Pinkpop: Ein apokalyptisches Szenario für Metallica

Von: Jan Mönch
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Metallica Pinkpop
Metallica überzeugte mit alten Stücken beim Pinkpop 2014 in Landgraaf. Foto: © Hub Dautzenberg

Landgraaf. Diese Spezialeffekte kann sich keine Band der Welt kaufen. Eine Dreiviertelstunde, bevor die große Metallica-Show beginnen und das 45. Pinkpop-Festival enden soll, türmt sich eine tiefschwarze Wolkenwand am Horizont auf. Der aufziehende Wind peitscht den über das Wochenende angesammelten Müll übers Gelände und perfektioniert das apokalyptische Szenario an diesem Pfingstmontag.

Und dann geht sintflutartig der Regen nieder. "Ride the Lightning" - Reite den Blitz - heißt ein Stück, dass Metallica später spielen werden. Die Rahmenbedingungen könnten besser nicht passen. Sie sorgen allerdings auch dafür, dass das amerikanische Metal-Flaggschiff mit anderthalb Stunden Verspätung anlegt.

Außerdem hat das Unwetter topografische Veränderungen nach sich gezogen. Halbrechts vor der Bühne befindet sich nun ein kleiner See. Die Stimmung unter den bis auf die Knochen durchnässten Festivalbesuchern ist dafür ausgelassen und mit „Jetzt ist uns alles egal“ am besten beschrieben.

Die letzten Blitze zucken noch über den grün flimmernden Horizont, als James Hetfield, Lars Ulrich, Rob Trujillo und Kirk Hammett die Bühne betreten und sich erst mal durch ihr Frühwerk bolzen: „Battery“, „Master of Puppets“ und „Welcome home (Sanitarium)“, alle drei vom 86er-Meisterwerk „Master of Puppets“, bilden den brachialen Einstieg in ein Konzert, das bis nach Mitternacht dauern soll und einen Schlussstrich unter das Pinkpop zieht.

Veranstalter Jan Smeets, so viel ist sicher, wird sich noch auf Jahre an dieser spektakulären 45. Auflage messen lassen müssen. Anders als in Landgraaf gewöhnt, läuft der gesamte Montag auf der Hauptbühne sehr metallhaltig ab - was wohl auch mit Blick auf die Besitzer von Tagestickets sinnvoll ist. Vor Metallica wüten unter anderem Mastodon, Rob Zombie und - bei trommelfellberstender Lautstärke - Avenged Sevenfold. Jeder von ihnen ist auf die eine oder andere Weise von Metallica beeinflusst.

Als Metallica Anfang der Achtziger loslegten, revolutionierten sie gemeinsam mit den Landsleuten von Slayer ein ganzes Genre. Es waren blutjunge Kerle mit gewaltiger Wut im Bauch, die 1983 auf dem sinnig betitelten Debüt-Album "Kill =B4em all" kanalisiert wurde. Das Plattencover zeigte nicht mehr als einen Hammer in einer Blutlache. Während Slayer bis Mitte der Achtziger immer neue Tempo- und Härterekorde aufstellten, entwickelten Metallica einen filigraneren Sound, der in dem bis heute abgöttisch geliebten „Master of Puppets“ seine Vollendung fand. Kommerziell hingegen war noch Luft nach oben: Nach „...and Justice for all“ schafften die Kalifornier mit dem sogenannten schwarzen Album 1990 den Schritt in die musikalische Champions League.

Seitdem allerdings zählen Metallica zu jenen alten Helden, denen der Makel anhängt, es nie wieder geschafft zu haben, aus dem eigenen Schatten herauszutreten und an die Glanztaten der Vergangenheit anzuknüpfen. Dies zeigt sich auch am Set auf dem Pinkpop. Die Auswahl wurde nämlich nicht von der Band selbst getroffen, sondern von den Fans, die online darüber abstimmen konnten, was gespielt wird. Und die Schlagseite lag - von dem nagelneuen Stück „Lords of Summer“ und einer einzigen weiteren Ausnahme („Fuel“, 1997) abgesehen - ganz klar auf den Jahren bis 1990.

Neben „Master of Puppets“ wird vor allen Dingen dem Zweitwerk „Ride the Lightning“ sowie dem schwarzen Album ausgiebig Tribut gezollt. Stücke wie „For whom the Bell tolls“, „Enter Sandman“ und „Sad but true“ walzen aus den Boxentürmen, dass es eine Wonne ist. Balladesk geht es hingegen bei den Pflichtnummern „The Unforgiven“ und „Nothing else matters“ zu.

Trotz des allmählichen Abstiegs von stilprägenden Ikonen ins musikalische Mittelmaß konnten sich Metallica der medialen Aufmerksamkeit stets sicher sein. Kontroversen waren dafür ebenso ein Grund wie teils bizarre Marketing-Ideen. Der Alkoholiker James Hetfield feierte sich für seinen Entzug kurz nach der Jahrtausendwende in dem Dokumentarfilm „Some Kind of Monster“, vergangenes Jahr trat die Band in der Antarktis auf. Eine Aktion, an deren tieferem Sinn durchaus gezweifelt werden darf.

Vor wenigen Wochen erst wehte ein Shitstorm in Richtung Metallica durchs Netz. Die Ursache: James Hetfields (seit vielen Jahren bekannte) Vorliebe für die Bärenjagd. Eine ausgezeichnete Live-Band sind Metallica trotz allem stets geblieben. Als Zugaben werden zunächst „Fuel“ und „Creeping Death“ gespielt. Mit „Seek and destroy“ vom Debütalbum gehen Metallica schließlich noch mal ganz weit in die Vergangenheit, dahin, wo sie vor langer Zeit einmal angefangen haben.

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