Köln - Schramma geht in Geschichte ein

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Schramma geht in Geschichte ein

Von: Christoph Driessen
Letzte Aktualisierung:
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Gerhard Richter (links) porträtiert den ehemaligen Oberbürgermeister von Köln, Fritz Schramma (rechts).

Köln. Spectaculum, Spectaculum! Gerhard Richter, der öffentlichkeitsscheue Liebling der internationalen Kunstszene, der Hochdotierte, Vielgeehrte, hatte kürzlich einen seiner seltenen Auftritte. Der Anlass: Erstmals seit Jahrzehnten hat er einen Politiker porträtiert.

Nein, es ist nicht Nelson Mandela, es ist noch nicht einmal Angela Merkel. Es ist der Kölner Ex-OB Fritz Schramma.

Es ist Mittag, als der Kölner Ehrenbürger Gerhard Richter, ein schmaler und trotz seiner 78 Jahre noch sehr beweglicher Mann, die Eingangshalle des Rathauses betritt. Neben ihm der gemütliche Schramma (CDU), der sich im vergangenen Jahr nach herber Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Stadtarchivs nicht wieder zur Wahl gestellt hatte.

Voraus eilt sein Nachfolger Jürgen Roters (SPD). Der Platz an der Wand ist noch leer, als Roters sein Begrüßungswort formuliert. Dem „lieben Fritz”, so sagt er, sei da ein Coup gelungen: „Keine Stadt kann das sagen, dass sich ihr Oberhaupt von dem wohl berühmtesten Maler dieser Zeit hat porträtieren lassen.” Und dann wird das Bild - zunächst noch mit der Vorderseite zur Wand - hereingetragen. „Porträt des Oberbürgermeisters Fritz Schramma”, steht zur Sicherheit hintendrauf.

Überraschend schlicht

Von Roters ergeht eine kurze Warnung an die zahlreich anwesenden Fotografen und Kameraleute: „Es wird vielleicht etwas anders als das, was man erwartet hätte.”

Dann wird das Bild umgedreht - und das Erstaunen ist groß. Erste Beobachtung: Es ist kein Gemälde, sondern ein Foto. Zweite Beobachtung: Es ist ein ziemlich normales Foto. Nicht verfremdet, nicht verwischt, so wie es lange charakteristisch war für Richter. Nein: Fritzchen Schramma steht da einfach in seiner ganzen Urkölschen Pracht mit Schnäuzer, Krawatte in den Kölner Farben und würdevollem Wohlstandsbäuchlein. Hinter ihm ein holzvertäfelter Ratssaal. Staatstragender geht´s nicht.

Nun ergreift der Porträtierte das Wort, referiert noch einmal, wie die Idee im Laufe des vergangenen Jahres Gestalt annahm, erinnert auch ein anfängliches Zögern des Künstlers, der ihm freundschaftlich verbunden sei: „Du hast nicht direkt Ja gesagt.” Umgekehrt bedurfte es einiger Mühe, bis „der liebe Gerhard” ihn davon überzeugt hatte, „dass das Foto die einzige moderne Art der Darstellung ist”.

Beim Posieren bewies der Künstler Sinn fürs Detail: „Du hast schon gesagt, ich soll das Stecktuch wegtun!” Insgesamt war es viel Arbeit, sagt Richter. „Ich habe seitdem großen Respekt vor Fotografen.” Einmal kam Schramma ins Atelier, und überall hingen Fotos von ihm. Es war letztlich seine Frau, die sagte: „Das isses!” Das Bild soll die „Würde des Amtes” zum Ausdruck bringen, die Verantwortung, die auf dem Oberhaupt einer Millionenstadt lastet.

Richter: „Die meisten Gemälde sind schon sehr unbefriedigend.” Bei diesem Porträt sei es ihm vor allem um den Überraschungseffekt gegangen. „Die ewigen Provokationen, das ist doch langweilig.” Aus „Überdruss an der Moderne” habe er die Rolle des autonomen, freien Künstlers bewusst aufgegeben und sich ganz im Sinne des Auftrags um ein möglichst repräsentatives Porträt bemüht.

Ein Journalist sagt, nun habe sich Schramma ja doch noch sehr pfiffig seinen Platz in der Geschichte gesichert. Schramma lächelt: „Ich lass das so stehen.” Richter wirkt gelöst und locker wie selten: „Ich freu mich eigentlich auch, dass es irgendwie geglückt ist.” Und wenn jetzt noch andere Politiker auf die Idee kommen? „Lieber nicht”, wehrt er ab. „Das war aus Spaß an der Sache.” Und dann nach einer Pause, so als würde ihm die Gefahr nun erst bewusst: „Nein, ich würd´s nicht wieder machen.”
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