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Ramsch, Schnäppchen und Brillanten: Fundbüros machen glücklich

Von: Marco Hadem, dpa
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Alleine in der Landeshauptstadt fanden im Vorjahr auf diesem Wege rund 7.000 Fundstücke den Weg ins Fundbüro, darunter neben viel Ramsch und Schlüsselbunden auch ein mit Brillanten besetztes Handy oder ein Geldbündel mit 305.000 (alten) D-Mark, das ein ehrlicher Hauskäufer bei Renovierungsarbeiten hinter einem Kachelofen gefunden hatte. Ein Auktionator versteigert mehrmals pro Jahr alle besitzlosen Fundstücke, sofern der Verkauf Geld in die Stadtkasse spült. Foto: dpa

Düsseldorf. „Oh nein, ich muss mein Portmonee verloren haben.” Hektisch durchsucht Beate Mesowitsch Wohnung, Handtasche und Mantel. „So was ist mir noch nie passiert. Da waren doch alle Papiere drin - Ausweis, Bahncard, EC-Karte.” Der 62-Jährigen bleibt nur noch der Gang zum städtischen Fundbüro.

„Nach dem deutschen Fundrecht sind die Finder dazu verpflichtet, alle Gegenstände mit einem Wert über zehn Euro beim Fundbüro abzugeben”, sagt Werner Schwarz, Leiter der Düsseldorfer Abgabestelle. „Ansonsten macht man sich strafbar.”

Alleine in der Landeshauptstadt fanden im Vorjahr auf diesem Wege rund 7000 Fundstücke den Weg ins Büro, darunter neben viel Ramsch und Schlüsselbunden auch ein mit Brillanten besetztes Handy oder ein Geldbündel mit 305.000 (alten) D-Mark, das ein ehrlicher Hauskäufer bei Renovierungsarbeiten hinter einem Kachelofen gefunden hatte.

Während das wertvolle Mobiltelefon mittlerweile an seinen Besitzer zurückgegeben werden konnte, prüft die Behörde derzeit noch, wer der Besitzer des Geldbündels im Wert von umgerechnet 156.000 Euro ist.

Sind die Fundstücke einmal in den Regalen der Büros angekommen, beginnt für ihre Besitzer ein Wettlauf mit der Zeit. Denn die Büros müssen die Sachen maximal für sechs Monate aufbewahren. Was bis zum Stichtag nicht abgeholt wird, fällt entweder in den Besitz des Finders oder kommt unter den Hammer von Klaus Bach.

Der Auktionator versteigert mehrmals pro Jahr alle besitzlosen Fundstücke, sofern der Verkauf Geld in die Stadtkasse spült. „Alle anderen Sachen kommen auf den Müll oder in die Schrottpresse”, erklärt Michael Zimmermann, stellvertretender Leiter des Düsseldorfer Ordnungsamtes.

Pünktlich zu den Versteigerungsterminen finden sich immer viele Kaufwillige in den Katakomben des Düsseldorfer Ordnungsamtes ein, um das eine oder andere Schnäppchen zu machen. „Wir haben hier auch echte Stammkunden, die sich vorher im Internet informieren und die Fundsachen weiterverkaufen wollen”, weiß Schwarz zu berichten.

Während die allgemeinen Fundsachen nur unregelmäßig versteigert werden, wenn die Lager voll sind, kommen Fahrräder häufiger unter den Hammer. „Ihre Lagerung nimmt viel Platz in Anspruch”, sagt Zimmermann. „Deshalb müssen wir sie nach der Pflichtlagerungszeit schnell loswerden.” Rund 900 besitzerlose Räder - vom rostigen Oldtimer bis zum modernen Trekking-Bike - sammeln sich pro Jahr in den Lagerräumen.

Jedoch sind nicht alle Fahrräder klassische Fundstücke. „Viele Räder werden im Laufe des Jahres auch von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes im Stadtgebiet gesammelt”, erklärt Zimmermann. „Wenn die Räder etwa über einen längeren Zeitraum unbeachtet im Stadtgebiet gestanden haben, bringen wir sie ins Fundbüro. Sollten die Besitzer ihre Räder innerhalb der nächsten sechs Monate doch noch vermissen, können sie sie selbstverständlich bei uns abholen.”

Schnäppchenjägern wie dem Düsseldorfer Christian Knobloch ist die Herkunft ihrer ersteigerten Waren vollkommen egal. Für zehn Euro hat er ein zugegebenermaßen betagtes Herrenrad erworben. „Der Preis ist ok”, lacht er. „Aber ich muss mal sehen, ob nicht noch was besseres drin ist.”

Und auch Beate Mesowitsch konnte das Fundbüro schon wenige Tage nach dem Verlust wieder glücklich verlassen: „Ein Mann hat doch tatsächlich mein Portmonee hier abgegeben”, freut sie sich. „Damit habe ich nicht gerechnet - ehrlich.”
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