Bonn - Prozess um den Tod der kleinen Anna wieder aufgenommen

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Prozess um den Tod der kleinen Anna wieder aufgenommen

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Prozess gegen Pflegeeltern von Anna
Die Angeklagte Petra W. und Anwalt Christian Breuer sitzen im Landgericht in Bonn vor Beginn ihres Prozesses im Gerichtssaal. Der Prozess gegen die Pflegeeltern der gewaltsam zu Tode gekommenen neunjährigen Anna wird neu aufgerollt. Das Mädchen soll an ihrem Todestag im Juli 2010 mehrere Minuten in der Badewanne unter Wasser gedrückt worden sein. Der erste Prozess war Ende Februar auf Antrag der Verteidigung der Pflegemutter ausgesetzt worden. Foto: dpa

Bonn. Vor dem Bonner Landgericht hat der Prozess um den Tod der neunjährigen Anna wieder begonnen. Angeklagt sind die Pflegeeltern aus Bad Honnef. Anna soll an ihrem Todestag im Juli 2010 mehrere Minuten in der Badewanne unter Wasser gedrückt worden sein.

Laut Anklage wurde das Kind von den Pflegeeltern in mindestens 55 Fällen gequält und misshandelt. Die letzte Misshandlung hatte den Tod verursacht. Der 52-jährigen Pflegemutter wird nun in einer Neuauflage des Prozesses vorgeworfen, das Kind vorsätzlich getötet zu haben. Mit der verschärften Beschuldigung droht ihr eine lange Freiheitsstrafe.

Das erste Gerichtsverfahren war Ende Februar auf Antrag der Verteidigung der Pflegemutter ausgesetzt worden. Der Grund dafür war, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage nachträglich hatte verschärfen wollen. Angeklagt sind beide Pflegeeltern. Ursprünglich lautete die Anklage auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Bei dem Pflegevater blieb es unverändert bei der vorherigen Anklage. Der Haftbefehl gegen seine Ehefrau wurde nach Erklärungen des Vorsitzenden Richters der Bonner Schwurgerichtskammer, Josef Janssen, aber neu auf Totschlag verschärft: „Sie fasste den Entschluss, Anna zu töten.” Es gebe daher den dringenden Tatverdacht, dass sie in Tötungsabsicht gehandelt habe.

Anna war von ihren Pflegeeltern immer wieder misshandelt und gequält worden. Das Kind lebte seit zwei Jahren dort. Ihre Mutter war alkoholkrank, der Vater war verstorben. Der Pflegevater wiederholte vor Gericht seine schweren und detaillierten Anschuldigungen gegen seine Ehefrau. Er gab auch eine Teilschuld an den verschiedenen Taten zu. Die Pflegemutter schwieg - wie bereits im ersten Prozess - zu allen Vorwürfen. Die ehemalige Englisch-Übersetzerin, die auch als Tagesmutter eine Reihe von Kindern aus der Nachbarschaft betreute, folgte den Vorwürfen und Darstellungen ohne erkennbare Regungen.

Auch das Jugendamt Königswinter, das Anna an die Pflegefamilie vermittelt hatte, geriet in die Kritik. Gegen das Amt ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Es soll auf mehrfache Hinweise zu möglichen Misshandlungen nicht reagiert haben. Nachbarn erklärten, sie hätten wiederholt das Jugendamt angerufen, wenn sie Kinderschreie aus der Wohnung gehört hätten. Der Pflegevater will nach eigenen Angaben darum gebeten haben, das Kind anderswo unterzubringen.

Der Prozess wird am Donnerstag (5. Mai) fortgesetzt. Das Urteil soll am 14. Juli gesprochen werden.

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