Riskante Akrobatik in zwölf Metern Höhe

Von: Sabine Rother
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Täglich wird die Rakete auf Hochglanz poliert: Vicky und Pablo sind die „Rocketstars: Flying Garcias“ beim Zirkus FlicFlac. Das silbern glänzende Gefährt hat Pablo selbst gebaut. Seit 17 Jahren begeistern die beiden damit weltweit ihr Publikum. Foto: Andreas Herrmann
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Pablo Garcia hat die Füße unter der Rakete eingehakt. Mit einer Hand hält er Ehefrau Vicky.

Aachen. Das Zirkuszelt bebt, die glitzernde Rakete schaukelt zurzeit sogar ohne Antrieb ein wenig bedrohlich an ihren starken Halteseilen. Aber der Sturm, der die schwarzen langen Vorhänge rund um das nach Popcorn duftende Foyer flattern lässt, ist für Vicky und Pablo Garcia kein wirkliches Pro­blem.

„Rocketstars: Flying Garcias“ gehört zu den Höhepunkten beim „Highlig Abend“-Programm des Zirkus FlicFlac, der noch bis zum 6. Januar 2014 die großen und kleinen Besucher auf den Aachener Bendplatz lockt.

Und wenn die Rakete mit wallenden bunten Nebelwolken und eindrucksvollem Getöse startet, wandern alle Blicke staunend in die zwölf Meter hohe Kuppel. „Wenn ich das Gefühl habe, die Situation ist etwas wackelig, halte ich Vicky nicht nur mit einer Hand, sondern mit beiden Händen am Bein fest“, lächelt Pablo. Der 44-Jährige ist stolz auf das silbrig glänzende Gefährt, das täglich von Vicky poliert wird. „Da sieht man jeden Händeabdruck, einfach alles“, seufzt sie und holt die Sprühflasche mit dem Glasreiniger aus der Tasche. „Damit bekomme ich aber alles schnell wieder blank.“

Die 300 Kilogramm schwere Rakete hat Pablo selbst gebaut, und wenn man genau hinschaut, entdeckt man interessante Details: Die vier Startdüsen zum Beispiel, aus denen während der Startsequenz Dampf strömt und Feuer sprüht, waren einst Hundenäpfe und Zuckerdosen. „Die Rakete ist etwas ganz Besonderes“, lächelt ihr Erbauer. „Wir sind damit schon in der ganzen Welt aufgetreten, sogar in Monte Carlo.“

Wenn es in einem Programm eine Trapeznummer gibt, reagieren die Garcias skeptisch. „Selbst Schnüre, die zur Seite gebunden werden, sind für uns ein Risiko, das wir nicht eingehen. So eine Manege ist nichts für uns, das ist zu gefährlich, die Rakete könnte sich verfangen.“

Seit inzwischen 17 Jahren gibt es diese außergewöhnliche Nummer – und sie ist überall ein Highlight. „Das kann man ja auch nicht so einfach kopieren“, betonen die beiden, die beim Start des vier Meter langen Weltraumgefährts eng beieinander im kleinen Laderaum hocken müssen. Fast unbemerkt öffnet sich die Luke, und Pablo steht plötzlich als wagemutiger Raumpilot auf seinem Gefährt oder hängt sich mit den Füßen an die Unterseite.

Angst kennen sie nicht, aber eine erhöhte Aufmerksamkeit. „Ich höre schon am Startgeräusch, ob alles gut ist und die Technik sicher läuft“, betont Pablo. Die Raketen-Düsen werden vom Innenraum aus mit Brennstoff versorgt – Gas aus einer Flasche, wie sie für Campingwagen benutzt wird. Eines Tages hatten aufbauende Techniker die Anschlüsse verwechselt. „Da wurde es drinnen mal ganz kurz sehr heiß“, erinnert sich Vicky ungern. „Aber wir können uns aufeinander verlassen, das ist für mich das Wichtigste“, sagt die 35-Jährige.

Die akrobatische Arbeit hoch oben bei schwungvoll rotierender Rakete, die in einem Radius von 13 Metern dicht über den Köpfe der Zuschauer hinwegsaust, verlangt höchste Konzentration, starke Muskeln und ein perfektes Timing. Bei einer der atemberaubend-eleganten Figuren hält Vicky ihre Sicherung lediglich mit den Zähnen fest. „Ja, ich habe starke Muskeln und kräftige Kiefergelenke. Wenn ich kopfüber hänge, spüre ich allerdings manchmal meine Zehen nicht mehr, weil das Blut in die andere Richtung fließt, doch es hilft, mit den Zehen zu wackeln.“

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