Schneller surfen auf dem Land: Breitband-Alternativen zu DSL

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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Ob Funk oder Satellit: Es gibt einige Strategien, mit denen auch auf dem Land eine stabile Internetvebrindung erreicht werden kann. Foto: dpa

Berlin/Region. Im Breitbandatlas 2009 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist Deutschland mit vielen grünen, gelben, orangen und roten Punkten gesprenkelt. Dazwischen, vor allem im Osten und in der Mitte, ist die Karte weiß.

In einem dieser weißen Flecken lebte Hartmut Gaul - bis er die Bürgerinitiative „DSL für Lohra” gründete und sich selbst um einen Breitbandanschluss kümmerte.

Seit drei Jahren können die Bewohner von Lohra bei Marburg mit mindestens 1 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Internet surfen. Der Schlüssel dazu sei eine Unterschriftenliste gewesen, sagt Gaul: „Sie müssen sich zusammenschließen und Interessenten sammeln.”

Denn jeder potenzielle Investor fordere zuerst eine Sicherheit dafür, dass sich das Engagement auch lohnt. Genau das bezweifelt die Telekom in vielen Orten.

Knapp 410.000 Haushalte haben laut Breitbandatlas noch immer keinen Internet-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens 1 Mbit/S. Betroffen sind vor allem kleine, ländliche Gemeinden.

Auch die Bewohner von Lohra mussten sich zuvor mit höchstens 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/S) begnügen.

Darunter litten laut Gaul vor allem die Unternehmen. Dennoch tat sich die Bürgerinitiative zunächst nicht leicht, genug Unterschriften von Interessenten zu erhalten.

Die Stadtwerke Marburg forderten 300 Verträge als Sicherheit für ihre Investition. Erst dann bauten sie den 30 Meter hohen Sendemast, der Wireless-DSL in die verstreuten zehn Ortsteile unter ihm sendet.

Funk-Techniken wie Wimax seien für abgelegene Orte im Grunde die einzig sinnvolle Lösung, sagt Andreas Dreßler aus Jühnsdorf (Brandenburg). Er betreibt das Vermittlungsportal http://www.kein-dsl.de. „Wo die Telekom sich weigert, springen kleine Funkanbieter ein.”

Manche Anbieter erklärten sich bereits bei zehn Interessenten bereit, die notwendige Infrastruktur zu schaffen - allerdings meist mit staatlichen Zuschüssen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Berlin listet auf der Internet-Seite http://www.zukunft-breitband.de sechs Fördertöpfe auf. Wenn sich Bürgerinitiativen darum bewerben, werden aus einem davon eigentlich immer Fördergelder bewilligt, sagt Dreßler.

Die Kosten für Funk-Internet sind überschaubar. 20 bis 50 Euro müssen die Kunden laut Dreßler pro Monat bezahlen. Dazu kommen rund 100 Euro Einstiegsgebühr für Hardware und Installation. Die meisten Alternativtechniken sind teurer.

Über Satellitenempfang ist Breitband-Internet schon heute theoretisch flächendeckend verfügbar. Praktisch aber ist es zu langsam und zu teuer. Für den Empfang benötigen Nutzer eine Schüssel mit 80 Zentimeter Durchmesser, ein spezielles LNB-Empfangsgerät daran und ein Satellitenmodem. Allein für diese Geräte müssen Nutzer ab 500 Euro aufwärts investieren. Die monatlichen Gebühren lägen bei 40 bis 50 Euro.

Weit ärgerlicher als die hohen Kosten sei die lahme Datenübertragung, urteilt Dreßler. Grund sei die sogenannte Fair-Use-Policy: Lädt ein Nutzer viel herunter, werde seine Geschwindigkeit gedrosselt - de facto oft auf ISDN-Geschwindigkeit.

Im Laufe des kommenden Jahres sollen nach Angaben des BMWi neuartige Satelliten durch gebündelte Strahlen bis zu 10 Mbit/S ermöglichen. Und deutlich günstiger solle Surfen per Satellit auch bald werden.

Ein DSL-Ersatz könnte auch HSDPA sein. Diese Übertragungstechnik basiert auf dem Mobilfunkstandard UMTS. Für HSDPA spricht seine große Verbreitung. Einige weiße Flecken würden dadurch wirklich abgedeckt, sagt Dreßler. Die Signale würden über normale Mobilfunkmasten übertragen und könnten durch Richtantennen verstärkt werden.

Auch die Kosten seien mit anderen Funk-Techniken vergleichbar. Allerdings teilten sich die Nutzer in einer Gegend wie beim Satellitenempfang eine Funkzelle. Gehen viele gleichzeitig online, sinke die Geschwindigkeit.

„Bis spätestens Ende 2010 sollen flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügbar sein”, heißt es in der Breitbandstrategie der Bundesregierung. Mit dem schnellen Internet sollen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze kommen. In Lohra lässt sich schon jetzt besichtigen, was eine zeitgemäße Internetverbindung verändert.

Im Gewerbegebiet hätten sich seitdem drei größere Firmen angesiedelt, erzählt Gaul. Und die Bürgerinitiative schreibt nun an einem Lohra-Wiki, einer Enzyklopädie zur Gemeinde. Bald will sich daran auch der Senioren-PC-Kurs beteiligen, der sich vor kurzem gründete. In dem früheren weißen Fleck tut sich was.
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