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Säuremorde: Die grausame Rache der Familie L.

Von: Marlon Gego und Udo Kals
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg/Maastricht. Eine Familie aus Sittard in den Niederlanden soll zwei Männer in ihrer Wohnung getötet, zerlegt, dann in Salzsäure eingelegt und die Überreste durch den Abfluss gespült haben.

Der Fall beschäftigt seit November die Staatsanwaltschaft Maastricht, zeitweise waren auch die Staatsanwaltschaften Aachen und Tongeren/Belgien involviert.

Familie L. aus Sittard, die aber im deutschen Selfkant-Tüddern lebt, wird verdächtigt, im August 2011 den 29-jährigen Mohammed al J. erschossen und im Sommer 2009 dem 24-jährigen Alan G. die Kehle durchgeschnitten zu haben.

Der Fall ist für die Strafverfolgungsbehörden auch ein bürokratischer Alptraum, da er in Deutschland, Belgien und den Niederlanden spielt. Aber Staatsanwaltschaften dürfen nicht im Ausland ermitteln.

Im November erreichte die Aachener Staatsanwaltschaft daher das Rechtshilfeersuchen der Kollegen aus Maastricht. Staatsanwalt David van Kuppeveld hatte Hinweise darauf erhalten, dass Mohammed al J. im Haus von Familie L. in Tüddern getötet worden sein könnte.

Schon im August war er als vermisst gemeldet worden, auch mit Hilfe einer Fernsehsendung wurde er gesucht. Vergebens. Bis van Kuppeveld besagte Hinweise erreichten. „Diese Hinweise haben wir objektivieren können”, sagte der Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Robert Deller, auf Anfrage unserer Zeitung.

Wohnungen gestürmt

Ein Sondereinsatzkommando stürmte Ende November die Wohnung der Familie in Tüddern und eine weitere in Waldfeucht-Haaren und nahm drei der fünf Familienmitglieder fest.

Später wurden sie an die Niederlande ausgeliefert. Von einem zweiten Opfer wussten die niederländischen Ermittler damals noch nichts. Bei der Hausdurchsuchung in Tüddern fanden die deutschen Staatsanwälte Hinweise darauf, dass die gesuchte Leiche nach Belgien geschafft worden sein könnte.

Die Maastrichter Staatsanwaltschaft verfasste ein neues Rechtshilfeersuchen, diesmal an die Kollegen in Belgien. Die Ermittler fanden heraus, dass die Leiche des vermisst gemeldeten J. offenbar mit Salzsäure zersetzt worden war - in Lanaken, kaum zehn Kilometer nordwestlich von Maastricht.

Nach der Verhaftung, ersten Vernehmungen und verschiedenen Zeugenaussagen stellten die Ermittler eine Verbindung zum seit Sommer 2009 vermissten Alan G. her.

Das Motiv für die Taten könnte Rache gewesen sein. Die Maastrichter Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das eine Opfer Familie L. erpresst hat, da er von kriminellen Machenschaften gewusst habe. Es geht um Drogenhandel. Der andere soll einen Sohn der Familie vergewaltigt haben.

Drei Familienmitglieder, die Mutter und zwei erwachsene Söhne, befinden sich in Untersuchungshaft. Nach Vater und Tochter wird gefahndet.

Beide sollen sich in Venezuela aufhalten. „Wir hoffen, dass wir sie bald festnehmen können”, sagte eine Sprecherin der Maastrichter Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen werden sich aller Voraussicht nach jedoch noch länger hinziehen.
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