Aachen - Schlecker-Überfall: Staatsanwalt fordert mehr als 14 Jahre Haft

Schlecker-Überfall: Staatsanwalt fordert mehr als 14 Jahre Haft

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Großaufgebot: Ende September 2009 ereignete sich der brutale Raub auf einen Schlecker-Markt in Burtscheid. Für den Angeklagten fordert die Staatanwaltschaft jetzt über 14 Jahre Haft. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Mit hängendem Kopf saß Aimen D. (29), angeklagt wegen schweren Raubes und versuchten Mordes, vor dem Schwurgericht. Auch sein Anwalt Dieter Ferner ahnte nichts Gutes am Tag der Plädoyers.

Denn sein letzter Trumpf stach nicht, die psychiatrische Gutachterin Annette Rauch (Aachen) hatte ausgeführt, dass selbst wegen des anhaltenden Drogen- und Alkoholmissbrauchs beim Täter keine verminderte Schuldfähigkeit bei der Tat festzustellen sei - was zu einer Strafmilderung hätte führen können.

Für den versuchten Mord an einer Verkäuferin der Schlecker-Filiale in Burtscheid am 23. September vorigen Jahres forderte die Staatsanwaltschaft am Freitag beinahe die Höchststrafe, die bei 15 Jahren Haft liegt.

Der am kommenden Montag bei der Urteilsverkündung 30 Jahre alt werdende Aimen D. aus Brüssel soll nach dem Antrag von Staatsanwalt Ralf Bücker für 14 Jahre und drei Monate ins Gefängnis: D. habe brutal auf die nichts ahnende Angestellte (39) eingestochen, um an die Tageseinnahmen zu kommen.

Der drogenabhängige Gewohnheitsdieb erbeutete rund 5900 Euro. Er war an dem Septembertag morgens mit einem Freund nach Aachen gefahren. Der wollte seine Familie besuchen, und Aimen D. ging nach eigener Darstellung derweil auf Raubzug.

„Er war trotz seiner Drogensucht kein Spielball der Wellen auf dem Meer des Lebens”, wurde der Staatsanwalt beinahe literarisch. Im Gegenteil: „Die Tat war mit hoher krimineller Energie von langer Hand geplant.”

Ob das Tatmesser aus Brüssel mitgebracht oder ob es tatsächlich in dem der Schlecker-Filiale gegenüberliegen Kaisers-Markt von der Fleischertheke gestohlen wurde, sei letztlich egal und zeuge so oder so von extremer Kaltblütigkeit.

Der Staatsanwalt beschrieb den einst in Leipzig lebenden Angeklagten, der dort mit einer Frau zwei Kinder hatte, als „durch und durch kriminell”. Alleine in Belgien sei er 13-mal einschlägig vorbestraft.

Der Anwalt der Nebenklage, Fritz Kampmann, hielt ein eindringliches Plädoyer. Seine 39-jährige Mandantin, das beinahe mit dem 15 Zentimeter tiefen Stich in den Bauch getötete Opfer, „war eine lebenslustige Frau, die eine Familie zu versorgen hatte”.

Sie habe ihr Leben „positiv und fröhlich” gestaltet. Mit der Attacke allerdings sei ihre Persönlichkeit gestorben, „ich kenne sie nicht wieder”, meinte der Anwalt, der mit seiner Mandantin seit zehn Jahren persönlich bekannt ist.

Jetzt könne sie nur noch in Begleitung ihrer Familie in die Öffentlichkeit, ohne Psychopharmaka sei für sie ein Leben zurzeit nicht mehr möglich, die Wesensveränderung sei ein Trauerspiel.

Eine weitere Nebenklägerin hatte den Räuber verfolgt und ihn sogar zu Boden gebracht, ohne ihn jedoch festhalten zu können. Auch bei ihr seien alte Traumata wieder aufgerissen, erklärte ihre Anwältin, weil sie in ihrer Kindheit bereits einen ähnlichen Messerangriff in der Familie miterlebt habe.

Urteil am Montag

Verteidiger Ferner bekräftigte, dass sein Mandant das Messer eigentlich nur als Drohmittel habe nutzen wollen. Als die Angestellte schrie, habe er aus Angst vor Entdeckung zugestochen. Er bereue die Tat zutiefst. Aimen D. versuchte in seinem letzten Wort, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen. Das Urteil wird am Montag ab 9 Uhr im Landgericht gesprochen.
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