Rhein-Havarie: Heilloses Chaos auf der „Excelsior”

Von: Jörn Hartwich, dpa
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Containerschiff/Havarie/Excelsior
Neben dem havarierten Binnenschiff „Excelsior” liegt auf dem Rhein bei Köln ein Tauchschiff (Foto vom 28.03.2007). Der auf dem Rhein bei Köln verunglückte Frachter war falsch beladen und überladen. Foto: dpa

Duisburg/Köln. Es waren spektakuläre Bilder: Im März 2007 verlor der Frachter „Excelsior” bei Köln 32 Container, der Rhein war sechs Tage lang gesperrt.

Am Freitag begann in Duisburg der Prozess gegen die beiden Schiffsführer. Die Staatsanwaltschaft wirft 50 und 66 Jahre alten Seemännern vor, ihren Frachter falsch beladen und die Stabilität nicht berechnet zu haben. Doch der ältere der beiden Angeklagten wies die Vorwürfe sofort zurück: „Das Schiff war stabil.”

Fünf Jahrzehnte war 66-Jährige als Binnenschiffer unterwegs, drei davon als Schiffsführer auf dem Rhein. Als ihn einer seiner Matrosen Stunden vor der Havarie auf das bedenkliche Schlingern des Schiffes ansprach, fiel die Antwort angeblich kurz und patzig aus: „Scheiß dich nicht ins Hemd. Alles in Ordnung.”

Doch genau das war nicht der Fall. Die insgesamt 103 Container waren in vier Lagen übereinandergestapelt, die obersten gingen über Bord, darunter auch einige Gefahrgut-Behälter mit Epoxidharz. Der letzte Container wurde erst mehr als einen Monat nach dem Unfall geborgen. Dass es keine ernsthaften Kollisionen gegeben hat, war reines Glück.

Die „Excelsior” war in Mannheim beladen worden, befand sich auf dem Weg nach Rotterdam. Dass der 66-jährige Schiffsführer vor der Abfahrt keine Stabilitätsberechnung vorgenommen hat, wollte er zum Prozessauftakt gar nicht bestreiten: „Das nützt doch nichts. Zum Großteil stimmen die Gewichtsangaben doch sowieso nicht.” Viele Container seien locker mit bis vier bis fünf Tonnen überladen. Die leichte Schräglage des Schiffes, die nach dem Ablegen festgestellt wurde, hatte die Besatzung mit Hilfe eines Stabilisierungstanks ausgeglichen, der mit Wasser gefüllt wurde. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, hatte der 66-Jährige nach eigenen Angaben später auch noch eine sogenannte Schlängelfahrt unternommen. Später habe er sogar andere Schiffe überholt.

Warum die „Excelsior” trotzdem wieder in Schräglage geraten ist, erklärte der angeklagte Schiffsführer mit einem Wassereinbruch im Vorschiff, der wahrscheinlich durch einen Riss verursacht worden sei. Deshalb habe er schließlich auch wenden und vor Anker gehen wollen. Das Steuermanöver führte jedoch direkt zur Katastrophe. Einer der Matrosen, der sich zum Unfallzeitpunkt im Maschinenraum befand, sprach im Zeugenstand von einem „heillosen Chaos”. Es habe einen weiteren Wassereinbruch gegeben, Werkzeuge und Maschinen seien durch die Gegend geflogen. „Ich bin sofort in Deckung gegangen, hatte Todesangst”, sagte der 29-Jährige den Richtern.

Das Schifffahrtsgericht in Duisburg-Ruhrort hat für den Prozess vorerst noch zwei Verhandlungstage bis zum 16. November vorgesehen. Die Anklage lautet auf gefährlichen Eingriff in den Schiffsverkehr und Gewässerverunreinigung.
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