Aachen - Psychotherapieseminar: Wieviel Vertrauen darf es sein?

Psychotherapieseminar: Wieviel Vertrauen darf es sein?

Von: abt
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Aachen. Soviel war lange nicht mehr von Vertrauen - und Misstrauen - die Rede wie in diesen Krisenzeiten. Bei der Planung des 34. Westdeutschen Psychotherapieseminars werden die Veranstalter allerdings kaum geahnt haben, wie hochaktuell sein Thema sein würde.

„Vertrauen und Werte - Basis psychischer Gesundheit”. Von Freitag bis Sonntag halten dazu im Aachener Eurogress vier namhafte Wissenschaftler öffentliche, verständliche Vorträge aus verschiedenen Perspektiven.

Um entscheidende Begegnungen in der Biografie vieler Menschen geht es gleich im Eröffnungsvortrag, Freitag, 17 Uhr. Unter dem Titel „Vertrauen in den Grenzsituationen unseres Lebens” stellt Dominik Groß, Professor für Geschichte und Ethik der Medizin am Uniklinikum Aachen, drei Modelle vor, wie Arzt und Patient einander begegnen können.

Ob der Arzt also eher der vaterschaftliche Typus sein sollte, der für seine Patienten die Entscheidungen trifft, oder der informierte Patient sich dies vorbehalten will, oder die Entscheidung in partnerschaftlicher Weise getroffen werden sollten. Jedes Modell hat sein Für und Wider. Darüber kann auch ausreichend diskutiert werden.

Das gilt natürlich auch für die folgenden Vorträge. Am Samstag, 11 Uhr, spricht Professor Andreas Heinz, über „Neurobiologische Grundlagen von Vertrauen und Werten”. Der Direktor der Klinik für Psychiatrie an der Berliner Charit erläutert, inwieweit Bindungen, emotionale Bewertungen, Vertrauensbildung in ökonomischen Zusammenhängen (!), moralisches oder altruistisches Verhalten neurobiologisch begründet werden können.

Professor Andreas Kruse entwickelt dann ab 12.45 Uhr in seinem Vortrag über „Vertrauen des Menschen in eigene Kräfte”, wie wesentlich für jeden Menschen die Überzeugung ist, „die eigene körperlich-seelische, geistige und soziale Entwicklung durch Planungen, Entscheidungen und Handlungen positiv beeinflussen zu können”. Man darf sehr gespannt wie intensiv dieser so optimistische Ansatz des bekannten Heidelberger Gerontologen diskutiert wird angesichts einer soziökönomischen Lage, die gleichzeitig die Skepsis in die eigenen Möglichkeiten nahelegt - wie die Angewiesenheit auf das Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte.

Glaube und Vertrauen

Professor Wilfried Härle schließlich, gleichfalls Universität Heidelberg, fügt am Sonntag, 1. März, 11 Uhr, zum Abschluss des Seminars (auch) einen religiösen Aspekt hinzu. „Glaube als Vertrauen” heißt der Vortrag des wissenschaftlichen Theologen. Mit Blick auf die jüdisch-christliche Verkündung, aber auch auf die Entwicklungspsychologie fragte Härle: „Wie versteht Vertrauen? Welche Bedeutung aber auch welches Gefährdungspotential besitzt es für die menschliche Existenz?”

Das Westdeutsche Psychotherapieseminar wurde gegründet von Professor Waltraut Kruse, Allgemeinmedizinerin und ehemalige Aachener Bürgermeisterin, unter deren Obhut es auch bis heute betreut wird. Kollegial veranstaltet wird es außer von ihr mittlerweile von den Klinikums-Professoren Siegfried Gauggel, Beate Herpertz-Dahlmann, Henning Saß und Frank Schneider.

Karten für die vier öffentlichen Vorträge zum Preis von 15 Euro

Beim 34. Westdeutschen Psychotherapieseminar im Aachener Eurogress zum Thema „Vertrauen und Werte - Basis psychischer Gesundheit” sind vier Vorträge öffentlich.

Den Eröffnungsvortrag am Freitag, 27. Februar (Beginn 17 Uhr), hält Professor Dominik Groß, Aachen. Titel: „Vertrauen in den Grenzsituationen des Lebens”.

Am Samstag, 28. Februar, gibt es zwei Vorträge, ebenfalls mit Diskussion. Ab 11 Uhr referiert Professor Andreas Heinz, Berlin, über „Neurobiologische Grundlagen von Vertrauen und Werten”. Ab 12.45 Uhr spricht Professor Andreas Kruse, Heidelberg, über „Vertrauen des Menschen in eigene Kräfte - Überlegungen zur Entwicklung im Lebenslauf und zur Psychotherapie”.

Zum Abschluss am Sonntag, 1. März, hält Professor Wilfried Härle, Heidelberg, ab 11 Uhr einen Vortrag über „Glaube als Vertrauen”.

Karten für alle vier Vorträge zum Preis von 15 Euro (Schüler und Studenten 10 Euro) sind in allen Vorverkaufsstellen Ihrer Tageszeitung und an der Tageskasse erhältlich. Weitere Informationen auch unter 0241/5101-175.
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