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Rhein-Pegel steigt: Die Flutung der Baugrube steht bevor

Von: dpa
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Nach Angaben der Kölner Verkehrsbetriebe nur eine zusätzliche Schutzmaßnahme: Bei einem Rhein-Pegel von sechseinhalb Metern und einem Grundwasserstand von 39,5 Metern soll die U-Bahn-Baugrube am Heumarkt geflutet werden. Foto: dpa

Köln. In Köln steht die Flutung einer nach Baupfusch gefährdeten U-Bahn-Baugrube kurz bevor. Über Tag und Uhrzeit sei noch nicht entschieden, einiges deute aber auf das Wochenende hin, sagte ein Sprecher der Stadt am Donnerstag.

Der Rhein-Pegel steigt nach Angaben der Hochwasserschutzzentrale derzeit stündlich um drei bis fünf Zentimeter und könnte am Samstag 6,50 Meter erreichen. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) wollen bei dieser Marke die Großbaustelle Heumarkt in der Innenstadt fluten. Anwohner müssten sich keine Sorgen machen, sagte Stadt-Sprecher Gregor Timmer.

Es werde keine vollgelaufenen Keller geben und schon gar nicht zu einer Evakuierung kommen. Der zunächst genannte Freitag als möglicher Beginn der Aktion sei nicht wahrscheinlich, betonte neben Timmer auch KVB-Sprecherin Gudrun Meyer. Beide meinten, die Standsicherheit des Bauwerks sei auch ohne Flutung gegeben, diese sei eine zusätzliche Schutzmaßnahme.

In der Baustelle Heumarkt fehlen bis zu 83 Prozent der erforderlichen Eisenbügel. Für knapp 30 stabilisierende Schlitzwände sollen falsche Bauprotokolle angefertigt worden sein. Auch bei anderen Baugruben - insgesamt umfasst das Milliardenprojekt Nord-Süd- Stadtbahn der KVB acht neu entstehende Haltestellen - gibt es Erkenntnisse über Baumängel oder Betrugs- und Pfuschvorwürfe.

Die ersten möglichen Straftaten drohen bereits zu verjähren. Gegen etwa ein Dutzend Beschuldigte wird wegen des Verdachts auf Diebstahl und Betrug ermittelt. „Für beides gilt eine Verjährungsfrist von fünf Jahren”, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld der dpa. Eine Entwendung von Stahlbügeln zum Beispiel im Jahr 2004 könne deshalb nicht mehr strafrechtlich geahndet werden.

Inzwischen hätten Gutachter aber festgestellt, dass durch den Verzicht auf einige Stahlbügel eine Gefahr bestehe könne, vor allem an der Baustelle Heumarkt. „Deshalb haben wir jetzt zusätzlich die Ermittlungen auf den Verdacht der Baugefährdung ausgeweitet”, erklärte Feld. Dieses Delikt könne nicht verjähren, weil die mutmaßliche Gefahr nach wie vor andauere.

Am Heumarkt wird laut KVB halbstündig der Grundwasserstand gemessen. Die Berechnungen sind hoch kompliziert, weil Rhein-Pegel und Grundwasserstand nicht identisch sind und auch nicht im selben Maße klettern. Steigt das Rhein-Wasser, so nimmt die Grundwasserhöhe in der Baugrube zwar ebenfalls zu, aber in einem anderen Umfang und mit zeitlicher Verzögerung, wie die Hochwasserschutzzentrale erklärte.

Ein Team mit Verantwortlichen von Stadt, KVB, Feuerwehr, Hochwasserschutzzentrale und ausführendem Baukonsortium unter Federführung von Bilfinger Berger komme regelmäßig zusammen, sagte Stadt-Sprecher Timmer. Die gemessenen Grundwasser-Werte gehen an Feuerwehr und Hochwasserschutzzentrale. Die Baugrube sei fertig vorbereitet, daher könne eine Flutung sehr schnell anlaufen. „Aktuell haben wir einen Grundwasserstand von 37,9 Metern. Bei 39,5 Metern wollen wir fluten.”

Die Vorbereitungen an der Großbaustelle sind abgeschlossen. Zum einen sind unterirdische Stahlplatten angebracht worden, die wie ein Korsett von innen dafür sorgen sollen, dass der Druck auf die Wände durch die steigenden Wassermassen nicht zu hoch wird. Damit bei Flutung die Baustelle nach vorn und hinten verschlossen ist und nicht andere Baustellen mitgeflutet werden, wurden zudem drei Meter dicke Beton-Wände eingebaut.

Geflutet wird laut KVB mit Grundwasser. „Wir haben Pumpen in der Grube, die das Wasser sonst rauspumpen und die so umgestellt werden, dass sie Wasser reinlassen”, sagte Meyer. Es werde mit 32.000 Kubikmetern Wasser und rund 32 Stunden gerechnet, bis die Baugrube gefüllt sei. Wie lange der unterirdische Bauplatz dann voller Wasser bleibe, sei unklar und hänge von der weiteren Rhein-Hochwasser-Entwicklung ab.

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