Wegberg - Qualitätsnachweis: Apfelkraut für ganz Deutschland

Qualitätsnachweis: Apfelkraut für ganz Deutschland

Von: Laura Beemelmanns
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30 bis 40 Tonnen Äpfel pro Tag: In der Apfel- und Rübenkrautfabrik Spelten in Wegberg-Holtum geht die Saison los. Ab Mitte September werden die Äpfel geerntet, angeliefert und im Anschluss zu Apfelkraut verarbeitet. Foto: Laura Beemelmanns
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Gemeinsam mit zwei weiteren Krautfabriken, die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen ansässig sind, deckt Spelten den gesamten Bedarf an Apfel-, Birnen- und Zuckerrübenkraut in Deutschland.
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Ein einziges Glas enthält sagenhafte 3,5 Kilogramm Äpfel.
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30 bis 40 Tonnen Äpfel pro Tag: In der Apfel- und Rübenkrautfabrik Spelten in Wegberg-Holtum geht die Saison los. Ab Mitte September werden die Äpfel geerntet, angeliefert und im Anschluss zu Apfelkraut verarbeitet. Foto: Laura Beemelmanns

Wegberg. Schon beim ersten Schritt auf das Gelände der Apfel- und Rübenkrautfabrik Spelten in Wegberg-Holtum steigt einem der betörende Duft von Hunderten frisch geernteten Äpfeln in die Nase.

Anstatt sie vom Baum zu pflücken und reinzubeißen, sie in einem Kuchen zu verarbeiten oder feines Mus daraus zuzubereiten, wird hier in erster Linie traditionell Apfelkraut hergestellt. Seit mehr als 100 Jahren.

Nur rund zwei bis drei Wochen nach dem meteorologischen Herbstanfang am 1. September sind tonnenweise Äpfel und Birnen aus allerhand Streuobstwiesen privater Gärten und Obstplantagen im Radius von rund 100 Kilometern rund um Wegberg reif für die Verarbeitung.

Gemeinsam mit zwei weiteren Krautfabriken, die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen ansässig sind, deckt Spelten den gesamten Bedarf an Apfel-, Birnen- und Zuckerrübenkraut in Deutschland. Allein in Wegberg-Holtum werden in der Hochsaison ab September bis Mitte November täglich bis zu 40 Tonnen Äpfel zu Kraut verarbeitet und dann vor Ort und in Hofläden der Region verkauft. Verwendet werden dabei nur Äpfel, Birnen und Zuckerrüben aus der Region, denn: Seit Anfang des Jahres sind Speltens Produkte mit dem Qualitätssiegel der EU ausgezeichnet. Das Siegel „geschützte geografische Angabe“ steht für Regionalität und geschützte Spezialitäten. Daher darf Spelten sein Produkt auch „Rheinisches Original“ nennen.

In diesem Jahr gibt es besonders viel zu tun, berichtet Bernd Spelten, Inhaber der gleichnamigen Krautfabrik. Denn dieses Jahr ist ein gutes Streuobst-Jahr. Auch wenn die Ernte rund eine Woche später begann als noch im Vorjahr, gibt es mehr Früchte. Das liegt zum einen an den Temperaturen und zum anderen daran, dass die Obstbäume nur alle zwei Jahre Früchte tragen. So ist jedes zweite Jahr ein besonders gutes. Wenn die Produktion losgeht, landen im Schnitt 3,5 Kilogramm Äpfel in einem 450-Gramm-Glas.

Mit und ohne Zucker

Dafür werden die Äpfel seit rund 100 Jahren im Familienbetrieb nahezu gleich bearbeitet: waschen, kochen, auspressen. Übrig bleibt danach der frisch gepresste Obstsaft, der bis zur gewünschten Konsistenz durch Wasserverdampfung eingedickt wird. Dann gibt es reines Apfelkraut. Und das schmeckt pur, aromatisch und wird von Spelten ohne Zusatz von Zucker angeboten. Mit im Sortiment ist aber auch das traditionelle Apfelkraut mit Zucker und ein wenig Birnenkraut.

Im Anschluss wird es in die Gläschen gefüllt. Fertig. Erledigt wird das von drei bis fünf Mitarbeitern in der Produktion. Andere Mitarbeiter holen das Obst zur Fabrik. Der gesamte Produktionsprozess ist schonend für die Früchte. Sie werden erst geerntet, wenn sie wirklich reif sind, und bei möglichst niedrigen Temperaturen weiterverarbeitet. Das Rezept hat sich dabei seit 100 Jahren kaum verändert. Aber die Technik hat Einzug gehalten in der Krautfabrik. „Früher war die Herstellung des Krauts harte körperliche Arbeit“, weiß Spelten. Das Obst musste mehrere Stunden lang gekocht und mit Hilfe einer Krautpresse von Hand ausgepresst werden. Der so gewonnene Saft wurde gesiebt und weiter eingekocht. Heute erledigen das Maschinen – sowohl für Äpfel und Birnen, als auch für die Zuckerrüben.

Nach der Apfel-Saison folgt die Zuckerrüben-Saison bis Anfang Februar. Ab dann werden bis Mai die Äpfel aus den Aussortierungen der Obstplantagen verarbeitet. Mit diesem Produkt beliefert er unter anderem die Industrie für die Weiterverarbeitung. Dort wird das Kraut ebenfalls weiterverarbeitet. Und so landet ein bisschen Spelten-Kraut auch im Supermarkt – ohne, dass es draufsteht. Das ist Bernd Spelten ganz recht, denn sein Kraut ist ein Exklusivprodukt. Es lebt von der besonderen Mischung aus privatem Streuobst und dem der Obstplantagen aus der Region, vom Mix der Sorten, dem alten Familienrezept und dem regionalen Vertrieb. Man kann es nur in ausgesuchten Hofläden beispielsweise in Aachen, Baesweiler, Linnich, oder aber im Töpfereimuseum Langerwehe kaufen.

Wie bei der Großmutter

Jeder Verkäufer hat dann die Möglichkeit, das Glas individuell zu gestalten. Das Töpfereimuseum schmückt es so, wie es schon früher bei den Großeltern im Schrank stand – mit einem Stück Stoff oben auf dem Deckel und einem schmucken Bändchen darum.

Neben dem Kraut bietet Spelten auch noch Apfelsaft und -cidre, Apfel- und Pflaumenmus oder Rapsöl an – alles aus der Region, alles nach alter Tradition. Und damit das auch so weitergeht, stehen Speltens Söhne bereits in den Startlöchern, um die Krautfabrik eines Tages nach Familientradition fortzuführen.

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