung sei rassistisch zu deuten, sagt der Vogelsang-Historiker Klaus Ring: „Das ist der Typus mutiger, starker, gut gebauter Mensch - das ist letztlich der nordische, arische Mensch.”

Bemerkenswert ist für die Denkmalpfleger die Technik und der Baustil der Halle mit einem Flachdach. Die Halle war nach den modernsten Erfordernissen gebaut und entsprach damit eigentlich gar nicht den deutschtümelnden Vorstellungen der Nazis.

Dass nach jahrelangem Verfall wieder Leben in die Halle kommt, freut die Experten: „Die Beibehaltung der originären Nutzung ist das Beste, was einem Denkmal passieren kann”, meint Herzog, nachdem auch schon mal eine Bar oder ein Café in Diskussion waren.

In der jahrelangen Diskussion stand es zeitweise Spitz auf Knopf, dass jemand den großen Stöpsel zieht und das Wasser aus dem Becken lässt. Das wäre das Ende gewesen: Die Fliesen wären abgefallen, das Becken wäre undicht geworden und die Technik gerostet.

Das wollten Peters und seine Mitstreiter auf jeden Fall verhindern. Viele von Ihnen haben in der Halle Schwimmen gelernt, auch er selbst. Nun ist er Vorsitzender des Schwimm- und Sportvereins Vogelsang. Der startet am Sonntag den Betrieb, mit Elan und Ehrenamtlern. Da sei nichts Anrüchiges dabei, meint Peters: „Vogelsang ist ein Teil der Vergangenheit, die wir haben.”
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