Sauerland-Gruppe ließ sich nicht beirren

Von: dpa
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Düsseldorf. Die mutmaßlichen Terroristen der „Sauerland-Gruppe” haben trotz Beobachtung durch den Verfassungsschutz und mehrerer Warnungen ihre Anschlagsvorbereitungen unbeirrt weiterverfolgt.

Auch polizeiliche Hausdurchsuchungen schon im Frühstadium der geplanten Aktion brachten die Gruppe nicht von ihrem Plan ab, sagte der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Die Gruppe war im September 2007 nach monatelanger Beschattung im Sauerland aufgeflogen.

Gelowicz und sein Mitstreiter Atilla Selek bemerkten die Verfassungsschützer erstmals, kurz nachdem sie zwischen Weihnachten und Silvester 2006 mit einem mysteriösen Bekannten eine nächtliche Fahrt durch das Gebiet der US-Kasernen in Hanau unternommen hatten.

Gelowicz wies zurück, dass es sich bereits um eine Ausspähungsfahrt gehandelt habe. „Ich hab gar nicht geblickt, was er wollte”, sagte er über den Bekannten. Auch die Sicherheitsvorkehrungen hätten nicht den Standards entsprochen, die sie im Ausbildungslager gelernt hätten.

Auf die Frage eines Verteidigers, ob die Fahrt eingefädelt worden sein könnte, sagte Gelowicz: „Mir kam der nicht vor wie jemand, der was mit Geheimdiensten machen würde. Aber man weiß ja nie.”

Wenige Tage später sei Selek von „Dutzenden” Männern in diversen Fahrzeugen observiert worden. Einmal habe Selek einen der Beschatter gegrüßt und dann mit einem Messer den Reifen seines Wagens zerstochen. Dabei habe er sich tief in die Hand geschnitten.

Am Abend des 6. Januar 2007 stürmte die Polizei die Wohnung von Gelowicz in Ulm und nahm in kurzzeitig fest. Schon einen Monat später setzte er seine Vorbereitungen fort. Selek aber habe gesagt, er wolle aussteigen und sei im Februar in die Türkei gereist, sagte Gelowicz.

Dennoch habe Selek ihm auf seine Bitte hin bei der Zünderbeschaffung in der Türkei geholfen. Dort sei Selek von dem inzwischen mit Haftbefehl gesuchten Mevlüt K. gewarnt worden, dass der türkische Geheimdienst den E-Mail-Verkehr mit der Islamischen Dschihad-Union (IJU) sowie die Telefonate mit Gelowicz überwache.

Mevlüt K. half der Gruppe nach früheren Aussagen Seleks bei der Zünderbeschaffung und hatte zudem eine Verbindung zum türkischen Geheimdienst. Auch der dritte Angeklagte, Daniel Schneider, der US-Kasernen ausspähen sollte, wurde nach den Worten von Gelowicz bereits frühzeitig überwacht.

Gelowicz und Selek hatten kurz nach ihrer Rückkehr aus dem IJU-Terror-Ausbildungslager im Herbst 2006 zunächst gemeinsam die ersten Vorbereitungen für den Anschlag getroffen. Nach Aussage von Gelowicz suchten sie im Internet nach einem Händler, der ihnen mindestens 400 Kilogramm Wasserstoffperoxid verkaufen würde.

Die IJU-Führung setzte die Gruppe nach Angaben von Gelowicz per E-Mail unter Zeitdruck. Ursprünglich habe er die Anschläge auf amerikanische Ziele schon Ende Mai verüben wollen. „Im Normalfall” dauerten die Vorbereitungen nicht so lange. Eine „Größenordnung„ von von etwa 150 Toten habe er sich vorgestellt, sagte Gelowicz.

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