Rohrreiniger-Attacken: Versuchter Mord in fünf Fällen

Von: Holger Richter
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Diese Fotos waren von einer Überwachungskamera im Westpark aufgenommen worden. Foto: Polizei Aachen
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Geschrei unerwünscht: Der 53-Jährige hat die Belästigung durch Kinerlärm als Motiv für seine Taten angegeben. Dieser Aufkleber hängt unmittelbar vor dem Spielplatz im Westpark. Foto: Harald Krömer
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Der Tatverdächtige wohnt nach Informationen der „Nachrichten“ in einem Haus in Sichtweite des Spielplatzes. Foto: Harald Krömer, Ralf Roeger

Aachen. Die Ermittlungen in Sachen Rohrreiniger-Attacken auf Spielplätzen legen ein beachtliches Tempo an den Tag. Nach der Veröffentlichung der Fahndungsfotos am Mittwoch, dauerte es nur wenige Stunden bis zur Festnahme. Und nun – eine weitere Nacht später – liegt auch ein umfassendes Geständnis des 53-jährigen Mannes vor.

„Der Tatverdächtige hat nunmehr im Rahmen seiner umfassenden Vernehmung alle Taten, auch bezüglich der Grillplätze und der Kotschmierereien, eingestanden“, teilt Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Donnerstagmittag mit. Mit den Attacken auf die Grillplätze im Juni hatten die Rohrreiniger-Fälle in diesem Jahr angefangen. Bereits im Herbst 2015 waren Bänke und Spielgeräte im Westpark mehrfach und ausgiebig mit Kot beschmiert worden.

Als Motiv habe er angegeben, sich unter anderem durch Kinderlärm belästigt sowie durch eine Vielzahl von Personen verfolgt gefühlt zu haben, woraus folge, dass „nicht auszuschließen ist, dass dem Verhalten des Tatverdächtigen eine psychiatrische Erkrankung zugrunde liegt“, wie es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft wörtlich heißt.

Ein vorläufiges Gutachten habe inzwischen eine verminderte Schuldfähigkeit des 53-Jährigen festgestellt, teilt Schlenkermann-Pitts mit, die betont, dass der Festgenommene entgegen anderslautenden Medienberichten die Taten erst am Donnerstag gestanden hat. „Am Mittwoch direkt nach seiner Festnahme hatte er nur die objektiven Umstände der Tat eingeräumt. Dass war aber noch so schwammig, dass es für eine Anklage nicht ausgereicht hätte.“ Am Donnerstagvormittag habe sich das dann geändert.

Am Nachmittag dann standen sogar schon die exakten Vorwürfe gegen den 53-Jährigen fest. Ihm wird nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, „in insgesamt fünf Fällen einen versuchten Mord begangen zu haben“. Als Mordmerkmal habe die Staatsanwaltschaft „Heimtücke mit gemeingefährlichen Mitteln“ ausgemacht, teilt Katja Schlenkermann-Pitts mit.

In drei Fällen davon – an der Grillhütte Adamshäuschen sowie auf zwei Mal im Westpark – sei der versuchte Mord in Tateinheit mit vollendeter gefährlicher Körperverletzung und in zwei Fällen – am Grillplatz Karlshöher Hochweg sowie am vergangenen Sonntag im Westpark – in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung geschehen, zählt die Oberstaatsanwältin auf. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe das Amtsgericht Aachen die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Ermittlungen dauern an

Die Ermittlungen seien damit aber noch lange nicht abgeschlossen, betont die Pressedezernentin der Aachener Staatsanwaltschaft. Zunächst müsse noch ein endgültiges Gutachten über den Gesundheitszustand des 53-Jährigen erstellt werden und eine entsprechende Anklage vorbereitet werden, so Schlenkermann-Pitts.

Unterdessen ist die Erleichterung in der Stadt groß. „Ich bin froh, dass wir den Tatverdächtigen ermitteln und festnehmen konnten“, sagt Polizeipräsident Dirk Weinspach. Er habe direkt nach der Festnahme Oberbürgermeister Marcel Philipp informiert. „Wir sind erleichtert und waren uns einig, dass der Fahndungserfolg dazu beiträgt, dass sich Eltern, Kinder und auch die Anwohner wieder unbeschwert in Parks und auf Spielplätzen aufhalten können“, fasst Weinspach sein Gespräch mit dem OB zusammen. Der Fahndungserfolg sei auch ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit der beteiligten Behörden, betont der Polizeipräsident.

Einen großen Beitrag haben aber auch die zahlreichen Hinweise aus der Bevölkerung nach Veröffentlichung der Fahndungsfotos zur schnellen Festnahme geleistet, was die Frage aufwirft, wer denn nun die ausgelobte Belohnung in Höhe von 3000 Euro erhält? Katja Schlenkermann-Pitts sagt dazu: „Es wird derzeit geklärt, wer die Belohnung erhält und ob sie aufgeteilt an mehrere Hinweisgeber ausgezahlt wird.“

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