alemannia logo frei Teaser Freisteller

Prozessauftakt: Junge Ärztin soll Ehemann getötet haben

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ärztin Prozess
Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Am Mittwoch begann der Prozess vor dem Landgericht Aachen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Am Mittwoch begann der Prozess vor dem Landgericht Aachen.

Der Vater sei nach seinem Wissen gar nicht so vermögend gewesen, wundert sich der Sohn (62) des mutmaßlich von seiner jungen Ehefrau ermordeten 85-Jährigen aus Aachen, ihm fehlen Erklärungen für die Motivlage.

Der Sohn ist eines von vier Kindern des Opfers, er tritt als Nebenkläger in dem Mordprozess gegen die Assistenzärztin und Stiefmutter (35) auf. „Ich sehe sie zum ersten Mal”, sagt er und erläutert, 20 Jahre habe er nichts mit dem Vater zu tun gehabt. Erst als die heutige Angeklagte ihn im Frühjahr telefonisch vom Tod des Vaters unterrichtete, habe er überhaupt von ihrer Existenz erfahren.

Gespannt hatte man in Aachen auf den Prozessbeginn gewartet. Kurz nach neun Uhr eröffnete der Vorsitzende Richter Dr. Gerd Nohl die Verhandlung, stellte die Personalien fest. Die Angeklagte wird von dem durch den Kachelmann-Prozess bekannten Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock und einen Aachener Anwalt vertreten.

Am Morgen wurde nur die Anklagschrift verlesen. Laut Staatsanwältin Claudia Schetter soll die seit dem 16. Februar dieses Jahr am Ulmer Klinikum als Anästhesistin tätige Ärztin in der Nacht zum 19. Februar diesen Jahres, mit einer Spritze dem pflegebedürftigen Gatten „eine Dosis Morphin” verabreicht haben. Das habe sie deshalb getan, weil sie seit 2010 eine Beziehung zu einem anderen Mann im Süddeutschen unterhalte, auch dieser Mann ist wesentlich älter, es sind aber keine 50, sondern 30 Jahre.

Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass das Opfer am 14. Februar von der Liaison erfuhr und seiner Ehefrau, sie lebten seit 2001 zusammen und waren seit Februar 2010 verheiratet, den Kontozugang sperrte sowie mit einer Enterbung drohte, falls sie die Beziehung zu dem anderen nicht einstelle.

Sie habe am 16. Februar ihre neue Stelle in Ulm angetreten, zuvor hatte sie als Anästhesistin an der Aachener Uniklinik gearbeitet. „Als Alleinerbin fürchtete sie weitere Einbußen”, heißt es in der Anklage, sie habe ihren Mann „aus Habgier, heimtückisch und aus niederen Beweggründen” getötet. Die Staatsanwaltschaft beantragte bereits in diesem frühen Stadium des Prozesses „die besonders schwere Schuld” der Angeklagten festzustellen, ein juristischer Begriff, der dazu dient, dass ein mögliches Mordurteil, das auf lebenslang lauten muss, nicht bereits nach 15 Jahren Haft überprüft werden kann.

Festgenommen wurde die Ärztin erst am 21. Juli 2011. Warum das so war, wird erst die auf neun Tage angesetzte Hauptverhandlung klären. Der nächste Prozesstag ist der kommende Montag (12. Dezember, 9 Uhr). Hier wird der Sohn und Nebenkläger im Zeugenstand aussagen. Bislang schweigt die Ärztin, die erst nach dem Tod ihres Mannes die Promotion fertigschrieb. Er war es auch, der ihr seit 2003 das Studium finanzierte. Der 85-Jährige hatte vormals in Aachen zwei Lebensmittelgeschäfte, für die Familie galt er eher als weniger vermögend. Dennoch ist von einem Nachlass in Höhe von rund 100.000 Euro die Rede.

Anwalt Birkenstock sagte zur Verhandlungsstrategie: „Wir haben hier eine schweigende Angeklagte, auch mir gegenüber. Nach unseren Gesetzen ist ihr Recht zu schweigen umfassend. Deshalb wäre jeder Kommentar von mir zum Verfahren ein Eingriff in ihr Schweigerecht.”

Wie lange Birkenstock nicht eingreifen wird, hängt vom Verlauf der Beweisaufnahme ab, die Kammer gilt als äußerst erfahren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert