„Schulleiter sind hochbelastet und unterbezahlt”

Von: Thorsten Karbach und Udo Kals
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Aachen. Thomas Döring musste länger warten als geplant. Und die Schüler und Lehrer des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung der Städteregion in Aachen mussten dies auch. Zweimal musste die Nachfolge von Schulleiter Günter Scherer ausgeschrieben werden.

Die erste Ausschreibung wurde hinfällig, weil sich keine Frau bewarb. Und so musste Dörings Bewerbung zweimal unter die Lupe genommen werden. Aber so ist das eben, wenn Schulleiterposten ausgeschrieben werden: Die Zahl der Bewerber ist überschaubar, die Verfahren sind aufwendig. „Ja, es hat relativ lang gedauert, aber was lange währt, wird endlich gut”, erklärte Claudia Wiemann für die zuständige Bezirksregierung Köln beim Amtsantritt Dörings im April.

Wobei: Thomas Döring und das Berufskolleg sind kein Einzelfall. Laut Bezirksregierung waren im März jeweils mehr als 30 Schulleiter- und Stellvertreter-Stellen an den fast 380 Schulen in der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren und Heinsberg unbesetzt. Besonders betroffen: Grundschulen. Entfallen zwischen Aachen und Düren fast die Hälfte der Fälle auf die Primarstufe, waren laut Verband Bildung und Erziehung (VBE) im November 2011 landesweit 318 Rektorstellen an den rund 3100 Grundschulen nicht besetzt - also fast jede zehnte Stelle. Von den 1978 Konrektorstellen waren 518 vakant.

Natürlich ist die Situation nicht ideal. Das wissen die Verantwortlichen genauso wie die Betroffenen. So musste am Aachener Berufskolleg der Vize-Schulleiter länger als erwartet die alleinige Verantwortung tragen. Und Döring, vorher am Frechener Nell-Breuning-Berufskolleg tätig, konnte sich nur hinter den Kulissen in der Schule einarbeiten. Offiziell begann er seine Arbeit mit enormer Verspätung. Claudia Wiemann aber ist froh, überhaupt einen Kandidaten küren zu können. Denn die Anforderungen an einen modernen Schulleiter haben sich gewandelt. In allen Schulformen. „Das alltägliche Geschäft wird von individualisierten Lernbiografien geprägt, an einem Berufskolleg auch von der Europäisierung der Bildung”, erklärt sie. Schließlich setzt sich etwa das Aachener Kolleg aus 2300 Schülern zusammen, die im Prinzip auf 13 Schulen verteilt lernen. Da muss ein Schulleiter vor allem eines sein: ein guter Manager.

„Neben der normalen Lehrtätigkeit, die auch zum Alltag gehören, sind Schulleiter auch noch Mädchen für alles”, sagt VBE-Bundeschef Udo Beckmann. „Sie stehen für Probleme von Schülern, Eltern und Lehrer bereit, sie führen Statistiken und Akten für die Behörden, sie klären Personalfragen - und nebenbei bestellen sie auch noch Klopapier und machen Sekretariatsarbeiten.” Seine Bilanz: „Die Situation der Schulleiter könnte man zusammenfassen mit: hochbelastet und unterbezahlt.”

Zudem verweist er auf eine vom VBE in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage. Demnach glauben 72 Prozent der Befragten, dass Schulleiter in der Bevölkerung eher mittel bis schlecht angesehen sind. „Unser Ansehen ist aber nicht das, was uns Sorgen macht. Unsere Sorgen sind die Aufgaben, die wir erfüllen müssen”, sagt Beckmann und nennt eine weitere Zahl: 47 Prozent der Befragten glauben, dass Schulleiter nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet sind. Und so müssen Schulen wie das Berufskolleg in Aachen auch künftig lange auf einen neuen Chef warten.
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