Aachen - Schmachtenberg: „Es wäre ganz töricht, diese Marke aufzugeben”

Schmachtenberg: „Es wäre ganz töricht, diese Marke aufzugeben”

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Ernst Schmachtenberg
RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Einigen Wirbel hat der Vorstoß des RWTH-Rektors und neuen Präsidenten des Verbands der neun führenden technischen Universitäten (TU9) ausgelöst, den akademischen Grad Dipl.-Ing. zu erhalten.

Ernst Schmachtenberg erläutert im Gespräch mit Axel Borrenkott, was er konkret erreichen will und warum ihm dieser Einsatz so am Herzen liegt.

Was wollen Sie eigentlich konkret erreichen mit ihrer Forderung, den akademischen Grad Dipl.-Ing. zu „sichern”?

Ernst Schmachtenberg: Ich fordere, dass wir mit dem erfolgreichen Abschluss eines Ingenieur-Studiums mit den Qualifikationsmerkmalen des bisherigen Diplomstudiums auch den akademischen Grad Dipl.-Ing. verleihen dürfen. Wer zum Beispiel einen Bachelor in Maschinenbau macht und als Vertiefung einen Master in Kraftfahrzeugtechnik draufsetzt, soll am Ende auch den akademischen Grad Dipl.-Ing. bekommen können. Ein Bachelor in Physik, der anschließend Kfz-Technik studiert, bekommt den Master als Abschluss.

Sie stellen also den Bologna-Prozess an sich gar nicht infrage?

Schmachtenberg: Nein. Ich stehe zu diesem Konzept mit dem zweistufigen Studienverlauf.

Ihr Vorgänger Burkhard Rauhut hatte sich damit abgefunden, dass der Dipl.-Ing. perdu ist. Auf die Interview-Frage im September 2007, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, mit vollem Einsatz für das Diplom zu kämpfen, sagte er: „Nein. Man kann nicht in ein und demselben Hochschulsystem zwei- oder mehrspurig fahren.”

Schmachtenberg: Jede Zeit und jede Person findet ihre eigenen Antworten. Ich bin davon überzeugt, dass der Dipl.-Ing. als Marke weltweit nach wie vor ein hohes Ansehen hat und deshalb für unsere Absolventen wie auch die RWTH von großem Wert ist.

Es ist schwer zu glauben, dass ein Titel solch eine Bedeutung haben soll. Ist es nicht viel wichtiger, dass man international weiß, welche Qualitäten ein Absolvent der RWTH Aachen hat?

Schmachtenberg: Warum entwickelt wohl VW die Marke Audi? Natürlich kann man nicht behaupten, dass es ohne den akademischen Grad des Dipl.-Ing. nicht ginge. Es ist eher eine gefühlte Markt-Gesetzlichkeit, die Überzeugung, dass es für Deutschland ganz töricht wäre, diese wertvolle Marke des Dipl.-Ing. aufzugeben.

Warum kommen Sie jetzt damit? die TU9 fordert seit fünf Jahren, den Titel zu erhalten, aber nur die TU München vergibt ihn als „Äquivalent” zum Master?

Schmachtenberg: Ich sehe jetzt meine Chance, für den Erhalt zu kämpfen!

Weil „Bologna” schwächelt?

Schmachtenberg: Nein, weil ich jetzt Präsident von TU9 bin. Ich nutze meine Gelegenheit - und bekomme übrigens jede Menge Zustimmung selbst von Kollegen, die keine Ingenieure sind.

Der VDI, der Verein deutscher Ingenieure, setzt sich dafür ein, dass auf dem Abschlusszeugnis dokumentiert wird, dass der Master einem Diplom entspricht. Sie sind seit 1. Januar Mitglied des VDI-Präsidiums. Sehen Sie da einen Zusammenhang?

Schmachtenberg: Zunächst möchte ich klarstellen: Ich habe kein Mandat, in dieser Sache für den VDI zu sprechen. Was der VDI hier als „Kompromisslösung” vorschlägt, entspricht auch nicht dem, was TU9 will. Wir wollen keine Entsprechung, sondern, wie gesagt, je nach Studium und Studienverlauf den einen oder den anderen Grad vergeben dürfen.

Der NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart lässt auf unsere Anfrage hin ausrichten: „Die RWTH hat bislang die besten Ingenieure der Deutschlands ausgebildet, künftig wird sie die besten Master-Ingenieure der Welt ausbilden. Wer inhaltlich spitze ist, kann sich doch über internationale Vergleichbarkeit nur freuen.”

Schmachtenberg: Über die Wertschätzung des Ministers zur Ausbildungsqualität der RWTH freue ich mich sehr. Auch stellen wir uns gerne und schon immer dem internationalen Wettbewerb. Aber eben deshalb dürfen wir doch nicht eine so hochwertige Marke wie den Dipl.-Ing. aufgeben.
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