Bonn - Schlaraffenland in Bonn: Süßes für Kastanien

Schlaraffenland in Bonn: Süßes für Kastanien

Von: Torben Klausa, dpa
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Kastanien gegen Süßes Haribo
Eva-Maria sitzt vor dem Haribo-Werk in Bonn in einer langen Warteschlange auf ihren Eicheln. Die traditionelle Haribo-Tauschaktion Kastanien gegen Gummibärchen hat auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Familien mit Kindern angelockt. Foto: dpa

Bonn. Es klingt nach Schlaraffenland: Einmal im Jahr gibt es in Deutschland die süße Verführung, Kastanien und Eicheln in Gummibärchen zu verwandeln. Was nach Zauberei klingt, ist seit 73 Jahren an zwei Herbsttagen das verlockende Tauschangebot des Süßigkeiten-Herstellers Haribo in Bonn.

Für das Angebot nehmen die angereisten Familien einiges in Kauf: Seit 6 Uhr ist Michael Stirnberg an diesem Donnerstagmorgen mit Kind und Kegel auf den Beinen, fuhr über 100 Kilometer aus Herne nach Bonn - im Kofferraum 750 Kilogramm Waldfrüchte. Jetzt steht die Familie in der kilometerlangen Schlange vor dem Haribo-Werk, wo die Sammler für 10 Kilogramm Kastanien oder 5 Kilogramm Eicheln je ein Kilogramm Süßigkeiten bekommen.

Das mag sich nach einem Verlustgeschäft für das Unternehmen anhören, sei aber genau das Gegenteil, sagt Pressesprecher Marco Alfter: „Ein echtes Verlustgeschäft wäre es, wenn wir sagen würden: Diese Aktion gibts nicht mehr!” Inzwischen sei das Ganze schon ein „ungeschriebenes Gesetz”.

Als 1936 Firmengründer Hans Riegel zum ersten Mal Nachbarschaftskinder um ein paar Kastanien für das Wild in seinem Jagdgebiet bat, hätte er sich die Entwicklung wohl kaum träumen lassen: „Im letzten Jahr haben wir 70 Tonnen Süßigkeiten eingetauscht”, sagt Alfter. Von den Kastanien und Eicheln profitieren inzwischen Wildtiere in ganz Deutschland und Österreich.

Tauschwillige kommen sogar aus dem europäischen Ausland, campieren teilweise mit Wohnmobilen vor dem Werksgelände. Um der Massen Herr zu werden, müssen ganze Straßen gesperrt, Toiletten und Müllcontainer aufgestellt sowie Sicherheitspersonal angemietet werden. Außerdem bemühen sich mehrere Polizisten, einen Überblick über das Verkehrschaos zu behalten. Bei erwarteten 15 000 Sammlern ein schwieriges Unterfangen. Sieben Stunden beträgt die Wartezeit für Neuankömmlinge.

Die Familien Osterdorp und Kerstal sind heute schon um 03.30 Uhr aufgestanden, um sich mit drei Kleinbussen und einer halben Tonne Waldfrüchte auf den Weg zu machen. Seit einem knappen Monat haben die neun Sprösslinge Kastanien und Eicheln gesammelt. Ihre Eltern hätten „ein bisschen geholfen”, gibt Nils (11) zu. Zu Streitereien um die Süßigkeiten käme es aber nicht, lacht Yvonne Kerstal: „Die Beute ist schon aufgeteilt.” Und auf die Frage, was man denn mit einer Wagenladung Süßigkeiten auf einen Schlag machen wolle, antwortet die dreijährige Lina kurz und prägnant: „Essen!”
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