Schönheitschirurg wegen Körperverletzung und Betrugs vor Gericht

Von: ddp-nrw
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Würzburg/Düsseldorf. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr muss sich ein 76 Jahre alter Schönheitschirurg aus Düsseldorf vor Gericht verantworten.

Die Würzburger Staatsanwaltschaft legt dem Mediziner vorsätzliche Körperverletzung und Betrug zur Last. Unter anderem soll der Arzt laut Anklage bei einer Bauchdecken-Korrektur und Leistenoperation an einem 30-Jährigen im Sommer 2004 eine Wundkompresse im Bauch vergessen haben. Beim Prozessauftakt am Montag vor dem Würzburger Amtsgericht legte der 76-Jährige über seinen Verteidiger ein Teilgeständnis ab.

Der aktuelle Prozess gegen F. hat eine längere Vorgeschichte. Zum ersten Mal kam er mit der Justiz in Konflikt, nachdem er in seinem „Zentrum für ästhetische Medizin” in Würzburg einer 70-Jährigen mit Skalpell und Schere rund 20 Kilo Fettgewebe am Bauch entfernt hatte.

Im Anschluss kam es zu Komplikationen, die Frau musste mit ihrer infizierten Operationswunde zweimal ins Krankenhaus, bevor die Ärzte die Entzündung in den Griff bekamen. Das Amtsgericht Würzburg verurteilte den Chirurgen wegen Körperverletzung zu einer hohen Geldstrafe. Das Urteil wurde im Frühjahr in zweiter Instanz vom Würzburger Landgericht bestätigt.

Im Verlauf der dreimonatigen Berufungsverhandlung täuschte der Mediziner Verhandlungsunfähigkeit vor, entließ sich anschließend selbst aus einem Würzburger Krankenhaus und tauchte unter. Er wurde in Köln verhaftet und sitzt seither wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ende April folgte die zweite Verurteilung in Düsseldorf zu 16 Monaten Haft auf Bewährung wegen Steuerhinterziehung in sechsstelliger Höhe.

Auch die Operation, die ihn jetzt erneut auf die Anklagebank brachte, führte der 76-Jährige ambulant in seiner Würzburger Klinik durch, wo er regelmäßig eine gelernte Kosmetikerin ohne jegliche medizinische Ausbildung als OP-Schwester einsetzte. Der 30-jährige Patient litt anschließend an Schmerzen, ein gutes Jahr später wurde er an der Würzburger Uni-Klinik erneut operiert. Dabei soll eine Wundkompresse gefunden und entfernt worden sein. Der Angeklagte behauptete vor Gericht, dabei habe es sich um ein „Netz” gehandelt, das er nicht etwa versehentlich, sondern aus therapeutischen Gründen absichtlich im Körper des Patienten belassen habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Schönheitschirurgen außerdem vor, beim Berufungsprozess im Frühjahr versucht zu haben, sich Übernachtungskosten von der Staatskasse zu erschleichen. 2005 blieb er dem Würzburger Uniklinikum 1500 Euro schuldig, weil er nicht versichert war und sich als mittellos ausgab, obwohl er eine Rente von fast 3700 Euro monatlich bezog. Damals wurde er mit einem angeblich akuten Herzanfall in die Klinik eingeliefert, nachdem er zum ersten Mal von der Polizei verhaftet worden war. Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager stellte „eine Neigung zum Simulantentum” bei dem 76-Jährigen fest.

Der Angeklagte reagierte ungehalten: „Verleumdung, Quatsch und Unfug!” Am Mittwoch will das Amtsgericht sein Urteil sprechen. Es wird nicht der letzte Auftritt des 76-Jährigen vor Gericht bleiben: Die Staatsanwaltschaft hat wegen einer verpfuschten Brust-Operation eine weitere Anklage gegen ihn erhoben, die Anfang 2010 verhandelt werden soll.
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