RWTH-Gewinner überzeugen mit „Perlen für die Blase”

Von: Christoph Classen
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Aachen. Mit Perlenketten ist das normalerweise ja so: Getragen werden sie wahlweise um Hals oder Handgelenk.

Wenn es aber nach Ina Michaelis vom Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) der RWTH Aachen und Joachim Grosse von der Klinik für Urologie des Aachener Klinikums geht, dann werden Perlenketten in absehbarer Zeit nicht nur am, sondern auch im Körper getragen.

In der Blase, um genau zu sein. Eine gute Idee? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sagt ja. Deswegen hat es das Projekt zum Gewinner seines Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2008 gekürt. Und weil Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt die neuen Entwicklungen in ihrem Fachgebiet keinesfalls verschlafen will, hat sie sich das mit der Perlenkette in der Blase am Montag mal genauer vor Ort erklären lassen.

Gedacht ist sie für Patienten, die unter einer überaktiven Harnblase leiden. Damit verbunden ist der unangenehme Drang zum häufigen Wasserlassen. Joachim Grosse sagte, dass zehn Prozent der deutschen Bevölkerung davon betroffen seien, bei den über 60-jährigen sogar jeder Vierte. Bislang werde die Krankheit medikamentös behandelt. Das ist mit vielen Nebenwirkungen verbunden, weswegen 70 Prozent der Patienten schon bald aufhörten die Medikamente zu nehmen.

IKV und Klinikum haben deswegen ein selbstauflösendes Medikamentenabgabesystem entwickelt. Das sieht aus wie eine kleine Perlenkette, besteht aus biologisch abbaubarem Kunststoff und fungiert als Träger für die Medikamente. Der Patient soll es durch die Harnröhre selbst in die Blase einführen. Das ist nur alle vier Wochen notwendig, weil der Wirkstoff gleichmäßig abgesetzt wird. Und die Nebenwirkungen gehören damit auch der Vergangenheit an.

Das ist auch das Ziel von Stefan Heger vom Lehrstuhl für Medizintechnik der RWTH und Joachim Tinschert von der Klinik für zahnärztliche Prothetik des Aachener Klinikum. Sie haben einen Mikroscanner entwickelt, der mittels Ultraschall eine präzise Geometrievermessung des Gebisses ermöglicht. Bei der Herstellung von beispielsweise Kronen- und Brückengerüsten könnte der alte Gipsabdruck deswegen schon bald der Vergangenheit angehören. Der Patient profitiert, weil das Gerät die Erfassungsgenauigkeit erhöht und die Behandlungszeit verringert. Auch dieses Projekt wurde beim Innovationswettbewerb Medizintechnik 2008 ausgezeichnet.

RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg ist jedenfalls sehr stolz auf seine erfinderischen Kollegen aus der Medizin. Er sagte: „Schauen Sie aufs Klinikum. Da liegt für uns Techniker eine Goldgrube.”
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