Prozess: Bauunternehmer zahlt Hungerlöhne

Von: dpa
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Bonn. Ein Bauunternehmer aus Siegburg soll zahlreiche Arbeiter aus Osteuropa angeheuert und sie für Hungerlöhne bundesweit auf seinen Großbaustellen beschäftigt haben. Seit Mittwoch muss sich der 58-jährige Familienvater vor der Bonner Wirtschaftskammer verantworten.

Die Anklage wirft dem mittlerweile insolventen Mann vor, Arbeitslöhne veruntreut, Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen, aber auch Lohnsteuer und Solidarbeitrags-Zuschlag nicht abgeführt zu haben. Der Gesamtschaden beträgt nach Angaben der Ermittler knapp vier Millionen Euro.

Der Fall war im Jahr 2006 bei einer Razzia der Zollfahnder auf einer der Großbaustellen des Angeklagten in Köln aufgeflogen. Zahlreiche Arbeiter - vor allem aus Polen und Rumänien - sollen in ihrer Heimat mit falschen Versprechungen für die Baustellen angeheuert worden sein. Festanstellungen mit einem Stundenlohn bis zu 7,50 Euro sowie die Übernahme der Sozialabgaben seien ihnen zugesagt worden, heißt es in der Anklage. Tatsächlich soll es ein Handgeld von 200 Euro gegeben haben. Für eine Unterkunft in runtergekommenen Containern mussten die Arbeiter noch zahlen.

Insgesamt soll es 600 Geschädigte gegeben haben. Um das Mammutverfahren, für das die Staatsanwaltschaft Bonn fast drei Jahre ermittelt hat, nicht ausufern zu lassen, wurden nur 106 Geschädigte als Grundlage für die Anklage aufgelistet. Angeklagt sind ebenfalls der 33-jährige Sohn des Bauunternehmers und drei weitere Mitarbeiter der Firma. Ihnen wird Beihilfe vorgeworfen.

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