Bonn - Pflegeeltern angeklagt: Anna auf das Übelste gequält

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Pflegeeltern angeklagt: Anna auf das Übelste gequält

Von: dpa
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Bonn. Die neunjährige Anna aus Bad Honnef hat vor ihrem Tod monatelange grausige Quälereien der Pflegeeltern ertragen müssen. Das Kind wurde gefesselt in die Wanne gelegt und untergetaucht.

Immer wieder wurde sie - wenn sie nach Ansicht der Pflegeeltern etwas falsch gemacht hatte - mit spitzen Gegenständen wie Kugelscheibern, Nagelfeilen oder Nadeln in die Oberarme gestochen. Zuweilen zwang das Paar sie, ihren eigenen Kot zu essen. Diese entsetzlichen Details nannte am Freitag die Staatsanwaltschaft Bonn. Sie erhob Anklage gegen die Pflegeeltern wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die beiden seien hinreichend verdächtig, Anna in mindestens 55 Fällen gequält und roh misshandelt zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Robin Faßbender. Anna war am 22. Juli gestorben. Ihr Körper war von Hämatomen übersät. Seit Juli 2008 lebte Anna bei den Pflegeeltern in Bad Honnef. Spätestens im August 2009 hatten nach den Erkenntnissen der Ermittler die Qualen für das Kind begonnen. Den Eltern drohen bei einer Verurteilung zwischen drei und 15 Jahren Gefängnis.

Am 22. Juli sollte Anna baden. Dagegen sträubte sie sich. Das lag aber nach den Worten von Faßbender nicht daran, dass sie eine Wasserphobie hatte, wie die Pflegeeltern später behaupteten. Anna hatte Angst, das Baden stellte eine Straf- und Erziehungsmaßnahme dar.

Das Kind wurde an Armen und Beinen mit Klebeband gefesselt, auch der Mund wurde verklebt. In der halbvollen Wanne wurden die Fesseln dann zum Teil gelöst. Als Anna schrie, drückte die Pflegemutter ihren Kopf unter Wasser. Erst als sich das Gesicht blau verfärbte, schritt der Pflegevater ein, aber da war Anna schon bewusstlos.

Der Pflegevater hat in vollem Umfang gestanden. Die Pflegemutter streitet die Misshandlungen weitestgehend ab. „15 Mal hat sie beim Baden aus Angst in das Wasser gekotet”, berichtet Faßbender. Die Pflegemutter habe sie dann gezwungen, den Kot zu essen.

Es gibt auch einen siebenjährigen Jungen und dessen Mutter, die gesehen haben, wie das Mädchen bei anderer Gelegenheit unter Wasser gedrückt wurde, bis das Gesicht blau anlief. Gegen sie läuft ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung. Ermittlungen stellt die zuständige Staatsanwaltschaft auch gegen zwei Ärzte an.

Sie hatten Atteste geschrieben, wonach Anna an autoaggressivem Verhalten leide und sich selbst Verletzungen beibringe. Das Kind sei von den Medizinern nicht untersucht worden, sagte Faßbender. Die Pflegemutter habe gut geschauspielert und als besorgte Erziehungsberechtigte das Verhalten geschildert. Ermittlungen dauern auch an gegen das für Anna zuständige Jugendamt der Stadt Königswinter.

Annas leibliche Mutter gab sich in einer Erklärung an den Westdeutschen Rundfunk entsetzt über das Schicksal ihrer Tochter. Sie habe aus Krankheitsgründen das Kind in Pflege gegeben und gehofft, dass es ihm dort bessergehen werde.

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