Rechnungshof: Arbeitsagentur poliert eigene Statistik

Von: René Benden und Daniel Gerhards
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Aachen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat offenbar nicht das Ziel, das Beste für den einzelnen Arbeitslosen – im Jargon der Arbeitsvermittler „Kunde“ genannt – rauszuholen. Sie ist vielmehr um den Glanz der eigenen Statistik bemüht.

Dieser Ansicht ist zumindest der Bundesrechnungshof, der sich die Arbeitsweise der BA etwas genauer angesehen hat. Im Kern kommen die Prüfer zu dem vorläufigen Ergebnis, dass sich die BA vor allem um gut qualifizierte Arbeitslose kümmert, weil diese schnell zu vermitteln sind. Dies aber widerspreche dem gesetzlichen Auftrag, gerade Personen mit beruflichen Defiziten auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

Schuld an dieser Praxis seien die Zielvorgaben innerhalb der BA, wonach die Dienststellen Pluspunkte erhalten, je schneller und je öfter sie einen Arbeitslosen vermitteln. Wie schwierig die jeweilige Vermittlung ist, spiele dabei keine Rolle. Deshalb würden die Vermittler ihre Energie fast ausschließlich in die Betreuung von Arbeitslosen investieren, für die schnell ein neuer Job zu finden ist.

Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Aachen-Düren, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung das Prinzip der Zielvorgaben. Und er verteidigt es: Sich Ziele zu setzen, sei sinnvoll, um sich im Sinne der Arbeitslosen zu verbessern. Dass BA-Statistiken, wie in einem Bericht des „Spiegels“ beschrieben, manipuliert werden, bestreitet Koch zumindest für die Agentur Aachen-Düren.

Den Verdacht, dass auch in der Region die „starken“ Arbeitslosen mehr gefördert werden, kann Koch nicht entkräften. Auch, wenn er betont, dass sich gut ein Drittel aller Mitarbeiter der BA Aachen-Düren um Menschen mit großen Qualifizierungsdefiziten kümmern würden. Primär ist laut Koch auch in der Region die Aufgabe der BA, Arbeitslosigkeit schnellstmöglich zu beenden. Aus diesem Grund würden zuerst geeignete Bewerber passgenau auf angebotene Stellen vermittelt.

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