Aachen - Pfarrer Schornstein: Einer, der am liebsten ansprechbar ist

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Pfarrer Schornstein: Einer, der am liebsten ansprechbar ist

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Das Café Extrablatt am Aachener Markt: Während der Heiligtumsfahrt sitzt Pfarrer Hans-Georg Schornstein jeden Tag dort und ist ansprechbar. Es mag unglaublich klingen, aber: Das Angebot wird angenommen, Schornstein hat in dieser Woche mit vielen über Gott und die Welt gesprochen – oder über ganz etwas anderes. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Einmal kam eine Frau vorbei, die mal ihre Geschichte mit dem Ring erzählen wollte, die mit dem Ehering ihres Vaters. Der Vater war im Krieg geblieben, gefallen 1942 in Russland. Anfang des Jahres kam ein Brief, darin der Ehering des Vaters, gefunden von der Kriegsgräberfürsorge, die Frau fiel aus allen Wolken.

Das wollte sie einfach mal erzählt haben. Andere kommen und sprechen über Schicksalsschläge, andere wollen sich nur ein bisschen unterhalten, und wieder andere haben Fragen zu diesem und zu jenem. Wer auch immer mit welchem Thema kommt, Hans-Georg Schornstein sitzt da und hört zu. Er ist ansprechbar.

Kumpel, Kummerkasten, Therapeut

Während der Heiligtumsfahrt sind ja viele Menschen in Aachen unterwegs, die, wenn nicht religiös, dann zumindest spirituell empfänglich sind. Und da sich die Kirche stärker als früher um ihre Kundschaft bemühen muss, sitzt Pfarrer Schornstein da und ist ansprechbar, so steht es auf dem Schild über seinem Stuhl. Café Extrablatt, Markt, täglich 13 bis 18 Uhr. Er ist dann so eine Art Kumpel, Kummerkasten und Psychotherapeut in einem. Seelsorger eben.

Und was soll man sagen? Das Angebot wird angenommen. Schornstein sagt: „Man merkt, dass die Menschen ein Bedürfnis haben zu reden.“ Und Schornstein ist dankbar, dass er zuhören darf.

Früher war Schornstein (57) Leiter von sechs Pfarreien zwischen Aachen-Kornelimünster und Roetgen-Rott. Vergangenen Sommer musste von seinem Amt zurücktreten, er, der Seelsorger, war, seelisch überfordert, so kann man es wohl sagen. Bischof Heinrich Mussinghoff hatte ein Einsehen und versetzte Schornstein, als er wieder bei Kräften war, als Pfarrvikar nach Aachen-Nordwest, er steht jetzt in der zweiten Reihe. Am liebsten, sagt Schornstein, ist er einfach nur Seelsorger, so wie jetzt, während der Heiligtumsfahrt am Markt.

Manchmal kommen auch Menschen zu Schornstein, die mit ihrem Glauben Schwierigkeiten haben, die gern würden, aber nicht können. Früher hat es immer geheißen, der Pfarrer sei dazu da, Gott zu den Menschen zu bringen, aber Schornstein findet das überheblich. „Gott ist überall“, sagt Schornstein, „da kann ich ganz gelassen bleiben.“ Jeder Mensch müsse selbst zu seinem Glauben gelangen, er könne höchstens helfen, den Weg dorthin zu finden.

Weil es offenbar einen Bedarf für ansprechbare Seelsorger gibt, ist das Bistum dabei, Schornsteins Heiligtumsfahrtsaktion zu institutionalisieren. Wenn alles läuft wie geplant, wird Schornstein ab Herbst ein Büro bekommen, in das jeder kommen kann so wie jetzt während der Heiligtumsfahrt. Schornstein sitzt dann dort und wartet, er wird ansprechbar sein. Genau sein Ding.

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