Scharia-Polizei auch in unserer Region?

Von: tv/dpa
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Scharia-Polizei
Ein Mann schaut auf die Berichterstattung über die Scharia-Polizei in Wuppertal im Internet. Foto: Archiv/dpa

Stolberg/Bonn. Kaum hat sich die die selbst ernannte „Scharia-Polizei“ in Wuppertal zurückgezogen, gibt es einen Hinweis darauf, dass die radikalen Islamisten möglicherweise auch in der Städteregion Aachen und Bonn unterwegs sind.

Ein Zeuge hatte sich am vergangenen Samstag bei der Aachener Polizei gemeldet, weil er am Tag zuvor einen schwarzen Kleintransporter mit der seitlichen Aufschrift „Sharia Police“ gesehen haben will. Auf dem Heck des Wagens habe nur das Wort „Police“ gestanden, teilte die Polizei am Dienstag auf Anfrage mit.

Das Fahrzeug sei am vergangenen Freitag gegen 18.30 Uhr in Stolberg auf der Prämienstraße in Richtung Büsbach gefahren. Laut Polizei ist es bisher der einzige Zeuge, der sich wegen des Fahrzeugs gemeldet hat. Eine Polizeisprecherin sagte, es seien sofort Ermittlungen eingeleitet worden.

Eine selbst ernannte Polizei in der Region werde man nicht dulden, hieß es. Allerdings gebe es kaum Ansätze – auch, weil der Zeuge das Nummernschild des Wagens nicht nennen konnte. Weitere Personen, die Beobachtungen gemacht haben, bittet die Aachener Polizei, sich unter Telefon 0241/9577-35001 zu melden.

Aufschrift: „Hier gilt die Scharia“

In einem weiteren Fall, der in Verbindung zur „Scharia-Polizei“ zu stehen scheint, geht die Bonner Polizei laut „Generalanzeiger“ nicht zwangsläufig davon aus, dass tatsächlich radikale Muslime der Ursprung sind. Es geht um einen Zettel mit der Aufschrift „Sharia controlled zone – hier gilt die Scharia“, der in der Nähe einer Moschee in der Bonner Straße in Bad Godesberg abgelegt worden ist.

Bonns Polizeisprecher Robert Scholten wollte nicht ausschließen, dass der „Scharia“-Zettel in Godesberg möglicherweise von islamfeindlichen Personen in Umlauf gebracht worden sei, obwohl die Moschee auch Treffpunkt von Salafisten sei. Wegen des Vorfalls in Wuppertal sei man sensibilisiert, auch wenn es sich nur um einen Zettel an einem Laternenpfahl gehandelt habe, hieß es weiter. Der Zettel sei in die Obhut des Staatsschutzes der Bonner Polizei gegeben worden. Dort werde nun weiter ermittelt.

Nach massivem Druck hat sich die Gruppe von radikalen Islamisten mit ihrer selbst ernannten Scharia-Polizei in Wuppertal derweil aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dort waren vor einigen Tagen elf Salafisten in orangefarbenen Westen mit der Aufschrift „Shariah Police“ durch die Straßen patrouilliert und hatten vor Alkohol, Glücksspiel, Musik, Konzerten, Pornografie und Drogen gewarnt. Gegen sie läuft ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Seitdem sei keiner mehr in Erscheinung getreten, sagte ein Polizeisprecher am Montag. „Von denen läuft hier kein einziger mehr herum.“

Unter den Verdächtigen ist laut Staatsanwaltschaft auch der Salafisten-Prediger Sven Lau. Er gilt als einer der führenden Köpfe der Szene. Nach derzeitiger Einschätzung trugen wohl nur acht der elf Männer die Westen, sagte Oberstaatsanwalt Wolf Baumert. Die Ermittlungen mit Blick auf das Versammlungsgesetz könnten sich möglicherweise auf diese acht Männer beschränken. Allerdings kämen noch andere Straftaten in Betracht, etwa Nötigung oder Beleidigung. Das werde noch geprüft.

Mehrere Bürger kündigten zudem eine Strafanzeige an, nachdem sie Bilder von sich im Internet fanden, die die Scharia-Polizei eingestellt hatte.

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