Hennef/Aachen - Preise für Äcker und Weiden steigen in NRW kräftig an

Preise für Äcker und Weiden steigen in NRW kräftig an

Von: Wolfgang Dahlmanns und Christina Diels
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HANDOUT - Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Schmitz (undatiert). Bauern können die Landpreise in Teilen von Nordrhein-Westfalen kaum noch bezahlen. Agrarfremde Kapitalanleger und Biogasanlagen lassen die Kauf- und Pachtpreise in einigen Regionen in die Höhe schnellen, wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Schmitz, der Nachrichtenagentur dpa sagte. Foto: Schmitz/dpa (zu dpa-Gespräch vom 26.02.2013, ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Hennef/Aachen. Bauern können die Landpreise in Teilen von Nordrhein-Westfalen kaum noch bezahlen. Agrarfremde Kapitalanleger und Biogasanlagen lassen die Kauf- und Pachtpreise in einigen Regionen in die Höhe schnellen, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Schmitz.

 „Die Pachten liegen im Westmünsterland bereits zehnmal so hoch wie im Süden von NRW“, erläutert Schmitz, der Biomilcherzeuger in Hennef bei Bonn ist. „Die Preise können Milchviehbauern nicht mehr bezahlen.“

Schuld hat nach Ansicht des Landesvorsitzenden der AbL Nordrhein-Westfalen die Orientierung der Preise für Weizen, Mais und Raps an den Energiepreisen. Im Westmünsterland werden vor allem Pflanzen für Biogasanlagen angebaut. Da könnten nur noch Bauern, die Sonderkulturen wie Erdbeeren, Spargel oder Kartoffeln anbauen, mithalten. Während in der Eifel für schlechtere kleine landwirtschaftliche Grundstücke 150 Euro Pacht je Hektar gezahlt würden, müsse man im Bereich von Biogasanlagen 1200 Euro und mehr berappen, sagte Schmitz. Die AbL fordert deshalb von der EU, Zahlungen beim Anbau von Silomais in Monokulturen zu kürzen.

Vom Gesetzgeber verlangen die Bauern, agrarfremden Anlegern den Grundstückserwerb zu erschweren. Bislang haben Bauern nur ein Vorkaufsrecht bei Flächen, die größer sind als zwei Hektar. Dieser Schwellenwert müsse auf ein Hektar gesenkt werden. „Die Kaufinteressen von Anlegern haben sich allein in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt.“ Inzwischen handele es sich weniger um Spekulanten als um Menschen, die ihr Geld sicher anlegen wollten. Das treibe aber auch die Pachtpreise nach oben.

Während die hohen Bodenpreise den Bauern im Norden des Landes schon jetzt den Zukauf oder die Pacht erschweren, geraten nun auch Landwirte im Süden immer mehr unter Druck. Der von den Bauern empfundene Wachstumszwang drückt auch hier in guten Grünlandstandorten die Pachtpreise nach oben. Dabei nehmen die Betriebe sogar weite Anfahrtsstrecken in Kauf und verdrängen bisherige Pächter bei Neuverhandlungen.

Pacht-Haie kontra Landwirte

So genannte Pacht-Haie überbieten oftmals die bisherigen Pächter, was diese wiederum unter Zugzwang bringt mitzubieten, um nicht mit den Flächen die wirtschaftliche Existenzgrundlage für ihre Betriebe zu verlieren. Es kommen so Bodenpreise zustande, die über die Einkommen aus der Landwirtschaft selbst nicht mehr zu erwirtschaften sind. „Dies ist eine absolut ungesunde Entwicklung innerhalb der Landwirtschaft, weil die Wertschöpfung den Betrieben verloren geht. Pachtwillige Bauern sollten bedenken, dass sie nicht nur die eigene, sondern auch die Liquidität aller anderen Betriebe durch diese Preistreiberei gefährden“, sagt Schmitz.

Jürgen Fischöder, Vorsitzender de Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Düren, bestätigt den landesweiten Trend für seine Region. „Nach unserer Beobachtung sind die Bodenpreise im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das kommt aber natürlich drauf an, in welchen Lagen und von welchen Bodengüten man spricht. Im Groben kann man sagen, dass die zuckerrübenfähigen Boden zwischen 20 bis 30 Cent pro Quadratmeter gestiegen sind“, sagt Fischöder.

Auch im Kreis Heinsberg sind die Bodenpreise für landwirtschaftliche Flächen gestiegen. Das bestätigt Claus-Peter Knaut. Er ist hier der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückwerte. „Die durchschnittliche Steigerung liegt bei zehn Prozent im Kreisgebiet“, sagt Knaut. Das habe man bei der Bodenrichtwertssitzung Ende Januar festgestellt. Als Ursachen nennt er die zunehmende Größe und damit kleinere Anzahl an Hofstellen einerseits und andererseits die stabile Geldanlage.

Für die Städteregion Aachen kann Paul Harzon den NRW-Trend nur zum Teil bestätigen. „Die Eifel zieht an“, sagt der Geschäftsführer des Gutachterausschusses für die Städteregion Aachen. Im Eifelgebiet seien die Preise zum Teil von 60 auf 80 Cent gestiegen beziehungsweise in Roetgen von 1,80 auf zwei Euro. „Der Aachener Nordkreis mit seinen Ackerböden dagegen bliebt stabil“, sagt Harzon. Wenn, seien es nur kleinere Steigerungen von 4,60 Euro pro Quadratmeter auf 4,80 Euro. „Das liegt aber daran, dass wir dort eh schon hohe Werte haben im Vergleich zu anderen Gebieten in NRW.“

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