Prozessbeginn: Prostituierte erstochen

Von: Marc Pesch, dapd
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Der Angeklagte sitzt beim Prozessauftakt am Dienstag im Gerichtssaal des Düsseldorfer Landgerichts. Das Landgericht Düsseldorf befasst sich mit dem gewaltsamen Tod einer Prostituierten in einem Luxushotel. Dem 41-Jährigen wird vorgeworfen, die Prostituierte im Januar 2012 bei einem Streit mit 18 Messerstichen in der Hotelsuite getötet zu haben. Foto: dpa

Düsseldorf. Im Fall der mit 18 Messerstichen in einem Düsseldorfer Luxushotel getöteten Prostituierten zeichnet sich ein Indizienprozess ab. Zu Beginn der Hauptverhandlung vor dem Düsseldorfer Landgericht verweigerte der 41 Jahre alte Angeklagte die Aussage.

Sein Anwalt Andreas Kerkhof erklärte, sein Mandant werde derzeit „vollständig schweigen”. Nach seiner Festnahme hatte der Verdächtige erklärt, ein Mann habe die 25-jährige Rumänin im Mafia-Auftrag umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft will den Geschäftsmann aus Dormagen nun anhand von Zeugenaussagen und Indizien überführen. Die Anklage lautet auf Totschlag. Sie geht davon aus, dass sich der 41-Jährige in die Prostituierte verliebt hatte. Er soll ihr versprochen haben, sie aus dem Rotlichtmilieu herauszuholen, um mit ihr ein neues Leben zu beginnen. Unter anderem soll er ihr bis zu einer halben Million Euro zugesagt haben. Da er so viel Geld in Wirklichkeit gar nicht hatte, soll es in der Tatnacht im Januar dieses Jahres in einer Suite des Hotels zum tödlichen Streit gekommen sein.

Ein Zimmermädchen hatte die Tote Stunden nach dem Verbrechen im Badezimmer gefunden. Sowohl im Bad als auch im Schlafzimmer und im Wohnzimmer der Suite stellte die Polizei eine Menge Blutspuren sicher. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass die Frau mit dem Angreifer um ihr Leben kämpfte. Doch der Täter war stärker. Sie sei verblutet, sagte ein Rechtsmediziner in dem Prozess.

Der Mord im Luxushotel hatte Anfang des Jahres bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der beim Escort-Service registrierte Freier war in die Türkei geflüchtet. Von hier aus hatte er die Presse mit E-Mails versorgt und das Tötungsdelikt bestritten. Später kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich hier widerstandslos festnehmen.

Als Zeuge vernahm das Gericht am Dienstag einen Rechtsanwalt, der unmittelbar nach der Tat zunächst die Verteidigung des Angeklagten übernommen hatte. Der Jurist erklärte, der 41-Jährige habe ihm per E-Mail mitgeteilt, dass er die Tat nicht begangen habe. Ein „unbekannter Dritter” sei für den Mord verantwortlich. Mit dem Angeklagten war der Anwalt nach eigenen Angaben in der Vergangenheit befreundet gewesen, er habe ihm auch einmal Geld geliehen, damit er das spätere Opfer zum Essen einladen konnte.

Am Mittwoch (17. Juli) sollen im Prozess die nächsten Zeugen gehört werden. Es handelt sich dabei unter anderen um eine Bordellbetreiberin und mehrere Prostituierte.

Für das Verfahren hat das Landgericht Düsseldorf rund 20 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll erst im September verkündet werden.
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