Aachen - RWTH-Professor Rik De Doncker: Forschen an Drohne, Lufttaxi und Hybridflieger

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RWTH-Professor Rik De Doncker: Forschen an Drohne, Lufttaxi und Hybridflieger

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Mit kleinen Bauteilen Großes bewegen: RWTH-Professor Rik De Doncker arbeitet an Batterien für Elektroantriebe. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Elektroautos sind spätestens seit dem Streetscooter auf Aachens Straßen angekommen. Großen Anteil daran hatte Prof. Rik De Doncker von der RWTH Aachen. Am Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe forscht er an neuen Batterietechnologien – nicht nur für Autos. Im Interview mit Tyrone Schwark spricht er über die Zukunft der Elektromobilität: Flugzeuge.

Eine Batterie für ein Flugzeug. Ist das überhaupt möglich?

De Doncker: Hier im Institut sind wir auf Batteriesysteme spezialisiert. Wir haben Batterien maßgeblich für Elektroautos gemacht. Aber unsere Technologie ist natürlich nicht auf E-Autos beschränkt. Sie kann auch auf Flugzeuge übertragen werden. Man kann sich schon vorstellen, dass man bis zu einer Strecke von ein paar hundert Kilometern rein elektrisch fliegen wird.

Was wäre der Vorteil von solchen E-Flugzeugen?

De Doncker: Es geht darum, hydraulische Systeme durch elektrische zu ersetzen. Man hat gelernt, dass diese zuverlässiger und effizienter sind. Für dasselbe Gewicht und Volumen kann man mehrere Motoren installieren. Das ist natürlich besser. Denn wenn ein Motor ausfallen würde, funktionieren die anderen noch. Das geht natürlich nicht, wenn man nur einen Motor hat.

In wiefern sind die E-Flugzeuge effizienter?

De Doncker: Firmen demonstrieren gerade schon erste Prototypen in unterschiedlichsten Formen. Die meisten Entwicklungen gehen in zwei Richtungen. Es gibt drohnenartige Konzepte: Die werden langfristig wahrscheinlich auch Hubschrauber ersetzen. Die anderen Konzepte haben mehrere Motoren in einem Flügel. Diese können vertikal landen.

Was hat das mit der Infrastruktur zu tun?

De Doncker: Das hätte natürlich einen enormen Einfluss auf die Infrastruktur. Man braucht keine langen Landebahnen mehr und könnte auf Dächern von Gebäuden problemlos starten und landen. Zum Beispiel von Hochhäusern in der Stadt, um schneller Personen transportieren zu können – eine Art Lufttaxi. Für kurze Strecken sollte das idealerweise rein elektrisch funktionieren, da man nur wenige Kilometer fliegt. Viele, die das in der Zukunft sehen, glauben, dass man so viel mehr transportieren kann, ohne einen Stau zu verursachen. Man nutzt neue Luftwege. Aber natürlich muss das ganze vollautomatisch funktionieren. Man kann nicht voraussetzen, dass in jeder Maschine ein Pilot sitzt.

Es wird also alles bequemer.

De Doncker: Es wird vor allem auch für mehr Menschen interessant. Sie sind dann auch bereit, etwas mehr dafür zu bezahlen als für ein normales Taxi, mit dem man im Stau steht.

Was könnte das größte Problem sein?

De Doncker: Ich sehe die Gefahr, dass – wenn diese Flugzeuge fliegen – statistisch gesehen eines abstürzen wird. Dann ist die Frage, was dann passiert. Werden sie von der Bevölkerung trotzdem akzeptiert? Ich sehe das größte Risiko an dieser Akzeptanz. Technologisch sind wir sicher, dass wir es mit neuen Motorenkonzepten und der Batterieentwicklung schaffen werden.

Wie könnte so ein E-Flugzeug in der nahen Zukunft aussehen?

De Doncker: Es kann gut sein, dass die Flugzeugbauer es parallel haben möchten: Triebwerke, die nur temporär elektrisch betrieben werden. Wenn ich die Batterien nur nutze, um beim Starten oder Landen Energie zu liefern, kann ich Triebwerke einbauen, die viel effizienter arbeiten. Also ein Hybridflugzeug, ähnlich wie den Hybridautos.

Welches Konzept finden Sie besonders spannend?

De Doncker: Was man für diese Lufttaxen überlegt, ist, die Batterien ständig auszutauschen. Dass sie dann wieder geladen sind, bis man zur nächsten Runde zurückkommt. Das macht besonders Sinn für Taxen, Busse oder auch Linienflugzeuge, die ständig hin und her pendeln. Dann fliegt man rein elektrisch. Und wenn die elektrische Energie dann noch aus Regenerativen kommt, dann sind wir doch schon sehr weit.

Was ist Ihr persönliches Forschungsziel?

De Doncker: Es geht mir darum, die lokale Emission zu reduzieren. Es wird viel darüber gestritten, dass, wenn der Strom aus Kohle kommt, das E-Auto keinen Umwelt-Vorteil hat. Geringfügig hat es das aber doch. Aber die Lobby gegen Elektroautos ist sehr stark, das ist schade. Wenn wir in Zukunft mehr Elektroautos am Netz haben, dann können wir auch mehr Regenerative einspeisen. Außerdem ist die Lebensdauer eines Motors deutlich höher.

Hat ihr Institut ein E-Flugzeug?

De Doncker: Noch nicht ganz. Die Flugwissenschaftliche Vereinigung der RWTH hat ein Segelflugzeug, das einen elektrischen Hilfsmotor hat. Ein sehr spannendes Projekt, das aber bald rein elektrisch fliegen soll – und wird.

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