Aachen - Roncalli zeigt, was sich hinter den Kulissen tut

Roncalli zeigt, was sich hinter den Kulissen tut

Von: stm
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Unter die Zirkuskuppel mit den
Unter die Zirkuskuppel mit den Superstars: Oxana und Vitaly Bobrov entführten Besucherin Ida (8) in schwindelerrgende Höhen. Der Circus Roncalli hatte zum Tag der offenen Tür geladen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Zirkus ist Familiensache. Das gilt natürlich für einen Besuch in der Manege. Aber das ist auch buchstäblich so, wenn es um diejenigen geht, die ihre staunenden Zuschauer unter der Kuppel in eine Traumwelt entführen. Das „Artisten-Gen” wandert von Generation zu Generation.

Beim Tag der offenen Tür im Circus Roncalli konnte man sich davon ein genaues Bild machen - denn auch der Nachwuchs, die „Next Generation”, bekam die Chance zum Auftritt vor großem Publikum.

Nehmen wir zum Beispiel Patrick Philadelphia (kein Künstlername, der Mann heißt wirklich so): Den Roncalli-Besuchern ist er als Conferencier bekannt, führt Tag für Tag durchs Programm und unterstützt die Clownsnummern. Eigentlich ist er aber auch Betriebsleiter bei Roncalli, zudem „Abendregisseur”.

Sein Vater ist Reiter der Hohen Schule im Circus Krone, seine Mutter war Drahtseil-Star. Geraldine Philadelphia (15) ist wiederum die Tochter von Patrick - und zeigte schon eine preisgekrönte Nummer mit Hula-Hoop-Reifen. Seit neun Generationen erlebt man Philadelphias im Zirkus.

Oder Shirley und Dede Larible: Sie sind Sprösslinge von Star-Clown David Larible und America Olivera Jimenez - eine der wenigen Frauen, die je einem dreifachen Salto Mortale am Trapez zeigten. Artistin Shirley (21) ist fester Bestandteil des aktuellen Rocalli-Programms, Dede ist ein kommender Star in Sachen Jonglage. Die Reihe ließe sich mit den Töchtern von Circus-Chef-Bernhard Paul fortsetzen, oder auch mit dem Sohn von Pferdedresseur Florian Richter.

Die Familie hatte sich nun also Gäste eingeladen, denen Einblick in die bunte Welt gewährt wurde. Mehrere hundert dieser Gäste waren es, die am Sonntag Vormittag 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst diese Familie. Darunter das künstlerische (30), aber auch jenes Personal, dass der Zirkusbesucher nicht zu Gesicht bekommt. Das aber, so Patrick Philadelphia, für das Gelingen der Show nicht minder wichtig ist.

Und noch ein paar andere Dinge gehören dazu: An erster Stelle das Zirkuszelt. Genau 1499 Plätze hat die 38,50 Meter Durchmesser zählende Roncalli-Manege. Nicht einer mehr darf es sein, wie Patrick Philadelphia erzählte. Denn ab 1500 Plätzen brauche man aus Sicherheitsgründen Feuerwehrpersonal - und das würde jeden Tag mehrere hundert Euro kosten. Dann doch lieber einen Platz weniger...

Weniger will man indes verbrauchen - Strom nämlich. Da hat die Roncalli-Welt den Verbrauch einer kleinen Stadt. Auch das ist ein Kostenfaktor, weswegen beim Licht verstärkt sparsame LED-Lampen eingesetzt werden. Keineswegs sparen will Roncalli beim „Royal Roncalli Orchestra”, obwohl auch das ein betriebswirtschaftlich gesehen teurer Spaß ist. Seit 35 Jahren wird aber auf Live-Musik gesetzt - des Flairs wegen. Und das soll auch so bleiben.

Bleiben soll auch das, was Roncalli ausmacht. Diese Familienatmosphäre. So wurde am Sonntag unter den Augen der Öffentlichkeit geprobt. Florian Richter ritt ein, und zwar in rotem Sweatshirt statt im schwarzen Glitzeranzug. Geduldig beantwortete er während der Probe die vielen Fragen der Zirkusfans. Und bewies, dass die Roncalli-Poesie den Künstlern offenbar in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Denn da wollte ein Mädchen wissen, wie viele Haare sein Pferd habe. „So viele, wie Sterne am Himmel stehen”, ließt Richter wissen. Pferde sind im Übrigen aus der Roncalli-Welt deswegen nicht wegzudenken, weil es die Pferde waren, die den Grundstein jeglichen circensischen Vergnügens darstellten. Zirkus entstand im 18. Jahrhundert durch „Kunstreitergesellschaften”.

Ab unter die Zirkuskuppel

Als Nachwuchsartisten durfte sich an diesem Tag, an dem man auch einen Blick in die Schneiderei, den Kostümfundus und die Stallungen werfen konnte, auch der Nachwuchs im Publikum versuchen. So zum Beispiel mit den „Azario Sisters” oder auch mit den Stars Oxana und Vitaly Bobrov. Mit ihnen ging es sogar in schwindelerregende Höhen unter der Zirkuskuppel. Oder auch mit Fußball-Jongleur Jemile Martinez aus England. Er kommt - natürlich - aus einer Artistenfamilie mit einer Trapezmeisterin als Mutter und einem Akrobaten als Vater. So ist es eben im Zirkus. Es bleibt alles irgendwie in der Familie. Die Familie bleibt in Aachen noch bis 19. Juni.
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