Kerkrade - Schachmeister Kasparow erhält die Martin-Buber-Plakette

Schachmeister Kasparow erhält die Martin-Buber-Plakette

Von: Claudia Schweda
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Regimekritiker im Dialog: Garr
Regimekritiker im Dialog: Garri Kasparow (r.) ist wegen seines Engagements für mehr Demokratie in Russland schon mehrfach inhaftiert worden. Doch die Martin-Buber-Plakette erhält er wegen seiner Schach-Stiftung für Kinder. Foto: imago/Itar-Tass

Kerkrade. Schachmeister Garri Kasparow ist offenbar niemand, der sich gerne mit Preisen schmückt. „Wir wussten, dass er bislang fast noch keinen Preis angenommen hat”, sagt Werner Janssen, Vorstandschef der Stiftung Euriade, die die Martin-Buber-Plakette alljährlich in Kerkrade verleiht.

Entsprechend lange musste die Stiftung auf eine Antwort Kasparows warten, ob er die Ehrung annimmt. Doch dann besuchte Kasparow den früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow, der vor vier Jahren in Kerkrade ausgezeichnet worden war. Gorbatschow, sagt Janssen, habe Kasparow vorgeschwärmt von seinem Tag im deutsch-niederländischen Grenzgebiet und vor allem dem berührenden Dialog mit den Jugendlichen am Nachmittag.

Er habe schon viele Preisverleihungen erlebt, darunter die des Nobelpreises, soll Gorbatschow gesagt haben, doch die Martin-Buber-Preisverleihung sei durch eine außergewöhnliche Atmosphäre geprägt. Am nächsten Morgen, erzählte Janssen am gestrigen Freitag bei der Bekanntgabe des Preisträgers im Kloster Rolduc, habe Kasparow voller Begeisterung zugesagt.

Cohn-Bendit als Laudator

Nun reist der jüngste Schachweltmeister aller Zeiten, der über Jahrzehnte die Schach-Weltelite dominiert hat, am 16. November in die Euregio, um im Rahmen der Euriade wegen seines Engagements in der von ihm gegründeten Schach-Stiftung mit der Martin-Buber-Plakette geehrt zu werden.

Sein Freund Daniel Cohn-Bendit, der für die Grünen im Europa-Parlament sitzt, wird die Laudatio halten. Die Auszeichnung lehnt sich an den Philosphen Buber und sein „dialogisches Prinzip” der Mitverantwortung an. Der nicht dotierte Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich für den Dialog und die Mitverantwortung ihrer Mitmenschen einsetzen.

Kasparows „Chess Foundation” bringt seit 2005 Schach an die Schulen. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren werden mit Material und speziell geschulten Lehrern an diesen Sport und seine besondere Form des Dialogs herangeführt. In der Begründung der Stiftung Euriade heißt es: „Sieger-Sein bedeutet(e) für Kasparow, zu erfahren und zu spüren, dass man sich selber - dank und mit dem Anderen - weitergebracht, -entwickelt und -gebildet hat.”

Dabei spiele der Respekt für und ein vernünftiger Umgang mit dem Anderen die wesentliche Rolle. Schach als Schulfach, heißt es weiter, beinhalte Kreativität, Disziplin, Respekt, Verantwortung, Denken, Beherrschung von Emotionen im Umgang mit Verlust und Gewinn. Der junge Mensch solle immer weiter siegen, „anders gesagt: immer mehr Mensch-Werden, wie Martin Buber es formuliert hat”.

Der Schachspieler selbst dankte der Stiftung in einer ersten Reaktion „für ihr Interesse an dem Unterfangen, das die größte Aufmerksamkeit verdiene: die Bildung unserer Kinder”. Erst vor einem Monat hatte seine Stiftung vermeldet, dass das EU-Parlament eine Deklaration unterstützt, die die EU-Mitgliedsstaaten nun dazu aufruft, das Programm „Schach an Schulen” in ihr Bildungssystem aufzunehmen.

Doch Kasparow ist mehr als der Schachspieler, der Mitte der 1980er seinen Gegenspieler Anatolij Karpow in einem legendären Match vom Schachthron gestoßen hat. Schon damals war seine Zugehörigkeit zum Flügel der politischen Reformer offenkundig. Nach seinem Rückzug aus dem Schachsport 2005 wurde er Mitglied bei „Das andere Russland”, einem regierungskritischen Parteienbund.

Vor der Präsidentschaftswahl 2008 wurde er zum Hoffnungsträger der Demokratiebewegung. Mehrfach saß er nach Kundgebungen für mehrere Tage in Haft. Doch dieses politische Engagement hat das Kuratorium der Martin-Buber-Plakette laut Janssen bewusst außen vor gelassen: „Dann wäre die Plakette ein politischer Preis. Und warum sollten wir in Russland jemanden provozieren?”

In der Euregio soll die Preisverleihung Spuren hinterlassen: Der Vorsitzende der Stiftung Euriade kündigte an, dass ein jährliches Kasparow-Schachfestival geplant sei, bei dem der Sieger gegen Kasparow antreten dürfe. Details würden nun mit den Vereinen und Schulen ausgearbeitet.
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