Schmallenberg-Infektionen: Mindestens vier Verdachtsfälle

Von: Christoph Classen
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Bei zwei totgeborenen Lämmern in der Süd-Eifel ist erstmals der Verdacht auf den derzeit vor allem im Sauerland und in den Niederlanden grassierenden Schmallenberg-Virus aufgetreten. Mittlerweile gibt es mindestens vier Verdachtsfälle. Foto: dapd

Aachen. Es ist nie einfach, mit einem Virus Schritt zu halten, aber der Schmallenberg-Virus macht es denen, die versuchen seine Ausbreitung zu verhindern, besonders schwer.

Das liegt daran, dass der Krankheitserreger nach allem, was man bisher über ihn herausfinden konnte, als bislang unbekannt zu gelten hat. Was es noch schwerer macht, ist, dass Rinder, Schafe und Ziegen nach einer Infektion mit dem Schmallenberg-Virus zunächst keine äußeren Symptome zeigen. Erst wenn sie nach Monaten gebären, ist ihre Erkrankung nicht zu übersehen. Das Virus führt bei Föten zu Missbildungen, oft sind sie so schwer, dass die Jungen tot geboren werden.

Natürlich gibt es Bemühungen, die Ausbreitung des Erregers zu verhindern, einfach ist es aber nicht. Susanne Wolter, stellvertretende Leiterin des Veterinäramtes im Kreis Heinsberg, sagt: „Was wir im Moment sehen, ist das Hinterherlaufen hinter den Ereignissen.” Im Kreis Heinsberg gibt es bislang zwei Verdachtsfälle, genau wie in der Städteregion Aachen, dort waren bei kleinen Schafhaltern in Simmerath und Monschau Lämmer mit missgebildeten Gliedmaßen tot geboren worden. Im Kreis Düren wurden bislang noch keine Tiere gemeldet, die sich möglicherweise mit dem Erreger infiziert haben. Was nicht bedeutet, dass es dort keine Verdachtsfälle gibt. Bundesweit wird ihre Zahl auf mehr als 20 geschätzt, genau kann es niemand sagen.

Tierärzte und -halter sind bislang nicht verpflichtet, Tiere, die Schmallenberg-Symptome aufweisen, an die Veterinärämter zu melden. Eine Meldepflicht sei derzeit in Arbeit, wann sie in Kraft treten werde, sei noch nicht absehbar, sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Einer Aufnahme des Schmallenberg-Virus in die Verordnung der meldepflichtigen Tierkrankheiten muss der Bundesrat zustimmen.

Die in der Region entdeckten Verdachtsfälle wurden zum Veterinäruntersuchungsamt nach Krefeld gesandt, dort will man herausfinden, ob sich die Tiere tatsächlich mit dem Schmallenberg-Virus infiziert haben. Bis Ergebnisse feststehen, wird es voraussichtlich noch einige Tage dauern.

Es gibt nicht viel, was die Veterinärämter den Tierhaltern im Moment raten können. „Es gibt keine Bekämpfungsmaßnahmen”, sagt Johannes Hörmeyer vom Veterinäramt der Städteregion Aachen. Da das Virus sich nicht von Tier zu Tier, sondern durch Stechmücken übertrage, sei es in jedem Fall sinnvoll, Rinder, Schafe und Ziegen mit Präparaten zu behandeln, die die Insekten abhalten, ergänzt die Heinsberger Kreis-Veterinärin Susanne Wolter. Sie ist jedenfalls ziemlich sicher, dass sich die Zahl der Verdachtsfälle stark erhöhen wird. Wolter sagt: „Wir sind in der Ablamm-Saison”, der Zeit also, in der die meisten Schafe Nachwuchs bekommen.
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