Prozessbeginn: Pflegeeltern sollen Anna brutal misshandelt haben

Von: Markus Peters, dapd
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Bonn. Die neunjährige Anna hat bei ihren Pflegeeltern Schreckliches erlitten, davon jedenfalls ist die Bonner Staatsanwaltschaft überzeugt.

Am 22. Juli vergangenen Jahres starb Anna in einer Kinderklinik, nachdem sie laut Anklageschrift in der Badewanne ihrer Pflegefamilie gewaltsam unter Wasser gedrückt wurde.

Ab Montag (24. Januar, 9 Uhr) müssen sich deshalb die 51 und 52 Jahre alten Pflegeeltern unter anderem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in 55 Fällen sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Pflegevater hat Taten zugegeben

Anna war im Juli 2008 vom Jugendamt der Stadt Königswinter bei den Pflegeeltern in Bad Honnef bei Bonn untergebracht worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Kind dort seit spätestens August 2009 auf das Übelste misshandelt wurde. Dabei seien die meisten Übergriffe von der heute 52-jährigen Pflegemutter begangen worden.

In 20 Fällen war Anna für längere Zeit unter Wasser getaucht worden, wobei sie teilweise gefesselt war. Diese, wie auch die anderen Taten habe der Pflegevater in vollem Umfang zugegeben, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Die Pflegemutter stritt die Vorwürfe hingegen weitgehend ab.

Sie soll Anna auch am 22. Juli vergangenen Jahres in der Badewanne untergetaucht haben. Der Pflegevater schritt nach eigener Aussage erst ein, als das Kind bereits im Gesicht blau anlief. Das Mädchen wurde bewusstlos in eine Kinderklinik eingeliefert, wo es kurz darauf starb. Schon auf dem Weg in die Klinik waren dem Notarzt Verletzungsspuren am Körper des Kindes aufgefallen, so dass er die Polizei einschaltete.

Für die Justizbehörde ist der Befund klar: „Die Pflegeeltern haben Anna gequält und roh misshandelt, was letztlich zum Tod des Kindes geführt hat.”

Die Obduktion ergab, dass das Mädchen in der Badewanne ertrunken war. Die Pflegemutter hatte zunächst von einem Unfall gesprochen. Die zahlreichen Blutergüsse an Annas Körper erklärte sie mit der angeblichen Neigung des Kindes, sich bewusst selbst wehzutun.

Ärztliche Atteste über Annas Verhaltensstörungen waren offenbar falsch. So verfügten die Pflegeeltern über ärztliche Atteste, die bescheinigten, dass sich Anna selbst verletzte und an einer Wasserphobie litt. Diese Atteste waren aber offenbar unzutreffend. Die Staatsanwaltschaft leitete zunächst Ermittlungsverfahren gegen die beiden Ärztinnen ein, die diese Atteste ausgestellt hatten.

Inzwischen wurden diese Ermittlungen aber wieder eingestellt: „Eine strafrechtliche Relevanz ist nur gegeben, wenn diese falschen Bescheinigungen wider besseres Wissen ausgestellt wurden. Dafür gibt es aber keine Hinweise”, erläuterte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Allerdings wurden die Ermittlungsunterlagen an die Kassenärztliche Vereinigung weitergeleitet. Sie kann die beiden Medizinerinnen standesrechtlich belangen: „Dabei wird geprüft, ob beim Ausstellen der Atteste die ärztlichen Vorschriften eingehalten wurden.”

Bei den Ermittlungen wurde auch der Tod des leiblichen Sohnes der beiden Angeklagten neu untersucht. Der geistig behinderte junge Mann war vor sieben Jahren im Alter von 25 Jahren gestorben. Eine Obduktion hatte aber keine Anhaltspunkte für eine Straftat ergeben.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat die Schwurgerichtskammer für den Prozess um Annas Tod zunächst neun Verhandlungstermine angesetzt, mit einem Urteil wird für den 28. Februar gerechnet. Im Falle einer Verurteilung drohen den Pflegeeltern Freiheitsstrafen von einem bis zu 15 Jahren.
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