Köln - Retro-Schuhe: Zum Kicken eigentlich zu schade

Retro-Schuhe: Zum Kicken eigentlich zu schade

Von: Jens Meifert
Letzte Aktualisierung:
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Das Ballgefühl ist schon mit drin: Der Kölner Markus Stolla lässt den „Retro-Star“ in Italien nähen. In seinem Keller hat er einen alternativen Showroom und das Schuhlager eingerichtet. Foto: Belibasakis
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Es gibt nicht nur schrill: Fußball-Schuhe im Retro-Stil sind Markus Stollas Leidenschaft.

Köln. Eine Fußballerumkleide voller Männer sollte man sich nicht zu romantisch vorstellen. Und doch ist auch dieser von derben Sprüchen und Schweiß geprägte Ort nicht frei von Sentimentalitäten. Wenn etwa ein Sportsfreund voller Stolz neue Schuhe aus der Tasche zieht, sind ihm die aufmerksamen Blicke seiner Kollegen gewiss.

Und wenn die Schuhe aus Kalbsleder gefertigt und in Italien handgenäht sind, gibt es mindestens anerkennendes Schulterklopfen. Markus Stolla hat diese Schuhe entwickelt.

Der 33-Jährige hat immer etwas übrig gehabt für klassische Dinge. Auf Flohmärkten hat er sich eingedeckt mit Jacken und Möbeln aus den 60er und 70er Jahren, seine Wohnung im Kölner Stadtteil Sülz ist voll davon. Fußballschuhe wie „Puma King“ oder „Uwe-Star“ hat Stolla auch auf dem Trödel entdeckt. Er spielte in der Verbandsliga für Viktoria Köln und den FC Junkersdorf, gerne zog der Verteidiger antiquierte Schuhe wie „Adidas-Ranger“ auch auf dem Platz an. Während eines Spiels habe ihm der Gegenspieler nur auf die Füße geguckt und irgendwann gefragt: „Wo hast du denn die geilen Treter her?“

Die Idee, mit Retro-Fußballschuhen auf den Markt zu kommen, wurde vor zwei Jahren konkret. Längst hatte ein Kreuzbandriss höhere sportliche Ambitionen ausgeschlossen, der Wunsch, mit schönen, zeitlosen Fußballschuhen zu glänzen, blieb. Zumal die großen Produzenten immer aufwendigere Varianten in Neongelb, Pink und Grün auf den Markt brachten. „Adizero TRX“, „Evospeed 5G“ und „CTR360 Trequartista III“ heißen die gängigen Modelle. Es geht inzwischen sehr bunt zu auf deutschen Plätzen. Markus Stolla würde solch schrille Schuhe niemals anlegen. Außerdem erinnerte er sich an frühere Kollegen, die die weißen Streifen übermalten. „Es gibt jede Menge Freaks.“

Die Frage war, wer ihm die Schuhe fertigen sollte. Der Sportwissenschaftler kratzte Geld zusammen, ließ beim Deutschen Schuhinstitut einen Prototyp fertigen – und warf ihn weg, weil er ihm nicht gefiel. Dann hörte er von einem Schuhmacher am Gardasee, der Fußballschuhe seit Jahrzehnten von Hand näht. Er setzte sich auf seine alte Yamaha, fuhr damit nach Italien und kam mit einem handgenähten Nockenschuh zurück. Inzwischen hat er einen fünfstelligen Betrag investiert und mehrere hundert Paar Schuhe herstellen lassen. Kein Emblem, kein Streifen, nichts. Purismus pur. Es gibt sie in Schwarz, Cremeweiß und Cognacbraun, und ihr Leder ist so weich, dass das Ballgefühl gewissermaßen mit drin ist. „Retro-Star Classic“ heißen die Schuhe, das Logo ist dezent nur unter der Zunge abgebildet. Kostenpunkt: 149 Euro. Die erste Lieferung hat er mit dem VW-Bus in Italien abgeholt. Das war im September, und die 90 Paar Schuhe waren schnell vergriffen.

Schlicht, klassisch, hochwertig

Stollas Wohnung in Sülz ist ausstaffiert mit allerlei Fundstücken. Sehr prominent hat der gebürtige Düsseldorfer ein Foto von George Best aufgehängt, dick gerahmt im schlichten Schwarz. Der nordirische Flügelstürmer ist für ihn eine Ikone. „Er wusste, was sich auf dem Platz schickt.“ Nie wieder werde es so einen wie ihn geben. Seine Kunst am Ball habe er mit einem Höchstmaß an Ästhetik kombiniert. Und schlichten Schuhen, den „Stylo Matchmakern“.

Von seinen Retro-Schuhen leben kann Stolla nicht. Aber er arbeitet dran. „Wenn’s so läuft wie die letzten Wochen, sieht es gut aus.“ Vor kurzem war er auf der Internationalen Schuhmesse in Düsseldorf zu Gast, möglicherweise wird er sein Angebot bald um schlichte Trainingsanzüge erweitern, auch ein Ladenlokal soll dazukommen. Am besten im britischen Stil. „Eigentlich ist in den Schuhen alles drin, was ich mag“, sagt er, „sie sind schlicht, klassisch, aber hochwertig. Manche Kunden sagen: Zu schade zum Fußballspielen.“

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