Nürburg - Rock am Ring: Heute steht sogar ein Kühlschrank im Zelt

Rock am Ring: Heute steht sogar ein Kühlschrank im Zelt

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Seit Jahren Camper aus Uberzeugung: Bei Rock am Ring gehört zelten einfach dazu. Auch wenn die Ausstattung im und rund um das Zelt heute besser ist als früher. Foto: Tobias Röber

Nürburg. Kiss, Rage Against The Machine, Muse und Rammstein - bei Rock am Ring geben sich die Rockgrößen die Klinke in die Hand. Das Kultfestival ist aber mehr als nur eine reine Ansammlung von Konzerten. Es ist eine riesige Party - vor den drei Bühnen und vor allem aber auch auf den Zeltplätzen. Wir blicken einmal tief hinein ins Zeltleben zwischen Dixi-Toiletten und Dosenbier.

8.14 Uhr: „Aufstehen!” Der Ruf kommt aus einem Nachbarzelt. Ich öffne die Augen und sehe als erstes eine Fliege an der Zeltdecke. Ich schwitze und mein T-Shirt klebt am Körper. Im Zelt sind es gefühlte 40 Grad. Meine Kehle ist trocken, also erstmal raus an die frische Luft. Von unserer Gruppe ist noch niemand wach - der „Aufstehen”-Ruf kam von den Nachbarn aus Offenbach.

Ich nehme mir aus dem Kühlschrank eine Flasche Cola und nehme einen Schluck. Das tut gut. Ich denke kurz an den gestrigen Abend. Rage Against The Machine war super und zum Abschluss eine tolle Show von Jan Delay, bei der rund 35.000 Zuschauer gemeinsam getanzt haben.

8.37 Uhr: Ich habe mich in unser großes Mannschaftszelt gesetzt, noch bin ich alleine. Alles für Ringrocker ist hier vorhanden: Kühlschrank, Klappstühle und sogar eine Diskokugel. So langsam erwacht der Campingplatz B5 zum Leben. Immer mehr Festivalgäste schälen sich aus ihren Zelten. Erste Stromgeneratoren knattern, ein paar Musikanlagen werden gestartet, andere liefen die ganze Nacht durch. In einiger Entfernung qualmt der erste Grill. Bratwurst und Bauchspeck zum Frühstück - herrlich!

8.50 Uhr: Die Flasche Cola ist leer. Kalle, Oli, Ralf und Christiana sind jetzt auch wach. Wir sitzen zusammen, alle sind noch etwas vom Vortag gerädert. Wir reden über die Musik und sind uns einig, dass es super Konzerte waren. Aber jetzt erstmal Zähne putzen. Am Waldrand mit einer Flasche Wasser. Natürlich gibt es Waschbecken und auch Duschen auf jedem Campingplatz. Manche aus unserer Gruppe duschen, andere ziehen die „Deo-Dusche” vor. Schweißgeruch stört niemanden beim Festival.

9.30 Uhr: Jetzt sind alle aus der Gruppe wach. Christiana räumt mit Ann zusammen ein wenig auf. Torsten stockt die Vorräte im Kühlschrank auf. Die Sonne brennt schon sehr. Gut, dass wir einen Kühlschrank haben. Als ich 1999 das erste Mal bei Rock am Ring war, hatten wir keinen. Warme Getränke und immer nur Dosenravioli gab es damals. Jetzt liegen Kotelettes, Schnitzel und jede Menge Würstchen bereit.

10.15 Uhr: Wir sitzen in der Runde zusammen und hören die „Good-Morning-CD”, die Frank zusammengestellt hat. Sie läuft jeden Morgen: Fritten & Bier, Die Kassierer und Deichkind - die Reihenfolge der Lieder kennt jeder von uns. „Lauter” ruft ein Nachbar aus Offenbach. Kalle, der an der Musik sitzt, erfüllt ihm den Wunsch gerne.

11.33 Uhr: Die Stimmung ist prima. Kein Wunder, bei dem Wetter. Schon oft hat es bei Rock am Ring geregnet, jetzt ist keine Wolke am Himmel. Gut, dass alle Sonnencreme mithaben. Und noch besser, dass eine Nachbargruppe ein kleines Planschbecken mithat. Gemeinsam wird Wasser aus dem Tank neben den Toiletten geholt, die Abkühlung tut sehr gut. Torsten reißt einen Sack Kohle auf, endlich wird gegrillt.

12.27 Uhr: Alle sind satt, so ein gemeinsames Grillfrühstück ist eine feine Sache. Wir überlegen, wann wir zum Festivalgelände gehen. Unsere Gruppe ist zweigeteilt: Die eine Fraktion will zur Alternastage, dort ist Heavy Metal angesagt. Auf der Hauptbühne spielt Muse als Headliner. Die Offenbacher haben derweil ein Spiel begonnen: Über sämtliche Zelte hinweg werfen sie sich einen Handball zu. Wildfremde Menschen werden einbezogen, wir dürfen auch kurz mitspielen.

14 Uhr: Wir albern mit Paul, Lukas, Florian und Herbert herum. Die vier Bonner haben wir 2009 im Ringrocker-Forum kennen gelernt und jetzt ein ganzes Jahr nicht gesehen. Es hat sich viel getan in dem einen Jahr. Paul gratuliert Frank und Oli, beide sind vor kurzem Vater geworden. Beruf, Hobbys und natürlich Fußball - es gibt viel zu besprechen.

14.39 Uhr: Eddie, Frank und Sebastian liegen im Schatten und halten ein Mittagsschläfchen. Gute Idee, schließlich wird es wieder eine lange Nacht. Ich schließe mich an und nicke in meinem Campingstuhl ein.

15.50 Uhr: Wieder wach. Ich fühle mich einigermaßen fit und freue mich auf die Konzerte. Die Sonne brennt immer noch und ich setze mich mit Ralf, Eddie und Christiana aus dem Mannschaftszelt hinaus in die Sonne.

17 Uhr: Fertig machen fürs Gelände. Jeder nimmt einen Tetrapak und befüllt ihn mit dem Getränk seiner Wahl. Die kurze Hose reicht in diesem Jahr, sicherheitshalber bindet sich aber jeder einen Pullover um die Hüfte.

17.21: Endlich sind alle fertig. Wir ketten alle Campingstühle zusammen, Musikanlage und Kühlschrank sind ohnehin bestens gesichert. Dann marschieren wir los. Rund eine halbe Stunden brauchen wir bis zum Eingang auf das Festivalgelände.

18 Uhr: Wir sind als erstes zur Alternastage gegangen. Die meisten von uns wollen lieber die härteren Bands sehen. Stone Sour übertrifft unsere Erwartungen, ein mehr als gelungener Auftakt.

3 Uhr: Unter großem Jubel verschwindet Motörhead von der Bühne. Ein toller Abend. Christiana war zwischenzeitlich bei Muse und ist ebenfalls sehr begeistert. Wir gehen gemeinsam zurück. Auf dem Weg gönnen wir uns noch einen Backfisch - als Abwechslung zu Bratwurst und Kotelette, die wir sonst in diesen Tagen essen.

3.40 Uhr: Endlich zurück auf dem Zeltplatz und im Klappstuhl. Meine Beine tun weh, die über sieben Stunden vor der Bühne merke ich jetzt deutlich. Die ersten aus unserer Gruppe liegen schon im Bett, um unser großes Zelt herum ist die Party aber in vollem Gange. Unsere Musikanlage läuft wieder, wir hören stilecht Metallica.

4.49 Uhr: Ich schaue auf mein Handy und wundere mich, dass es schon so spät (oder früh) ist. Ich gähne und gehe ins Bett. Irgendwo aus der Entfernung höre ich Pearl Jam. Die perfekte Einschlafmusik. Viel länger als bis 8.14 Uhr werde ich auch dieses Mal wahrscheinlich nicht schlafen können...
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