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Schmachtenberg: „Unbedingter Wille zur Hochleistungskultur”

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„Permanent kreatives Klima schaffen”: Die RWTH mobilisiert alle Kräfte, um für die „besten Köpfe der Welt attraktiv” zu sein. Foto: Harald Krömer

Aachen. So einen Plan habe keine andere Hochschule, sagt RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Eine „Strategie, die von der gesamten RWTH getragen und gelebt wird”. Das Papier wurde innerhalb eines Jahres mit allen Gremien der Hochschule abgestimmt und vor zwei Wochen auf dem Jahresrückblick „RWTH transparent” offiziell vorgestellt.

Den von dieser Mission getragenen Rektor und die Prorektorin für Personalentwicklung, Heather Hofmeister, baten wir um Erläuterung zentraler Momente der neuen TH-Kultur. Die Fragen stellte Axel Borrenkott.

Herr Professor Schmachtenberg, beim Jahresrückblick der RWTH sagten Sie: „Wir sind fast ein bisschen wie der FC Bayern.” Der Vergleich ist nicht ohne Tücken.

Ernst Schmachtenberg: Er schildert aber genau die Situation einer im Kern sehr, sehr erfolgreichen Hochschule, die sich davor hüten muss, erfolgsverwöhnt zu sein. Das ist meine Sorge, dass wir inhaltlich träge werden: weil zu viel Erfolg da ist.

„Wir wollen führend sein bei interdisziplinären Großforschungsprojekten”, heißt es in Ihrer Strategie . Was sind das für Projekte?

Schmachtenberg: Nehmen wir Elektromobilität. Im ersten Moment hat man, glaube ich, viel Sympathie dafür. Weil man sagt, Elektromobilität würde die Emissionsprobleme lösen und vielleicht nachhaltige individuelle Mobilität ermöglichen. Aber, wenn man weiter denkt, sieht man, dass das nicht nur technologische Konsequenzen hat, sondern, dass es auch um gesellschaftliche Veränderungen geht, um Investitionsbereitschaft zum Beispiel, bis hin zu Lebensgewohnheiten, die man ändern müsste. Das heißt, man würde zu kurz gehen, wenn wir nur eine Hochleistungsbatterie erfinden würden. Man muss das Gesamtkonzept betrachten.

Und diese Komplexität kann die RWTH leisten?

Schmachtenberg: Bisher eigentlich nur sehr in Grenzen, weil wir als Hochschule in Fakultäten organisiert sind. Das heißt die wissenschaftlichen Einrichtungen arbeiten immer nur mit dem Fokus auf ihren jeweiligen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Wenn ich das Ganze zusammenbringen will, dann muss ich dafür sorgen, dass diese Wissenschaftler auch zusammen arbeiten an einem gemeinsamen Projekt, dass sie sich mit ihren Forschungsthemen abstimmen. Das ist in der heutigen Arbeitsweise von Hochschulen nicht notwendig. Das ist die qualitative Änderung, die wir erreichen wollen.

Das ist aber doch nicht so neu. Sonderforschungsbereiche und Exzellenzcluster sind ausdrücklich interdisziplinär angelegt.

Schmachtenberg: Ja genau, die Sonderforschungsbereiche waren eine frühe Form solcher interdisziplinären Großprojekte, die Exzellenzcluster sind da eine weitere Steigerung. Und in Zukunft werden wir erleben, dass die Themen stärker gesetzt werden (Programmforschung), wie das heute schon im Forschungszentrum Jülich praktiziert wird. Und die Budgets solcher Projekte werden die 100 Millionen Euro überschreiten.

Frau Professor Hofmeister. In der Strategie heißt es: „Alle Hochschulangehörigen, einschließlich der Studierenden, bekennen sich zu einer gemeinsamen Hochleistungskultur.” Was soll man sich darunter vorstellen?

Heather Hofmeister: Das heißt, dass jeder sein eigenes Talent erkennt - für sich selbst, und als Team. Und dass die Ziele messbar sein müssen, und befristet: Bis wann will ich was erreichen? Es geht darum, dass wir von Alltagsgewohnheiten wegkommen. Wir müssen konkret definieren, was wir mit unserer Forschung erreichen wollen. Es geht darum, dass man sich als Person und als Team einer Herausforderung stellt.

Was heißt es, ein „permanent kreatives Klima zu schaffen”? Was ist heute nicht da, was Sie erreichen wollen?

Hofmeister: Wir wollen eine effiziente Struktur schaffen. Dass wir die richtigen Dinge tun und die Vorhaben richtig erledigen. Das heißt unsere Zeit organisieren, um sie auf die wesentlichen Sachen zu konzentrieren. Wir fördern das als Hochschule durch Belohnung. Wir unterstützen auch unsere Führungskräfte, dass sie verstehen, wie man Menschen motiviert und etwas erreicht, dass sie die Talente und Fähigkeiten von jedem Teil eines Teams erkennen.

Und bei den Studenten?

Hofmeister: Das Ideal wäre, dass Professoren und Studierende zusammen auf eine Lernreise gehen und gemeinsam Kenntnis und Wissen entwickeln. Die Studierenden reisen mit aus eigenem Interesse und nicht aus Pflicht. Das ist hier in Deutschland noch nicht so entwickelt. Schmachtenberg: Wir verstehen Hochleistungskultur aber nicht so, dass jetzt alle im Hamsterrad noch schneller laufen sollen. Wir müssen bestimmte Prozesse auch entschleunigen, besser machen. Das setzt aber voraus, dass jeder selber in der Lage ist zu entscheiden, ist es richtig und wichtig, was ich tue? In dieser Hochleistungskultur muss man mit mehr Eigenverantwortung mit mehr eigenem Verstand arbeiten. Es gehört unbedingt dazu, dass man seine Visionen zunächst einmal formuliert, dass man sie gemeinsam formuliert. Denn die hohe Leistung des einzelnen bewirkt noch nicht die hohe Leistung des Systems. Wettbewerb und Solidarität müssen in der Hochleistungskultur vereinigt werden.

Wie bekennt sich ein Student im zweiten Semester zur Hochleistungskultur?

Schmachtenberg: Einfacher zu verstehen ist das in der Verneinung. Wenn er sich nicht zu der Hochleistungskultur bekennt, wird er nicht erfolgreich in seinem Studium und schließlich auch nicht seinem Beruf sein können. Es ist ganz wichtig, dass jeder Studierende das versteht. Sich selber Klarheit zu verschaffen: Bin ich talentiert für diese Ausbildung? Und neben dem Talent gehört auch der unbedingte Wille dazu, sich der Hochleistungskultur zu stellen, den Anspruch zu leben: „In diesem Fach möchte ich zu den Besten gehören!” Und dann muss man auch sich selber fordern. Es wäre nicht genug zu sagen, ich bin talentiert, und jetzt sollen mir die anderen das beibringen, und dann bin ich nachmittags um drei Uhr fertig...

„Das gesamte Lehrpersonal wird regelmäßig und systematisch qualifiziert.” Was bedeutet das?

Hofmeister: Das gehört zu unserem gesamten Personalentwicklungskonzept. Wir nehmen es als wichtige Sache, dass wir uns als Hochschullehrer durch die gesamte Laufbahn „frisch machen”, uns auf dem aktuellsten Stand halten, wie wir unser Handwerk betreiben. Zum Beispiel ständig zu reflektieren: Wie bringe ich ein Thema rüber? Wie geht man mit kleinen, wie mit großen Gruppen um? Das unterstützen wir. Dazu bieten wir ständig Fortbildungen an.

„Wir wollen uns attraktiv machen für die besten Köpfe der Welt.” Warum soll ein nobelpreisverdächtiger Amerikaner oder eine Amerikanerin an die RWTH kommen?

Schmachtenberg:: Wir bieten ihm oder ihr zunächst einmal gute Ausstattung und Ressourcen. Es gibt, ein Beispiel, hier eine gute Gruppe von Physikern, die bei Cern mitarbeitet. Von Aachen aus kann man also an diesem weltweit größten Forschungsprojekt teilnehmen. Wir bauen, anderes Beispiel, das weltweit höchstauflösende Mikroskop, gemeinsam mit Jülich. Das heißt, wir verfügen über technische Einrichtungen, mit denen man von Aachen aus besonders gut forschen kann.

Das können andere Top-Universitäten, im Prinzip, wohl auch bieten.

Schmachtenberg: Nur manche. Aber richtig, der apparative Anreiz kann nur ein kleiner Teil sein. Der wesentlichere Teil muss der sein, dass hier in Aachen ein besonders förderndes Umfeld ist, Menschen etwa, die ihn inspirieren, eine Lösung zu finden, weil die nämlich an einem ähnlichen Thema arbeiten. Dass er an dieser Hochschule die richtigen Partner findet, dass diese Hochschule offen ist. Mit unserer Strategie erkennen die jungen Wissenschaftler ganz klar, wie das Commitment (sich identifizieren) für das wissenschaftlichen Arbeiten ist. Und dann kommt noch ein wichtiger Faktor hinzu: Aachen hat eine ganz außerordentliche Qualität an Studierenden, so dass es für Wissenschaftler eine große Freude ist, mit diesen Studierenden zu arbeiten.

„Wir wollen bis 2020 die beste technische Universität in Deutschland sein.” Was wird die TH dazu befähigen, das zu sein?

Schmachtenberg: Als Top-Mannschaft im Fußball will ich doch auch Meister werden. Es gehört zur Wettbewerbskultur ganz klar dazu, das man sich dieses Ziel setzt und dann mit Herzblut daran arbeitet, es zu erreichen.
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