Aachen - Priesterdaten für Kriminologen

CHIO-Header

Priesterdaten für Kriminologen

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Soll das Archivrechercheteam b
Soll das Archivrechercheteam bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen für das Kriminologische Institut Niedersachsen leiten: der Generalvikar des Aachener Bistums, Manfred von Holtum. Foto: Robert Esser

Aachen. Kaum ist Generalvikar Manfred von Holtum zurück aus dem Urlaub, hagelt es Negativ-Schlagzeilen aus dem Bistum Aachen. Wofür weniger von Holtum als Chefsanierer im Schatten des Doms als vielmehr der Herzogenrather Pfarrer Guido Rodheudt mit seinem konservativen „Netzwerk katholischer Priester” verantwortlich zeichnet.

In einer Stellungnahme hatte das Netzwerk am Wochenende scharfe Kritik an der Deutschen Bischofskonferenz geübt, die dem Kriminologischen Forschungsinstitut (KFN) zur Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche weitgehende Einsicht in bis zu 100.000 Personalakten gewähren möchte (wir berichteten). Rodheudt hält dies für einen datenschutzrechtlichen Skandal und forderte die Bischofskonferenz auf, die Untersuchung abzublasen.

82.000 Euro für 15 Opfer

Von Holtum ließ am Montag mitteilen, dass dem Bistum Aachen - abgesehen von Rodheudt - kein einziger Priester bekannt sei, der Einwände gegen die Einsichtnahme in vertrauliche Personalakten vorgebracht hätte. Außerdem sei das genaue Prozedere der Akteneinsicht noch nicht bekannt. Unklar sei auch, ob die Aachener Personalakten überhaupt noch dieses Jahr umfassend von den Kriminologen analysiert werden sollen. In welcher Reihenfolge und in welcher Intensität die 27 Bistümer vom KFN unter die Lupe genommen werden, will die Bischofskonferenz nach Angaben von Holtums erst Ende August mitteilen. Aus dem KFN in Hannover hieß es, man nehme die Datenschutz-Sorgen durchaus ernst. Die mit dem Projekt betraute Psychologin Lena Stadler erklärte, man werde noch im Laufe der Woche das Datenschutzkonzept gemeinsam mit der Kirche detailliert erläutern.

Fest steht bislang, dass die Personalakten zunächst von einem „örtlichen bistumsinternen Archivrechercheteam” gesichtet werden sollen, das vom Generalvikar persönlich geleitet wird. Ihm gehört ein externer, eigens geschulter Jurist an, der vom KFN beauftragt wird. Ferner soll das KFN kein direkter Akteneinblick gewährt werden. Fragen sollen in Erhebungsbögen beantwortet werden, keine Akten werden nach außen weitergegeben. Die sogenannten Aktenanalysebögen sollen anonymisiert und codiert ohne Namen und Wohnorte an das KFN geleitet werden. Mindestens 300 aktuelle Personalakten von Priestern aus dem Bistum Aachen kämen für die wissenschaftliche Untersuchung in Frage.

Zwischen 1953 und 2003 wurden nach Angaben des Generalvikariats sieben Priester aus dem Bistum Aachen wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen strafrechtlich verfolgt. Die Verfahren endeten mit Verurteilungen oder Strafbefehlen. Es gab zudem etliche weitere Verdachtsfälle. Das Bistum zahlte 82.000 Euro finanzielle Entschädigung an 15 Opfer. Insgesamt hatten sich 65 Missbrauchsopfer im Aachener Generalvikariat gemeldet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert