Düsseldorf - Schausteller fordern „Artenschutz” für Volksfeste

Schausteller fordern „Artenschutz” für Volksfeste

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Düsseldorf. Achterbahn, Kettenkarussell, Riesenrad, Schießbude und jede Menge Zuckerwatte - für Kinder und Erwachsene ist der Besuch einer Kirmes ein großer Spaß. Die Schausteller warnen aber vor einem „Volksfeststerben” in Deutschland.

Der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), Albert Ritter, beklagte am Montag vor Beginn des Delegiertentages in Düsseldorf „einen dramatischen Zuwachs” an Absagen traditionsreicher Jahrmärkte oder Schützenfeste.

Stadträte könnten vielerorts mit nur einer Stimme Mehrheit Jahrmärkte „willkürlich abschaffen”. Verdrängt würden Volksfeste auch von Stadt- und Straßenfesten, die Werbegemeinschaften organisieren. „Das ist für uns eine wirtschaftlich bedrohende Situation”, sagte Ritter.

Ob Essen, Dortmund, Bochum, Wiesbaden oder Neu-Ulm - in all diesen Städten wurden Jahrmärkte entweder bereits abgesagt oder stehen auf dem Prüfstand. In Wiesbaden soll der 650 Jahre alte Andreasmarkt nach Angaben von DSB-Hauptgeschäftsführer Helmut Gels für einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag aufgegeben werden. In Neu-Ulm soll die Kirmes einer Multifunktionshalle weichen. Auch in ländlichen Regionen, etwa im Münsterland, würden Jahrmärkte abgeschafft.

Hinzu kommt laut Ritter eine „aktive Diskriminierung von Schaustellern”, die sich an jedem neuen Ort eine neue Ausschank- und Gaststättenerlaubnis erteilen lassen müssten, obwohl das laut „Mittelstandsentlastungsgesetz” nicht mehr notwendig sei. Enttäuscht zeigt sich der Verband auch darüber, dass von den rund 300 Projekten der Ruhrgebietsstädte für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 nur Herne seinen Traditionsjahrmarkt „Cranger Kirmes” als Teil der Kultur anpreise.

Der Schaustellerbund, in dem 92 eigenständige Vereine mit rund 4600 Schaustellerbetrieben organisiert sind, fordert einen besonderen Schutz von Volksfesten als „immaterielles Kulturgut” - und zwar durch die welthöchste Kulturorganisation, die Unesco. Bestärkt fühlen sich die Schausteller durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das Volksfeste zu einem Teil der Daseinsvorsorge von Städten und Gemeinden erklärt hat.

Allerdings ist die Bundesregierung skeptisch und warnt vor zu viel Bürokratie. Das Innenministerium befürchtet zudem, dass eine Anerkennung von Volksfesten als „deutsches Kulturgut” Integrationsbemühungen entgegenstünde. „Absolut abstrus” findet das DSB-Präsident Ritter. „Der größte Integrationsfaktor ist das Volksfest.”

Rund 178 Millionen Menschen besuchen pro Jahr die bis zu 15.000 Volksfeste, Schützenfeste und Kirmes-Veranstaltungen in Deutschland. Die meisten Feste werden laut DSB in Nordrhein-Westfalen gefeiert, gefolgt von Bayern. Der Jahresumsatz liegt nach DSB-Schätzungen bei etwa vier Milliarden Euro, eingerechnet die Erträge von Taxiunternehmen, Hotels oder Brauereien.

Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise sind die Schausteller recht zufrieden mit ihrem Geschäft im vergangenen Jahr. „Wir sind die Profiteure der schlechten Zeiten”, sagt Ritter. Die Menschen hätten nicht mehr genug Geld für Fernreisen, deshalb hätten sie 2009 verstärkt Volksfeste besucht und dort Geld ausgegeben.
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