Saurier, Münzen, Jagdbomber: Funde aus 395 Millionen Jahren

Von: Gerd Korinthenberg, dpa
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Den Motor und Propeller einer Messerschmitt Bf 109, die in der Nähe von Kerpen gefunden wurde, schaut sich am Mittwoch in Köln ein Mann an. Das Römisch-Germanische Museum zeigt die Ausstellung "Fundsachen" mit archäologischen Funden aus ganz NRW vom 19. März 2010 bis zum 14 November 2010. Foto: dpa

Köln. Das kleine Kruzifix gehörte einst einem britischen Flieger, dessen Lancaster-Bomber vor genau 65 Jahren über dem Ruhrgebiet abgeschossen worden ist.

Als anrührendes Zeugnis der Frömmigkeit und menschlichen Not liegt es heute in einer Vitrine des Römisch Germanischen Museums in Köln. Es ist einer der außergewöhnlichsten archäologischen Funde der vergangenen fünf Jahre aus Nordrhein-Westfalen.

Mit der Ausstellung „Fundgeschichten” ziehen die Ausgräber ab Donnerstag (bis 14. November) in Köln eine Bilanz ihrer wichtigsten Entdeckungen im bevölkerungsreichsten Bundesland. Von Mitte April 2011 an werden die Stücke dann im Archäologischen Landesmuseum in Herne gezeigt.

Das in dieser Form bundesweit einmalige Panorama reicht vom weltweit ältesten Farn, der vor 395 Millionen Jahren im Bergischen Land wuchs, über Faustkeile des Neandertalers, römische Münzen, mittelalterliche Ritterschwerter bis zum bizarren Motorblock eines abgestürzten deutschen Weltkriegs-Jagdflugzeuges.

Nur „Spitze eines Eisberges” seien die präsentierten Stücke. Sie wurden durchweg bei eiligen Rettungsgrabungen entdeckt, bevor die Bagger anrückten, sagte der Kölner Museumschef und Archäologe Prof. Hansgerd Hellenkemper.

Allein bei der Grabung im Kölner Römerhafen wegen des U-Bahnbaus seien 1,8 Millionen Fundstücke zutage getreten. Riesig auch die Römergrabung in Bonn, wo man unter dem ehemaligen Regierungsviertel auf eine mit Tempeln und Thermen „überraschende Urbanität” gestoßen sei - und nun schöne Grabbeigaben zeigen kann.

Spektakulär auch für das jüngste Publikum ist das vier Meter lange, allerdings kopflose Gerippe eines Schwimmsauriers, der vor 190 Millionen Jahren seine Kreise durch das urwestfälische Tropenmeer nahe dem heutigen Höxter zog. Und nur ein kalkweißer Berg fossiler Knochen und Backenzähne blieb von einem Trupp aus 60 Elefanten, die vor zwei Millionen Jahre bei Dortmund ertrunken sind.

Frühe Freude an der Form belegt ein kleines, 8000 Jahre altes Jungsteinzeit-Männchen als knopfäugiges „ältestes Gesicht im Westen” ebenso wie die vor 13.000 Jahren auf einen Schieferstein mit sicherem Strich gravierte grazile Elchkuh. Militärisch-männliches Imponiergehabe demonstriert ein römischer Prunkhelm aus Xanten, dessen Pferdehaarzier mit einem geheimnisvollen Urklebstoff befestigt war.

Gläser, Gemmen und Götterfigürchen künden in den Vitrinen vom Glanz Roms am Rhein: Eine kleine Tonscherbe mit Pflanzendekor fand aus dem südägyptischen Assuan den Weg in Kölner Boden. In dem Krug waren einst Delikatessen aus der Heimat für die verwöhnten ägyptischen Bürger in Roms rheinische Multi-Kulti-Metropole gekommen.

Unruhige Zeiten lassen sich an einem Münzschatz ablesen, wie er beim Abriss der Dorfkirche von Otzenrath als Tribut an die moderne Braunkohlegewinnung zutage kam. Hier hatte das Geld im sicheren Versteck vor marodierender Soldateska des 30-jährigen Krieges die Jahrhunderte überdauert.

Großes Pech hatte eine edle Dame der Renaissance, der auf dem „stillen Örtchen” ein goldener Fingerring von der Hand gerutscht ist. Beim „Wühlen” in der Latrine eines Adelshofs in Höxter haben Archäologen die smaragdgezierte Kostbarkeit erst neulich wiedergefunden.
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