bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Schutz vor der Abrissbirne: Kölner Anwohner retten Hab und Gut

Von: Fabian Wahl, dpa
Letzte Aktualisierung:
Köln / Stadtarchiv / Einsturz
Feuerwehrmänner schweben in einem Krankorb über dem eingestürzten Historischen Stadtarchiv in Köln und suchen nach den beiden vermissten Personen. Foto: dpa

Köln. Immer wieder tragen kräftige Möbelpacker Umzugskisten aus dem Haus in der Gefahrenzone in Köln. Es muss schnell gehen an diesem Montag. „Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben”, sagt Hermann-Josef Berkele von der Speditionsfirma.

Auf der Rückseite war vor sechs Tagen das Historische Stadtarchiv in der Severinstraße in sich zusammengebrochen. Das Acht-Parteien-Haus ist nun ebenfalls einsturzgefährdet und soll der Abrissbirne weichen.

Blumensträuße und Topfpflanzen werden aus dem Fenster im Erdgeschoss gereicht. Aus der Eingangstür tragen die Helfer im Blaumann und mit Schutzhelm Teile eines Kleiderschrankes, einen Backofen und Stühle mit besticktem Polster. Dann ist der schwere Orientteppich an der Reihe.

In den Wohnungen verpacken Anwohner ihr Hab und Gut in Kisten, kleben Schutzfolien um Bilder, die über Jahre die Wand im Wohnzimmer schmückten. „Meine Wohnung wird jetzt wohl verschwinden”, sagt ein Bewohner, den Kassettenrekorder unter dem Arm. Er werde sich jetzt in die Arbeit stürzen, das soll ihn auf andere Gedanken bringen. Er wirft noch einen Blick zurück, dann eilt er davon.

Die ersten zehn Personen konnten bereits am Sonntag ihr neues, von der Stadt bereitgestelltes Heim beziehen. Privatleute boten mehr als 100 Wohnungen für die Betroffenen an. Die Hilfsbereitschaft sei groß, freut sich eine Sprecherin der Stadt.

Am Unglücksort sehen sich die Einsatzkräfte auch fast eine Woche nach dem Einsturz weiter vor einer Mammutaufgabe. Etwa 140 Einsatzkräfte graben teilweise mit den Händen nach dem zweiten Vermissten, der weiterhin unter den Schuttbergen vermutet wird.

Ihm werden kaum noch Lebenschancen eingerechnet. Spürhunde laufen über das Trümmerfeld, auf der Suche nach dem 24-Jährigen. Tag und Nacht wird durchgearbeitet.

Während die Feuerwehr vor der abgesperrten Unglücksstelle gerade zahlreiche Journalisten über den Stand der Suchaktion informiert, ist wenige Meter weiter schon der erste Umzugswagen voll.

Bis die Anwohner eine neue Bleibe gefunden haben, wird der Großteil bei der Spedition eingelagert, sagt Berkele. Einige Hausbewohner sind an diesem Morgen aber nicht gekommen. „Teilweise muss die Feuerwehr die Türen aufbrechen”, schildert Berkele. Die betroffenen Wohnungen werden zwangsgeräumt.

Permanent überprüft ein Statiker die Belastungsgrenze im Haus. Sobald sich die Stabilität des vierstöckigen Gebäudes ändert, müssen Berkele, sein 30-köpfiges Team und die Bewohner abbrechen und schnellstmöglich raus aus dem Haus. Deshalb wird zunächst auch nur das Nötigste in Sicherheit gebracht.

Doch nach all den Jahren fällt vielen Bewohnern die Trennung sichtlich schwer. Viele Gegenstände sind ihnen ans Herz gewachsen. Neben Besen und Wischmopp rettet eine rüstige Rentnerin sogar noch schnell ihre Weihnachtsdekoration vor den Trümmern.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert