Düsseldorf - Schwarzarbeit in Schlachthöfen: Anklage erhoben

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Schwarzarbeit in Schlachthöfen: Anklage erhoben

Von: dpa
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Düsseldorf. Im Skandal um illegale Leih- und Schwarzarbeit in deutschen Schlachthöfen hat die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft nach jahrelangen Ermittlungen Anklage erhoben.

Sprecher der Anklagebehörde und des Landgerichts bestätigten am Freitag Informationen des „Westfalen-Blatts”. Hauptbeschuldigter ist ein 47-jähriger Unternehmer aus Düsseldorf, der seit März in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen vorgeworfen. Sieben enge Mitarbeiter sind ebenfalls angeklagt.

Gegen 125 Verdächtige wird noch ermittelt, darunter ist der Bruder des ehemaligen rumänischen Arbeitsministers. Mit den illegal Beschäftigten war die Stammbelegschaft aus vielen Schlachthöfen verdrängt worden.

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder waren dem Verdacht der systematischen Schwarzarbeit im Mai 2006 mit einer bundesweiten Großrazzia nachgegangen. 14 Schlachthöfe, eine Firmenzentrale eines Schlachthofbetreibers sowie 21 weitere Firmen und 12 Privatwohnungen wurden inspiziert. Die Ermittler mussten anschließend eine Lagerhalle anmieten, um die beschlagnahmten 2000 Aktenordner unterzubringen.

Zehn Ermittler werteten dann die Flut von Akten aus und stießen auf ein Geflecht von 30 Firmen des Düsseldorfer Unternehmers, der als Subunternehmer wiederum mehrere Subunternehmen und ein Heer von 1000 Arbeitern aus Osteuropa gesteuert haben soll.

Mit den Kettenaufträgen an Subunternehmen sollen nicht nur die Sozialversicherungsbeiträge für die Beschäftigten hinterzogen, sondern auch ein Umsatzsteuerbetrug organisiert worden sein. Oberstaatsanwältin Karin Schwarz bezifferte den Gesamtschaden für den Fiskus am Freitag auf rund zwölf Millionen Euro.

Der Hauptbeschuldigte hatte im Rahmen von Werkverträgen die Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Rind- und Schweinefleisch übernommen. Er hat hauptsächlich für den drittgrößten deutschen Fleischvermarkter, die Firma Westfleisch (Münster), gearbeitet.

Die deutsche Fleischbranche ist schon mehrfach wegen illegalen Lohndumpings in Verruf geraten. So erhielt ein Arbeitsvermittler aus dem westfälischen Versmold im Jahr 2004 eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten Haft wegen illegaler Beschäftigung hunderter Rumänen in Schlachthöfen.

Die Chefs eines Schlachthofes erhielten ebenfalls Freiheitsstrafen sowie Geldstrafen im sechsstelligen Bereich. Zudem ordnete ein Landgericht die Abschöpfung von insgesamt 8,5 Millionen Euro an.

Nach Erfahrungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg senken Schlachthöfe ihre Kosten mit illegalen osteuropäischen Arbeitern um rund 50 Prozent. Ermittler stießen auf Stundenlöhne von 1,50 Euro bei extrem harten Arbeitsbedingungen.

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