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Reaktor in Tihange nach Explosion abgeschaltet

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Das belgische Kernkraftwerk Tihange ist am Sonntag nach einem Brand teilweise abgeschaltet worden. Archivbild: dpa
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Blick ins Kernkraftwerk Tihange. Das Foto entstand während einer Führung für Pressemitarbeiter. Archivfoto: dpa

Lüttich. Nach einem gravierenden Unfall ist am Sonntag ein Reaktorblock des belgischen Kernkraftwerkes Tihange bei Lüttich abgeschaltet worden. In einem Umspannwerk in der Anlage rund 70 Kilometer westlich von Aachen war nach einer Explosion ein Feuer ausgebrochen. Damit ist mehr als die Hälfte der Reaktoren des Landes ausgefallen - in den Medien wird Angst vor Stromausfällen geäußert.

Das Feuer sei gegen 10.30 Uhr ausgebrochen, berichtet das Nachrichtenportal Sudpresse.be. Eine halbe Stunde zuvor habe es einen Defekt bei einem der drei Transformatoren des Kraftwerks gegeben. Nach dem Zwischenfall sei der Reaktor automatisch heruntergefahren gefahren worden, gab der Bürgermeister der Stadt Huy Alexis Housiaux bekannt. Der Brand sei außerhalb der Nuklearanlagen des Kraftwerks ausgebrochen, die Situation sei unter Kontrolle.

Belgische Medien veröffentlichten Bilder und Videos, auf denen das Feuer in den elektrischen Anlagen auf dem Kraftwerksgelände erkennbar ist. Einsatzkräfte der Feuerwehr von Huy löschten brennende Kabel. Am frühen Nachmittag waren keine Flammen mehr zu sehen.

Für die Belgier könnte der Unfall ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Wie lange der Reaktor, dessen Leistung mit 1048 Megawatt angegeben wird, abgeschaltet bleiben wird, stand zunächst nicht fest. Die Zeitung Het Laatste Nieuws zitierte eine Sprecherin des belgischen Betreibers Electrabel, dass der Block nicht vor Dienstagmorgen wieder betriebsbereit sein werde. Dies sei aber nur die allererste Schätzung. Im Laufe des Sonntages wollten sich die Mitarbeiter des Stromkonzerns Klarheit über die Ursache des Zwischenfalls und das Ausmaß der Schäden verschaffen.

Die Sprecherin betonte, alle Sicherheitsprozeduren seien ordnungsgemäß abgelaufen. Zu keiner Zeit habe eine Gefahr für die Mitarbeiter oder die Bewohner der umliegenden Ortschaften bestanden. Erste Untersuchungen deuteten auf eine technische Ursache des Brandes hin.

Tihange liegt bei Huy westlich von Lüttich und ist das Aachen nächstgelegene Kernkraftwerk. Die in die Jahre gekommene Anlage sorgt immer wieder für Schlagzeilen und war zuletzt wegen Tausender von Haarrissen im Reaktorkern zeitweise vom Netz.

Mit der Abschaltung von Block 3 ist mittlerweile der vierte Reaktor der einzigen beiden belgischen Kernkraftwerke Tihange und Doel außer Betrieb, schreibt die Zeitung L' Avenir. Die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 sind aufgrund der Haarrisse immer noch abgeschaltet, während Doel 4 nach einem Sabotageakt im August heruntergefahren werden musste.

Jeder der ausgefallenen Reaktoren hat eine Leistung von über 1000 Megawatt. In Betrieb sind nun nur noch die drei kleinsten und ältesten Reaktoren Tihange 1 sowie Doel 1 und 2, deren Leistung teilweise nicht einmal halb so hoch wie die der ausgefallenen Blöcke ist. 

Bereits vor dem Zwischenfall gab es in Belgien Sorgen, ob die Stromversorgung des Landes im Winter garantiert sei. Anstehende Wartungsarbeiten an den Kraftwerken waren bereits verschoben worden. Durch den Ausfall von Tihange 3 hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Ob und wie das Land seinen Engergiebedarf in den kommenden Wochen und Monaten decken kann, ist noch offen.

Die Lage scheint buchstäblich angespannt zu sein: Der Stromnetzbetreiber Elia gab unmittelbar nach dem Vorfall auf seinem Twitterkanal bekannt, für den Rest des Sonntages seien keine Engpässe zu befürchten. Am Wochenende ist die Netzauslastung allerdings stets deutlich geringer als an Werktagen. Der Bedarf für die kommenden Tage werde mit Hochdruck ermittelt.

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