Aachen - Schneefall: Kein Chaos, aber auch kein Winterwunderland

Schneefall: Kein Chaos, aber auch kein Winterwunderland

Von: Stephan Vallata und Wolfgang Büser
Letzte Aktualisierung:
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Weiße Pracht, die Ärger macht: Die Schneefälle bescherten der Aseag im morgendlichen Berufsverkehr Verspätungen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Von einem ausgewachsenen Schneechaos zu sprechen, wäre sicherlich übertrieben. Zwar hat die winterliche Pracht am Montag landesesweit für Verspätungen im Öffentlichen Personennahverkehr, Staus auf Autobahnen und Karambolagen auf spiegelglatten Straßen gesorgt, doch ist der Berufsverkehr im Raum Aachen vom totalen Kollaps verschont geblieben.

Vor allem auch deshalb, weil die Verkehrsdichte durch die noch bis Mittwoch andauernden Weihnachtsferien geringer ist als normalerweise.

In der Nacht zu Montag sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bis zu 20 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die Streufahrzeuge des Landesbetriebs Straßenbau NRW waren ab 2.30 Uhr in den Bezirken Aachen, Jülich und Simmerath unterwegs.

„Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens war das alles kein Problem”, sagt Pressesprecher Gregor Uhoda. Bis in die Mittagsstunden waren die Mitarbeiter der Aachener Außenstelle damit beschäftigt, die Straßen zu räumen.

Maximal eine Tonne Streusalz pro Lauf und Fahrzeug wurden auf die Fahrbahndecken aufgebracht. In der Eifel hatten einige wenige ortsunkundige Verkehrsteilnehmer Probleme mit den Witterungsbedingungen und mussten vom ADAC aus dem Straßengraben geborgen werden.

Zu größeren Behinderungen sei es aber nicht gekommen, berichtet Klaus Dollmann von der Straßenmeisterei Simmerath. An den verschiedenen Rodelhängen wie in Imgenbroich oder Lammersdorf genossen die Kinder die letzten schulfreien Tage mit einer Rutschpartie.

Eine Garantie für schnee- und eisfreie Straßen gibt der Landesbetrieb Straßenbau nicht. Oft bleibe Restschnee auf den Fahrbahnen liegen, und anhaltender starker Schneefall tue sein Übriges. Jeder Autofahrer müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, bei Schnee angepasst zu fahren.

Die Verkehrsteilnahmer in Stadt und Kreis Aachen hatten sich nach Ansicht der Polizei gut auf die winterlichen Straßenverhältnisse eingestellt. Die Unfallbilanz enthält zwar eine ganze Reihe Unfälle, aber die allermeisten zogen nur Blechschäden nach sich: Zwischen 4 Uhr morgens und 13 Uhr mittags habe es 28 „gerappelt”, so die Polizei.

Und zwar nicht immer nur aufgrund der schlechten Witterung. In einem Fall ist eine ältere Dame durch den Zusammenstoß mit einem Auto auf der Elisabethstraße in Aachen verletzt worden. Nach Erkenntnissen der Polizei waren die Straßen „im Großen und Ganzen” gut befahrbar.

Zu Beeinträchtigunngen sei es am Morgen besonders an Steigungsstrecken gekommen, wo mancher Lastwagen kapitulieren musste. So zum Beispiel auf der B 57, Orsteinfahrt Würselen aus Richtunng Aachen oder auf der Hauptstraße in Merkstein.

Im Betriebsbereich des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) hatten vornehmlich die Überlandbuslinien mit Verspätungen zu kämpfen: Richtung Eifel seien es bis zu 40 Minuten, Richtung Jülich bis zu zehn Minuten, sagt Pressesprecherin Birgit Krücken.

Vereinzelt habe es Ausfälle gegeben. Bei der Euregiobahn seien die wetterbedingten Auswirkungen mit fünf bis zehn Minuten Verspätung geringer gewesen. Nicht betroffen gewesen sei die Rurtalbahn in Linnich.

Witterungsbedingte Verspätungen von landesweit fünf bis 30 Minuten mussten auch die Fahrgäste der Deutschen Bahn hinnehmen. „Bei diesem Wetter erwartet aber auch niemand eine hundertprozentige Pünktlichkeit”, glaubt Gerd Felser, DB-Pressesprecher für Nordrhein-Westfalen.

Ursächlich für die „nicht dramatische” Situation seien vornehmlich Störungen im Bereich der Weichen, Signale und Kabelverbindungen. Keine Strecke habe stillgelegt werden müssen.

Bis zu 220 Kilometer Stau

Andere Regionen im Bundesgebiet hat es härter getroffen: Auf der Autobahn 2 in Niedersachsen brachte Glatteis den Verkehr stellenweise zum Erliegen.

Tausende Autofahrer mussten in der Nacht zu Montag stundenlang bei Minustemperaturen in ihren Fahrezugen ausharren. Räumfahrzeuge hatten keine Chance, zwischen den stehenden Autos durchzukommen. In Nordrhein-Westfalen ging es auf den Autobahnen teilweise nur im Schrittempo voran.

Die Polizei registrierte insgesamt bis zu 220 Kilometer Stau. „An gewöhnlichen Tagen ist in NRW eine Staulänge von bis zu 90 Kilometern normal”, sagte eine Sprecher. Nur 50 Prozent der Autos seien mit Winterreifen unterwegs, schätzte er.

Zeitweise war nicht einmal daran zu denken, dem Wintereinbruch einfach davonzufliegen. Der Düsseldorfer Flughafen musste den Flugbetrieb am Montagmorgen für drei Stunden komplett einstellen, da die Räumdienste die Start- und Landebahnen nicht ausreichend von Schnee freihalten können.

Wohl dem, der nicht unterwegs sein musste und das Winterwunderland ganz gemütlich zu Fuß erkunden konnte.

Wegen Schnees zu spät zur Arbeit? Einige Tipps:

Schnee-Chaos auf den Straßen. Was passiert eigentlich, wenn ein Arbeitnehmer wegen solcher „Verkehrshindernisse” zu spät am Arbeitsplatz erscheint?

Auch unpünktliche öffentliche Verkehrsmittel sind oft Ursache dafür, dass Arbeitnehmer die Firma erst nach Dienstbeginn erreichen. Muss für die dadurch ausfallende Arbeitszeit der Arbeitgeber gerade stehen? Nein. Nach dem Gesetz haben die Betriebe nur dann das Arbeitsentgelt ohne Gegenleistung ihrer Mitarbeiter weiterzuzahlen, wenn sie aus einem „in ihrer Person liegenden Grund” nicht arbeiten können.

Solche Gründe liegen zum Beispiel vor, wenn eine Krankheit oder ein Unfall zur Arbeitsunfähigkeit führen. Verstopfte Straßen durch Unfälle oder Nebel, Schnee und Eis, die ursächlich dafür sind, dass Beschäftigte nicht zur gewohnten Stunde mit der Arbeit beginnen können, gehören nicht zu den „persönlichen Gründen” einer Arbeitsverhinderung. Mit anderen Worten: Das „Zeit-Risiko” des Anfahrtsweges zum Betrieb trägt der Arbeitnehmer.

Natürlich ist kein Arbeitgeber gehindert, kulant zu verfahren - was oft geschieht. Außerdem sehen für kurzfristige Verspätungen wegen schlechter Straßenverhältnisse vielfach Tarifverträge beziehungsweise Betriebsvereinbarungen Regelungen zugunsten der Arbeitnehmer vor. Überdies gilt für einen Großteil der Arbeitnehmer die „gleitende Arbeitszeit”, die einen Ausgleich über die Woche oder einen Monat zulässt, wenn es zu Verspätungen gekommen ist.

Wo all dies nicht der Fall ist - weder Vertrag, Betriebsvereinbarung, Gleitzeitmöglichkeit oder Großzügigkeit des Chefs -, heißt es: Wer morgens im Schnee stecken bleibt, der muss zu einer anderen Zeit länger arbeiten oder hat alternativ weniger Geld auf der Lohnabrechnung. Da kann nur empfohlen werden: „Wenn´s schneit, früher aufstehen!”

Andererseits muss der Arbeitgeber Lohn oder Gehalt weiterzahlen, wenn in seinem Betrieb nicht gearbeitet werden kann, etwa weil die Heizung ausgefallen ist. Das Bundesarbeitsgericht stellte vor Jahren fest, dass dieser Fall vom Betriebsrisiko der Firma erfasst werde. (AZ: 4 AZR 301/80)

Übrigens: Auch wenn ein Arbeitnehmer mehrfach zu spät zur Arbeit kommt, weil der Wettergott ihm nicht gut gesonnen war: Hals über Kopf darf ihm deshalb nicht gekündigt werden, sondern allenfalls nach einer Abmahnung.

Tipps rund um den Wintereinbruch

Der Winterdienst auf Gehwegen ist eine Pflicht

Verantwortlich für die Schnee- und Glättebeseitigung auf Gehwegen sind die Grundstückseigentümer. Als Streumittel dürfen nur abstumpfende Materialien wie Sand und Split eingesetzt werden. Nur wenn die Wirkung dieser Mittel nicht ausreicht und eine Gefahr für die Gesundheit der Fußgänger besteht, sind Ausnahmen von dieser Regelung erlaubt.

Gehwege müssen in einer Breite von 1,50 Metern von Schnee befreit und bei Glätte bestreut werden. Diese Pflicht gilt auch für

Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmitteln und Fußgängerüberwege. An Werktagen müssen Anwohner zwischen 7 und 20 Uhr unmittelbar nach Ende des Schneefalls ran. Nach 20 Uhr gefallener Schnee oder entstandene Glätte sind bis 7 Uhr (an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr) zu beseitigen.

Wie Sie Ihr Auto winterfit machen können

Die Polizei rät Autofahrern, spätestens jetzt Winterreifen aufzuziehen. Wer den Verkehr mit einer falschen Bereifung behindere oder sogar einen Unfall verursache, müsse mit einer Geldbuße rechnen. Auch der Versicherungsschutz könnte erlöschen.

Damit das Auto wirklich winterfit wird, müssen laut ADAC weitere Punkte beachtet werden: Der Kühlerfrostschutz sollte bis mindestens minus 25 Grad Celsius sichergestellt sein. Auch der Frostschutz in der Scheibenwaschanlage ist wichtig, um den Durchblick zu behalten.

Ein Enteisungsspray hilft im Notfall dabei, vereiste Türschlösser zu überwinden. Allerdings sollte man es nicht im Fahrzeug aufbewahren.

Eine defekte Autobatterie führt die Pannen-Hitliste des ADAC unangefochten an. Wenn der Anlasser bereits bei Temperaturen über Null zickt, sollte sie unbedingt überprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.

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