Aachen - Schwer wird´s erst im Haarbachtal

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Schwer wird´s erst im Haarbachtal

Von: Stephan Mohne
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Hämmern, krallen, reißen: Gegen die brachiale Gewalt der bärenstarken Bagger hat die Autobahnbrücke über der Haarener Gracht keine Chance. Das mehr als 50 Jahre alte Bauwerk an der A544 wird in kleine Bröckchen zerlegt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. 18 Millionen Autos und Laster rollen im Jahr über die Brücke - knapp 50.000 pro Tag. Hunderte Millionen sind es seit 1957 gewesen. Nie hat das Bauwerk über der Haarener Gracht nachgegeben. Doch gegen die brachiale Gewalt, die ihr nun angetan wird, ist die Brücke machtlos.

Fünf bärenstarke Bagger hämmern auf sie ein, krallen sich in den Beton, reißen sie in buchstäblich in Stücke. Oben auf der Fahrbahn der Autobahn 544 steht an diesem Samstagmittag Jörg Bodemüller und schaut sich das Spektakel an.

Der Mann von der Bauaufsicht des Lanesbetriebs Straßenbau in Krefeld ist völlig gelassen: „Reine Routine”, sagt er. Man mag es kaum glauben. Aber es ist eben nicht die erste Brücke, der auf diese Weise der Garaus gemacht wird. Zwei Tage Arbeit - und der erste Teil des mehr als 50 Jahre alten Bauwerks ist Geschichte.

Brachiale Kombizangen

Normalerweise kann dabei sogar der Verkehr auf dem anderen Teil der Autobahn weiterfließen. Diemal ist vorsichtshalber die A544 einen Tag „dicht”. Schaut man den Abrissmaschinen zu, weiß man warum. Staubfontänen schießen in die Höhe, Gesteinsbrocken kugeln durch die Gegend und klatschen auf die darunter liegende Haarener Gracht. Die Verbindung zwischen Haaren und Verlautenheide ist für mehrere Tage gekappt. Schließlich muss der ganze Schutt auch noch abtransportiert werden.

Schaut man sich das „Innenleben” der Brücke an, hegt der Laie sogar zunächst Zweifel, dass die Bagger ihre Aufgabe in dieser Zeit bewältigen können. Aus dem Beton ragt ein Wirrwarr an verbogenen Eisenteilen heraus. Doch dann packt die überdimensionale hydraulische Kombizange zu. Es knackt, knarzt und knallt - und der Beton ist hin.

Im zweiten Schritt krallt sich das Gerät die Eisenteile und schneidet sie mit Leichtigkeit durch. Die Mitarbeiter der Baufirmen schaffen es tatsächlich zeitig. Am Sonntagmorgen fließt der Verkehr auf dem verbliebenen Teil der Brücke wieder.

Das Bauwerk - 1957 gebaut und vor rund 30 Jahren modifiziert - muss erneuert werden, vier Millionen Euro werden investiert. Der jetzt abgerissene Brückenteil wird erst einmal neu gebaut. Ist er fertig, wird die andere Seite abgerissen und neu errichtet. Das alles dauert bis ins Jahr 2011.

Für den Abriss des anderen Brückenteil wird voraussichtlich nicht einmal die Autobahn gesperrt. Reine Routine eben. Das wird sich erst bei der benachbarten Haarbachtal-Brücke ändern, die ein anderes Kaliber darstellt. Auch sie soll laut Jörg Bodenmüller abgerissen und erneuert werden. „Dann wird´s schwer”, sagt der Mann von der Bauaufsicht. Und schaut gelassen zu, wie ein weiteres Stück Brücke auf die Haarener Gracht fällt.

Verkehr rund um Aachen wird stark zunehmen

Abriss und Neubau der Brücke über die Haarener Gracht sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf da, was sich ab September rundherum tun wird. Dann fällt wie berichtet der Startschuss zum Um- und Ausbau des Aachener Autobahnkreuzes inklusive Abriss des zentralen Brückenbauwerks. Rund 70 Millionen Euro werden in dieses Projekt investiert, das das Autobahnkreuz über Jahre in eine Baustelle verwandelt.

Der Ausbau ist schon angesichts der Prognosen hinsichtlich des Verkehrs auf den Aachener Autobahnen nötig. Bis 2015 sollen sich die Verkehrsströme wie folgt entwickeln, wobei die Zahlen pro Tag und für beide Richtungen gelten:

Westliche Autobahn 4, Kreuz Aachen/Niederlande: heute rund 51.000 Fahrzeuge, im Jahr 2015 rund 66.000 Fahrzeuge. Östliche A4, Kreuz Aachen/Köln: heute 65.000, 2015 85.000 Fahrzeuge. Nördliche A44, Kreuz Aachen/Düsseldorf: heute 53.000, 2015 73.000 Fahrzeuge. Südliche A44, Kreuz Aachen/Belgien: heute rund 49.000 Fahrzeuge, 2015 rund 59.000 Fahrzeuge. A544, Kreuz Aachen/Europaplatz: heute rund 48.000 Fahrzeuge, 2015 rund 61.000 Fahrzeuge.
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