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Pumps-Räuber geht der Polizei ins Netz

Von: Juliane Albrecht, dpa
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Das Objekt der Begierde: Der gefasste Schuh-Fetischist hatte es vor allem auf hohe und halbhohe Damenschuhe abgesehen. Foto: Stock/Niehoff

Bonn/Köln. Frauen mit Stöckelschuhen können aufatmen: Der seit Tagen gesuchte Pumps-Räuber aus Troisdorf in Nordrhein-Westfalen ist gefasst und sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann steht unter Verdacht, zahlreichen Frauen in Bonn und wahrscheinlich auch im Kölner Raum auf offener Straße die Pumps von den Füßen gerissen zu haben.

Meist schlich er sich von hinten an, rempelte die Frauen um und verschwand dann mit seiner schicken Beute. Weil Fluchtgefahr des bereits teilweise geständigen 27-Jährigen bestehe, sei Haftbefehl gegen ihn ergangen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Neun Überfälle

Der Schuh-Fetischist war der Polizei bereits zweimal entwischt. Am Samstag schließlich ging er den auf die skurrile Raubserie angesetzten Ermittlern in Siegen ins Netz. Dort hatte er jemanden besuchen wollen - und seine Beschattung wohl nicht bemerkt. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Neun Überfälle auf Frauen mit hochhackigen Schuhen sollen auf das Konto des Mannes gehen.

Weil er zuletzt den Radius seiner Angriffe von Bonn auf Köln und Leverkusen ausgeweitet haben soll, richteten Kölner und Bonner Polizei eigens eine gemeinsame Fahndungsgruppe ein. Mit Blick auf mögliche psychische Erkrankungen wollte die Polizei keine weiteren Einzelheiten zu Geständnis und Motiv bekanntgeben.

Die betroffenen Frauen waren bis auf leichte Stürze und Schürfwunden meist mit einem Schrecken davon gekommen. Doch mit steigender Zahl der Übergriffe konnte die Polizei immer weniger schmunzeln: Das sei Raub und Körperverletzung, und „keine Lachnummer”, hieß es. Angefangen hatte die zunächst noch witzig anmutende Pumps-Nummer 2008 in Bonn, wo sechs derartige Fälle registriert wurden. Im Juni dieses Jahres schlug der Schuhräuber erneut in Bonn zu. Durch Zeugenaussagen konnte der 27-Jährige als mutmaßlicher Täter ausgemacht werden.

Über den Balkon

Bei einer Hausdurchsuchung in Troisdorf aber entwischte er über den Balkon. Als er später in seine Wohnung zurückkehren wollte, bemerkte er den dort postierten Polizisten und entkam ein zweites Mal.

Als sich dann in der vergangenen Woche zwei Frauen aus dem Gebiet Leverkusen/Köln wegen ihrer geraubten Absatzschuhe meldeten, war das Maß für die Ermittler endgültig voll: Nun wurde per Haftbefehl nach dem Mann gesucht.

Ein Psychologe vermutet eine „Sexualblockade” hinter dem Schuh-Fetisch des Mannes. „Das ist kein einfacher Jungenstreich.” In der Pubertät oder Kinderzeit sei das Sexualverhalten vermutlich blockiert worden. Deshalb habe er jetzt die Frauenschuhe als „sexuelle Auslöser” benutzt, meinte der Leiter der Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie, Professor Dirk Zimmer.
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