Düsseldorf - Psychiater: „Prozesse-Dieter” kann nichts dafür

Psychiater: „Prozesse-Dieter” kann nichts dafür

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Prozesse-Dieter
Sie mussten sich von Rolf-Dieter K. verspotten, als „Vollidioten” und „gottverdammte Rechtsverdreher” bezeichnen lassen: Richter, Staatsanwälte, Justiz-Angestellte. Foto: dpa

Düsseldorf. „Prozesse-Dieter”, bundesweit bekannter Sozialhilfe-Empfänger aus Ratingen, darf möglicherweise bald straffrei Beamte und Juristen beleidigen. Ein Psychiater stufte den ehemaligen Sportlehrer als wahrscheinlich schuldunfähig ein. Er handele zwanghaft.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag einen Bericht der Zeitung „Express”. „Wir überlegen, das Gutachten durch eine zweite Expertise überprüfen zu lassen”, sagte Staatsanwalt Johannes Mocken. Sollte es allerdings bei dem Ergebnis bleiben, könnte „Prozesse-Dieter” sogar Entschädigung für das Jahr verlangen, das er hinter Gittern verbringen musste.

Außerdem käme der 72-Jährige um einen weiteren Prozess wegen 32 Beleidigungen herum. Da sein Verhalten keine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, könne der selbst ernannte „König der Kläger” wohl auch nicht in eine geschlossenen Anstalt eingewiesen werden. Deutschlands „Prozesshansel Nr. 1” hat der Justiz mit rund 230 Klagen bereits reichlich Arbeit beschert.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hatte erneut Anklage gegen den 72-Jährigen erhoben. 32 Mal soll er Richter, Sozialamtsmitarbeiter, Rechtspfleger und auch einen Bürgermeister beleidigt haben. Die Beleidigungen reichten von Titulierungen wie „Abschaum”, „Faschisten”, „Hunde-Rotte” bis „Doppel-Null”.

Wegen ähnlicher Beleidigungen hatte er zwölf Monate hinter Gittern verbracht. Das Amtsgericht in Ratingen hatte nach der erneuten Anklage zunächst das Problem, einen unbefangenen Richter zu finden, der noch keine Strafanzeige gegen den Mann gestellt hatte und noch nicht selbst von ihm beleidigt worden war.

Der „König der Kläger” hatte sich jahrelang mit Behörden und Justiz angelegt. Versagte ihm das Sozialamt seine Wünsche, zog er vor Gericht und wurde dabei regelmäßig ausfallend. Der ehemalige Sportlehrer hatte sich so unter anderem eine Klobürste und neue Unterhosen vom Sozialamt erstritten. Im Gerichtssaal war er mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Asozial ist geil” erschienen.
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